Ab 4.4.2024 als VOD und limitiertes Mediabook mit exklusivem Artwork und Bonusmaterial erhältlich.
von Richard Potrykus
Nach ihrem Festivalhit “Beyond the infinite two minutes” (2020), in dem Monitore wahlweise die Ereignisse zeigen, die zwei Minuten in der Zukunft oder zwei Minuten in der Vergangenheit liegen, hat sich die japanische Theatertruppe rund um den Regisseur Junta Yamaguchi erneut zusammengetan, um einmal mehr eine skurrile Science-Fiction-Geschichte zu erzählen. “River”, der Film, der den Untertitel “The Timeloop Hotel” trägt, handelt von genau dem, was der Untertitel verspricht.
In einem idyllisch gelegenen Berghotel gibt es einerseits Personal und andererseits illustre Gäste. Alles geht seinen gewohnten Gang, bis die Figuren mit einem Mal feststellen müssen, dass sich die Ereignisse wiederholen. Schnell ist klar, dass die Déjà vus keine solchen sind, und dass sich das gesamte Areal in einer Zeitschleife befindet, die alle zwei Minuten von neuem beginnt.
War es in “Beyond the infinite two Minutes” noch so, dass über den ganzen Film hinweg eine One-Shot-Optik imitiert wurde, ist es in “River” so, dass die einzelnen Zeitschleifen ohne Schnitte auskommen. In herrlichen Plansequenzen, bei denen stets die Figur der Hotelbediensteten Mikoto (Riko Fujitani) Ausgangs- und Mittelpunkt der Handlung bildet, werden die Prozesse gezeigt, die sich nach und nach entwickeln, je öfter sich die Zeitschleife wiederholt.
Dabei wird viel Sinn auf Details gelegt.
Ungeachtet der zeitlichen Knappheit, aber auch der Folgenlosigkeit, zieht Mikoto jedes Mal, wenn sie das Gebäude betrifft, ihre Schuhe aus und pflegen alle Figuren die fortwährende Höflichkeit durch wiederholtes Verbeugen.
Nur zögernd wird Vorgesetzten widersprochen, wenn es unter anderem darum geht, einen gemeinsamen Treffpunkt zu vereinbaren, wenn dies bedeutet, dass die Untergebenen viel Strecke zurücklegen müssen, während die Vorgesetzten an Ort und Stelle bleiben.
Ebenso wird auf die Standorte der Gäste Rücksicht genommen, welche dies wie selbstverständlich begrüßen. Erst als alle Beteiligten aus ihren gesellschaftlichen Rollen ausbrechen und ihre Komfortzonen verlassen, wird eine Dynamik ermöglicht, die es erlaubt, das sie umgebende Phänomen zu begreifen und nach Lösungen zu suchen.
In anderen Zeitschleife-Narrativen wie etwa “Palm Springs” (2020) oder “…und täglich grüßt das Murmeltier” (1993) haben die Figuren viele Stunden oder gar einen ganzen Tag zur Verfügung. Sie können sich ausgiebig mit sich selbst, ihrem Umfeld und ihren Stärken und Schwächen widmen.
Hierauf können die Figuren in “River” keine Zeit verwenden.
Sie müssen sich auf die Konflikte konzentrieren, die unmittelbar vor ihrer Nase liegen. Während das Zimmermädchen Chino (Saori) daran verzweifelt, dass sie den Sake nicht aufgewärmt bekommt, wird ein Schriftsteller Obata (Yoshimasa Kondo) gleichsam von einer Schreibblockade und dem Druck seines Agenten geplagt und befinden sich zwei Arbeitskollegen in einem Streit.
All diese und weitere Konflikte nehmen mit der Zeit zu, denn es werden immer dieselben Fragen gestellt und immer dieselben Gedanken zum Ausdruck gebracht, ohne dass es einen Fortschritt gibt. Doch, es gibt Fortschritt. Ungeachtet der zeitlichen Wiederholung verändert sich das Wetter. Es beginnt nach und nach zu schneien und den Figuren wird klar, dass sie ihre Konflikte zeitnah in den Griff bekommen müssen.
Die zwischenmenschlichen Beziehungen bilden den Kern und auch die Stärke von “River”, der sich vielen Einzelschicksalen widmet und doch Mikoto in seinem Zentrum weiß, die neben der ihr abverlangten Professionalität gegenüber den Arbeitskolleg*innen und Gästen mit eigenen Problemen und einer möglichen Liebesbeziehung zu kämpfen hat. Natürlich gibt es, wie zuvor “Beyond the infinite two Minutes”, eine skurrile Auflösung am Schluss, aber der Weg bis dort ist prall gefüllt mit allerlei Ereignissen und interessanten philosophischen Denkanstößen.
Fazit
“River – The Timeloop Hotel” erscheint nun im Streaming und ist auch auf Blu-Ray erhältlich. In der Busch Media Group ein limitiertes Mediabook heraus, in dem sich nicht nur der Film befindet, sondern auch ein 16-seitiges Booklet sowie eine Bonus-Blu-Ray mit einem einstündigen Making Of. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, die bereits erwähnten Denkanstöße näher in Augenschein zu nehmen. Der Film ist witzig, kurzweilig und abwechslungsreich und besticht wie schon zuvor “Beyond the infinite two Minutes” durch seine Frische und Unbekümmertheit im Angesicht des außerordentlichen Abenteuers. Beide Filme sollen hier als Geheimtipps verstanden werden, die von allen geschaut werden sollten, die auf clevere Science-Fiction stehen und für die es nicht immer die blank polierte Hollywood-Ästhetik sein muss.
Wertung
(82/100)
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