Horrorfans aufgepasst: Das neue Jahr bringt so manche Kostbarkeiten in die Kinos – darunter auch das Spielfilmdebut von Regisseur Peter Hengl. Beschrieben als das österreichische Pendant zu Robert Eggers‘ „The VVitch“, stellt „Family Dinner“ als psychologischer Thriller im Kammerspiel-Format die Nerven des Publikums auf die Probe – und das ganz ohne Jumpscares. Der Film ist ab 27.1.2023 in den österreichischen Kinos zu sehen.

Film Plus Kritik hat sich zum Kinostart mit dem Regisseur und mit den Hauptdarsteller/innen Pia Hierzegger, Alexander Sladek und Nina Katlein getroffen, um mehr über den Film zu erfahren.

von Natascha Jurácsik

⦁ Interview mit Regisseur Peter Hengl, der mit „Family Dinner“ seinen ersten Langfilm auf die Leinwand bringt

Film plus Kritik: Glückwunsch zum ersten Spielfilm.

Peter Hengl: Dankeschön.

Wie war für dich die Umstellung von Kurzfilm auf Langfilm?

Das war gar nicht so schlimm, denn auch im Kurzfilm-Bereich habe ich mit Genre gearbeitet und da viele Erfahrungen gesammelt. Auch davor habe ich mit einem Kollegen Fernsehstoffe geschrieben, die verfilmt wurden, also war ich eigentlich sehr gut vorbereitet.

Wie war der Prozess, bis es zum Dreh von „Family Dinner“ kam? Bei Horrorfilmen kann es schwierig sein, eine Finanzierung zu bekommen.

Es war tatsächlich nicht leicht, aber man hat gemerkt, dass irgendwann ein Punkt erreicht wurde, an dem alle erkannt haben, dass es eine sehr spannende und aktuelle Geschichte ist, die viele Leute ansprechen wird. Ab da ging es eigentlich sehr gut und alle wollten das gleiche, aber Anfänge sind natürlich immer schwer.

Peter Hengl

Jetzt eine etwas unoriginelle Frage: Woher kam die Idee zum Film?

Ich wollte auf jeden Fall einen Horrorfilm machen, weil ich das Genre sehr mag und ich wollte unbedingt einen Film machen, den ich mir selbst im Kino anschauen würde. Auf die Idee kam ich recht zufällig, aber ich wusste gleich, dass es eine super Geschichte ist, bei der ich richtig unheimlich werden kann und bei der die Zuschauer bis zum letzten Moment auf der Sesselkante sitzen werden.

Es geht viel um Essen und Diätkultur in „Family Dinner“. Wie kam es zu dieser Thematik? Hast du da eventuell selbst Erfahrungen damit oder ist es ein Thema, das dir wichtig ist?

Wenn ich es mir leicht machen will würde ich sagen, dass meine Frau, die den Film mitproduziert hat, eine Ausbildung in dem Bereich hat, was sicherlich ein Faktor war. Aber ausschlaggebend war, dass es etwas sehr Zeitgemäßes ist, vor allem heute, wo es ganz stark um Selbstoptimierung und das eigene Körperbild geht, was auch wahnsinnig viele Menschen betrifft. Ich glaube jeder kämpft mit einem gewissen Selbstbild, gerade was das Aussehen angeht. Außerdem finde ich Essen im Kino immer ganz toll, da haben wir auch viel Zeit investiert, damit dem Publikum das Wasser im Mund zusammenläuft.

Bei mir hat’s jedenfalls funktioniert, da konnte auch das Popcorn nicht mithalten.

Ja, wir sagen auch immer: Geht nicht hungrig ins Kino.

Du bist selbst Horrorfan. Gibt es visuelle Inspirationen aus dem Genre für den Film?

Ja, auf jeden Fall. Da es mein erster Film ist sind da ganz viele Inspirationen von mir drin, da man gerne verwendet, was einem woanders gefallen hat. Ein Beispiel wäre ganz klar „The Shining“, aber auch die aktuelle Welle an Horrorfilmen, die man als „A24 Horror“ bezeichnet, wie von Ari Aster oder Robert Eggers, war ganz stark inspirierend für mich. Aber ich hoffe natürlich, dass ich etwas Eigenes geschaffen habe, das als österreichischer Film erkennbar ist und trotzdem international genug ist, um ein weiteres Publikum anzusprechen.

Was würdest du unter einem „österreichischen Film“ verstehen?

Naja, ich glaube wir Österreicher haben ein bisschen eine schwarze Seele und haben eine lange Tradition an Düsterkeit und schwarzem Humor. Das findet man natürlich auch im Film wieder, ohne, dass ich jetzt genau sagen kann, woran es liegt, aber man erkennt es als Zuschauer und denkt sich „Ja, das ist mein Österreich.“

Hast du als Horrorfan jemals mit dem Gedanken gespielt, den Film ein wenig blutiger bzw. exzessiver zu machen?

Für mich war es von Anfang an eine psychologische Slow-Burn-Geschichte. Ich glaube das Schöne daran ist, dass es eben kein Gemetzel ist, das Leute verschreckt; der Film ist auch ohne Jumpscares gemacht. Viele Leute sagen mir, sie gucken keine Horrorfilme, weil sie sich nicht gern erschrecken, und denen sage ich, dass sie sich „Family Dinner“ ruhig anschauen können, weil es kein Horror ist, bei dem sie alle zwei Minuten aus dem Sessel hüpfen und nichts von der Handlung mitbekommen, da es eher um ein psychologisches Erschaudern geht. Natürlich ist der Film trotzdem spannend, aber er arbeitet eben nicht mit viel Blut oder kurzen Schreckmomenten.

Meinst du diese Jumpscare-lastigen Filme, die in den letzten Jahren viel im Mainstream vertreten waren, repräsentieren das Horrorgenre falsch?

Ich denke es ist einfach eine andere Kategorie von Horror und dass Leute, die diese Kategorie mögen, auch unseren Film mögen können. Es ist halt was anderes und ich finde das Schöne am momentanen Horrorgenre ist, wie vielfältig es ist und dass es wahnsinnig viel Originalität gibt, was auch vom Publikum geschätzt wird.

Der Film hat teils etwas vom Folk-Horror-Genre: Tante Claudia orientiert sich an heidnischen Praktiken, gleichzeitig findet man sehr viel religiösen Symbolismus. War das eine bewusste Entscheidung oder verlief die Geschichte organisch in diese Richtung?

Das war auf jeden Fall bewusst. Ich liebe Folk-Horror und es hat mich immer gefreut, wenn der Film als „österreichisches ‚Midsommar‘“ bezeichnet wurde. Ich glaube, dass wir uns insofern etwas unterscheiden, dass es hier eher um eine innere Psychologie geht und keine Bedrohung von außen. Aber natürlich spielt er mit diesen Folk-Horror-Elementen, die man aus Filmen wie „Midsommar“ kennt.

Gerade beim vorhin erwähnten „A24 Horror“ spielt die Familie als Ort des Schreckens eine große Rolle. Ist das eine Thematik, die dir nahegeht oder wie kamst du dazu?

Ich denke, dass das etwas sehr Universelles ist, was viele Menschen nachvollziehen können. Die Familie ist ein Ort der größtmöglichen Enge und der größtmöglichen Reibungspunkte, wodurch es sehr interessant ist, darüber Geschichten zu erzählen. Die Familie sind meistens die Menschen, denen wir am meisten vertrauen, wodurch es umso schlimmer ist, wenn sie sich als nicht vertrauenswürdig herausstellen. Der Gedanke hat auch mich sehr angesprochen, da ich eigentlich aus einer sehr behüteten Familie komme, also ist die Vorstellung, Angst vor ihr haben zu müssen, umso verstörender.

Obwohl du also aus einer Familie kommst, die das komplette Gegenteil von der in „Family Dinner“ ist, fällt beim Film auf, wie realistisch und reich an Details die Beziehungen zwischen den Figuren dargestellt sind. Wurdest du doch teils von echten Erfahrungen inspiriert?

Ich würde nicht sagen aus persönlichen Erfahrungen, aber natürlich nimmt man sowas bewusst oder unbewusst aus dem eigenen Umfeld mit, wenn man das beispielsweise bei anderen beobachtet oder wenn man sich überlegt „Was wäre mir jetzt sehr unangenehm?“ Ich glaube, wir alle kennen solche Situationen und es macht auch Spaß, sowas abzubilden und als Zuschauer zu belächeln.

Sind menschliche Beziehung demnach etwas, das dich sehr interessiert und mit dem du dich viel beschäftigst?

Primär interessiert mich, Menschen mit meiner Arbeit zu unterhalten und Sachen zu machen, die sich Leute auch gerne anschauen. Aber natürlich spricht es mich in Filmen – gerade bei Horrorfilmen – am meisten an, wenn es einen Moment gibt, bei dem ich mir denke „Oh, das kenne ich irgendwoher.“ Das war auch etwas, das ich erreichen wollte, dass dem Publikum bestimmte Szenarien vertraut vorkommen, abgesehen vom Ende natürlich.

Zum Abschluss: Hast du schon das nächste Projekt in Aussicht und wenn ja, ist das auch wieder aus dem Horror-Genre?

Sowohl wir als Firma, als auch ich als Person haben viele Projekte in Entwicklung und versuchen uns möglichst breitbeinig aufzustellen und natürlich auch viele weitere Horrorstoffe zu produzieren. Ich im speziellen arbeite momentan an mehreren Horrorprojekten, die allerdings noch nicht so weit sind, dass ich darüber sprechen möchte. Ich hoffe, dass ich bald nachlegen kann und möchte auch dem Genre treu bleiben, aber es gibt noch nichts, wozu ich momentan was erzählen könnte.

Dann freuen wir uns auf das nächste Horrorspektakel.

Dankeschön, ich mich auch!

Pia Hierzegger

⦁ Interview mit Schauspielerin Pia Hierzegger („Tante Claudia“)

Der Film ist recht speziell, sogar makaber. Was hat Sie davon überzeugt, Teil eines solchen Projekts zu werden?

Eigentlich war es ein bisschen überrumpelnd. Ich war in einer Theaterproduktion und die hätte 23 Vorstellungen gehabt und durch den erneuten Lockdown ist es dann eine Online-Produktion geworden mit viel weniger Vorstellungen. Plötzlich kam dann dieses Casting – ich glaube, weil eine Schauspielerin abgesagt hat – und dann war ich dort. Ich bin keine Genre-Kennerin und bin auch nicht begeistert von Genre-Filmen, aber ich fand es super, dass über das Genre diese wirren Familienverhältnisse erzählt werden und auch gesellschaftliche Themen mitschwingen. Dann beim Casting war es auch super, mit Nina und Peter zusammenzuarbeiten und dann habe ich mich tatsächlich sehr gefreut, dass ich die Rolle bekommen habe. Danach ging auch alles sehr schnell – Mitte Februar war das Casting und Anfang März haben wir gedreht.

Apropos Theater: Sie haben sehr viel Theatererfahrung. Konnten Sie davon konkret etwas in die Rolle einbringen?

Ich spiele in einem sehr kleinen Theater. Wir machen ganz andere Dinge, es geht nicht so sehr um „Rollen verkörpern“, sondern eher um Performance. Zuletzt habe ich eine Arbeit gemacht namens „Die Spieler vom Fußballplatz“, allerdings als Regisseurin; in einer Szene erzählt eine Schauspielerin eine Geschichte und das Publikum auf der Tribüne hört ihr live über Kopfhörer zu und da geht es dann weniger darum, eine Rolle einzunehmen, sondern darum eine Geschichte zu erzählen. Zusätzlich mache ich viel Improvisation, das hilft natürlich am Set, wo immer alles anders ist, als man sich das vorstellt. Aber ich finde doch, dass die Arbeit sehr unterschiedlich ist.

War die Arbeit am Set demnach eine Art Herausforderung?

Nein. Es gibt zwar diese Unterschiede, aber im Moment des Spiels ist es dasselbe, da muss man präsent sein.

Sie haben auch schon selbst für Fernsehproduktionen geschrieben. Fanden Sie das Drehbuch aus der Sicht einer Autorin interessant?

Es gibt Drehbücher, bei denen ich mich von Anfang an schwer tue, die Zeilen zu sprechen, was hier nicht der Fall war, es war alles sehr mundgerecht geschrieben. Mich interessierte auch die Geschichte: Mich interessieren Beziehungen, weswegen ich die Geschichte sehr spannend fand. Zum Genre selbst kann ich allerdings nur wenig sagen, da ich mich da nicht auskenne.

Würden Sie trotzdem nochmal bei einem Genre-Film mitwirken?

Ja, auf jeden Fall. Wenn das Genre ein Vehikel ist, um eine Geschichte zu erzählen und nicht nur das Genre „erfüllt“ wird, finde ich solche Filme total spannend. Gerne auch als Zombie.

Das wäre auch interessant zu sehen. Gab es eigentlich einen Rahmen für Improvisation beim Dreh?

Wir haben eigentlich viel geprobt. Den Text haben wir nicht wirklich improvisiert, weil der eh gestimmt hat, aber natürlich fragt man an manchen Stellen nach, ob man Kleinigkeiten verändern oder anders machen kann. Beim Dreh selbst hat man allerdings immer weniger Zeit, also wurde das meiste bei den Proben vereinbart.

Die Beziehung zwischen Tante Claudia und ihrem Sohn ist ja recht komplex. Wie war die Arbeit mit Alexander Sladek?

Ich habe gewusst, dass dies für ihn und Nina die erste große Rolle ist, aber ehrlich gesagt hat man das gar nicht gemerkt. Sie haben vorher schon viel mit Peter gearbeitet und sie haben sich recht schnell in die Abläufe am Set eingefunden. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich ihnen irgendwas erklären müsste. Auch durch die Zeit bei den Proben war der Dreh selbst dann einfacher und während dieser sechs Wochen waren wir auch viel zusammen, wodurch es leicht war, ein gewisses Vertrauen aufzubauen. Dadurch war dann alles sehr entspannt.

Zum Schluss hätte ich eine Frage zu Ihrer Vorbereitung: Tante Claudia unterscheidet sich von den Rollen, für die Sie sonst so bekannt sind. Sind Sie anders an dieses Projekt herangegangen?

Ich denke, man versucht immer so zu spielen, dass man es sich selbst glaubt und wie man das letztendlich erreicht, ist im Grunde egal. Es gibt natürlich Rollen, bei denen man mehr Verantwortung trägt, sich gut vorzubereiten, weil man etwas darstellt, wovon man keine Ahnung hat. Hier hatte ich das Gefühl, dass es Ansätze gibt, die ich auf mein eigenes Leben übertragen konnte. Ansonsten hat auch das Set selbst sehr geholfen in Stimmung zu kommen: Das verlassene Haus, die Kälte, der Lockdown, solche Sachen helfen beim Zugang natürlich.

⦁ Interview mit den Nachwuchstalenten Nina Katlein (Simi) und Alexander Sladek (Filipp)

Nervt es eigentlich schon, immer die gleichen Fragen beantworten zu müssen?

Nina: Eigentlich nicht, mittlerweile haben wir Übung drin. Und als Schauspieler reden wir ja sehr gerne über uns.

Das war für euch beide der erste Spielfilm. Wie war die Erfahrung?

Nina: Es war der Wahnsinn. Schon als ich die Anfrage bekommen habe, dachte ich mir „Wow, eine Hauptrolle in einem Kinofilm, wie cool!“ Das ist eh der Traum, denk ich, von jedem Schauspieler. Und die Rolle dann wirklich zu bekommen war schon echt beeindruckend und es war eine super schöne Erfahrung. Ich glaube wir können beide sagen, das wir sehr viel gelernt haben.

Alexander: Ja, auf jeden Fall. Wir sind in eine komplett neue Welt eingetaucht, die man nur von Erzählungen oder vom Fernsehen kennt. Viele Leute fragen sich ja, wie es eigentlich ist, einen Film zu drehen – und wir wissen es jetzt.

Alexander Sladek

Der Film selbst ist ziemlich düster und bedrückend, aber wie war die Stimmung am Set?

Nina: Überhaupt nicht so. Es war echt lustig, wir haben die ganze Zeit gelacht in den Pausen.

Alexander: Auch jedes einzelne Teammitglied und unsere Schauspielkollegen waren die ganze Zeit über so nett. Es waren alle total entspannt.

Nina: Und auch wenn es mal stressig war haben wir wenig später wieder zusammen gelacht.

Wie lief der Castingprozess für euch ab?

Alexander: Wir hatten als erstes beide einen Castingaufruf, den uns unsere Agenturen zugeschickt haben. Danach haben wir ein Video aufgenommen, in dem wir zwei bis drei Szenen gespielt haben, ohne wirklich zu wissen, worum es im Film geht. Anschließend hatten wir zwei Online-Interviews über Zoom.

Nina: Ja, war im Lockdown dann etwas schwierig, deshalb waren sie online. In den Interviews haben wir dann mit dem Regisseur geredet und mehr Infos bekommen. Nach der zweiten Castingrunde haben wir dann das Drehbuch bekommen und nach zwei weiteren Treffen wurde uns gesagt, dass wir die Rollen hätten.

Nina Katlein

Gab es etwas, das euch am Drehbuch besonders angesprochen hat?

Nina: Die Geschichte ist extrem spannend und hat sich auch gut lesen lassen. Für mich war es auch etwas ganz anderes, da ich Horror privat eigentlich nie wirklich geschaut habe, bis jetzt zumindest.

Alexander: Der Thriller-Aspekt hat auch mich begeistert und ähnlich wie Nina war ich im Grunde nie Horror-Fan, aber der Film hat mich fast bekehrt. Der Gedanke, einen Charakter zu spielen, der so anders ist als man selbst, war auch sehr aufregend.

Nina: Das stimmt, wir haben festgestellt, dass unsere beiden Charaktere das genaue Gegenteil von uns sind.

Alexander: Das ist ja das tolle am Schauspiel: Man kann jemand sein, der man im echten Leben nie wäre ohne Konsequenzen.

Kam es vor, dass ihr eine Szene anders interpretiert habt als Regisseur Peter Hengl?

Alexander: Nicht erheblich.

Nina: Wenn es mal vorkam, haben wir immer einen Mittelweg gefunden. Da war Peter auch sehr zugänglich.

Alexander: Er war sehr offen unseren Vorschlägen gegenüber, wenn wir welche hatten.

Ihr habt es vorhin schon angesprochen, aber seid ihr inzwischen eigentlich Fans von Horrorfilmen?

Nina: Jetzt mehr als vorher.

Alexander: Davor habe ich mir nie Horrorfilme angesehen, ich habe auch in der Geisterbahn Angst. Aber mittlerweile schaue ich sie ganz gerne mit meinen Brüdern oder Freunden.

Nina: Da wir während der Pandemie gedreht haben, mussten wir auch die gesamten fünf Wochen im Hotel verbringen und hatten öfter mal Freizeit. Peter hat uns dann Filme gezeigt, die ihn inspiriert haben, wie zum Beispiel „Hereditary“ und „The Shining“. Am Anfang hatte ich dann doch etwas Angst, aber jetzt finde ich sie ganz gut.

Alexander: Aber alleine schau ich sie mir immer noch nicht an.

Wie haben eigentlich eure Familien und Freunde darauf reagiert, dass ihr in so einem Film mitspielt?

Alexander: Ein paar haben wir verstört.

Nina: Meine Tante hat sogar schlecht geschlafen nach dem Film.

Alexander: Meine Mutter auch. Da ist mir eigentlich erst bewusst geworden, wie anders wir den Film eigentlich wahrnehmen.

Nina: Er ist für uns ja auch mit lustigen Erinnerungen verbunden, an die wir dann eher denken.

„Family Dinner“ kommt in Österreich zwar erst im Januar ins Kino, aber er hat auf internationalen Festivals ganz schön die Runde gemacht. Wie waren die Reaktionen bis jetzt?

Nina: Bis jetzt haben wir sehr gute Kritiken bekommen, was manchmal etwas surreal ist. Mir selbst gefällt der Film auch sehr gut, aber trotzdem ist es erstaunlich, wie sehr die Leute ihn feiern.

Alexander: Es gibt hin und wieder Kleinigkeiten, die bemängelt werden, aber eigentlich waren die Reaktionen überwiegend positiv. Lustigerweise kritisiert jede Person etwas anderes, also liegt es wahrscheinlich eher am Geschmack.

Alexander, deine Figur Filipp ist ein sehr komplexer Charakter: Erst hat man als Zuschauer etwas Angst vor ihm, dann tut er einem aber auch leid. Wie stehst du selbst zu ihm?

Alexander: Er tut mir ziemlich leid. Er ist in einer Situation gefangen, aus der er nicht ausbrechen kann und der einzige Grund für sein negatives Verhalten ist, dass er in dieser Familiendynamik gefangen ist. Ich finde, man merkt auch, dass seine Aggressivität ein Schutzmechanismus ist. Ich würde mir für ihn wünschen, aus dieser Familie auszubrechen.

Nina, Simi nimmt auf mehreren Ebenen die Rolle der Außenseiterin ein, einerseits wegen ihres Aussehens und anderseits als Fremdkörper in der Familie von Tante Claudia. Ist das ein Aspekt der Rolle, der dir schwerfiel?

Nina: Teilweise ja. Einerseits kann ich mich, wie viele andere auch, mit gewissen Themen im Film identifizieren, gerade was die Diätkultur betrifft, und ich denke, dass so mancher Zuschauer das Gefühl kennt, in eine fremde Gruppe zu kommen, die von außen anders erscheint, als sie eigentlich ist. Es war mir auch wichtig, das glaubhaft widerzuspiegeln.

Vielen Dank an Peter Hengl, Pia Hierzegger, Nina Katlein und Alexander Sladek für die interessanten Gespräche!

Die Interviews fanden am 9.11.2022 in Wien statt.

Bilder: (c) Panda Lichtspiele