Was AppleTV+ mit „Presumed Innocent“ (von Serien-Genie David E. Kelley umgesetzt) herausragend gelungen ist (ein Serien-Remake eine Kult-Klassikers), endet bei „Time Bandits“, seit letzter Woche zu streamen, als kolossaler Bauchfleck. Warum das so ist, verrät unsere Serien-Kritik zu den ersten beiden Folgen.
von Christian Klosz
Das Original „Time Bandits“ entstand 1981 unter der Regie von Terry Gilliam im Dunstkreis der Monty Pythons. Der Film wird zwar offiziell nicht als Python-Film gezählt, erfreute aber vor allem das entsprechende Publikum und wird zum erweiterten Kreis dieses Universums gerechnet. Nicht nur wegen Gilliam, sondern auch wegen der Besetzung der Rollen mit Monty Python-Ikonen wie John Cleese und Michael Palin.
2018 wurde angekündigt, dass Taika Waititi („Jojo Rabbit„) eine Serien-Adaption des Stoffes drehen soll. Man konnte bereits da die Frage stellen, ob es funktionieren kann, den vollkommen anarchistischen und politisch unkorrekten Humor der Monty-Python-Truppe in die politisch korrekte Gegenwart zu transportieren, umso mehr, als Waititi für seinen harmlosen Hipster-Humor bekannt ist.
„Time Bandits“ aus 1981 war ein satirisches Fantasy-Spektakel, das von den Zeitreisen einer Gruppe Kleinwüchsiger und eines Buben durch die Geschichte erzählt. Alles beginnt damit, dass sich im Zimmer des 11-jährigen Kevin plötzlich ein Wurmloch auftut, durch das eine Gruppe von Zwergen schlüpft, die sich als „Zeitdiebe“ bezeichnen. Mithilfe einer geheimen Karte reisen sie und stehlen sich quer durch die Menschheitsgeschichte.
„Time Bandits“: Harmloser Hipster-Klamauk
Diese Ausgangslage hat Showrunner Taika Waititi bei seiner 10-teiligen Neuadaption weitgehend beibehalten, wenngleich die Time Bandits den (post)modernen Erfordernissen angepasst wurden: Die Gruppe besteht nun nicht mehr aus (männlichen) Kleinwüchsigen, sondern ist ethnisch und geschlechtlich divers. Das kennt man aus vielen neueren Produktionen: Auch in oben erwähntem „Presumed Innocent“ ist das der Fall. Der große Unterschied ist, dass es dort organisch wirkt, hier hingegen gewollt. Versehen mit der unbedingten Absicht, ja keinem auf die Füße zu treten, als Mittel zum Zweck.
Dasselbe trifft auch auf den Humor zu: Dass der Wille zur unbedingten und absoluten political correctness für die Adaption eines Monty Python-Stoffs die denkbar schlechteste Voraussetzung ist, wird in „Time Bandits“ offensichtlich: So sind die ohnehin oberflächlichen (post-)modernen Anpassungen gar nicht das Hauptproblem der Serie, sondern vielmehr der allzu bemühte Durchschnittshumor, der stets Richtung Klaumauk geht und sich für klüger hält, als er ist. Hinzu kommen die geschwätzigen, selbstverliebten Dialoge, die viele von Waititis Kreationen kennzeichnen.
Fazit
So manchen (aufs Alter bezogen) Kleinwüchsigen mag „Time Bandits“ vielleicht Freude bereiten und anspruchslose Unterhaltung bieten. Bei allen anderen wird sich ob dieses in Serienformat gegossenen time bandits recht bald gähnende Langeweile und augenrollende Enerviertheit breit machen. Insbesondere bei Monty Python-Fans.
Bewertung
(41/100) (erste 2 Folgen)
Bild: Apple TV+ (c)
