Found Footage-Horror ist immer etwas Besonderes, weil hier das Kameraauge nicht nur das Auge des Publikums ist, sondern auch den Blick von Figuren repräsentiert. Näher kann ein Mensch dem Geschehen auf der Leinwand oder am Bildschirm nur kommen, wenn er, wie der Junge aus “Last Action Hero“ (1993), eine goldene Eintrittskarte besitzt und -schwups- in den Film hineingezogen wird. Mit „Do Not Enter“ ist jetzt ein brandneuer Found-Footage-Vertreter aus Paraguay im Heimkino verfügbar.
von Richard Potrykus
„Do Not Enter“: Found Footage-Horror-Geheimtipp aus Paraguay
Found Footage ist grundsätzlich nichts Neues und existiert in der einen oder anderen Form seit den 1950er Jahren. Im Laufe der Zeit drückten einige Filme dem Subgenre ihre ganz eigenen Stempel auf. Da gibt es etwa “The Blair Witch Project” (1999), den Klassiker von der Jahrtausendwende, daneben “Cannibal Holocaust” (1980), den indizierten Geheimtipp von unter der Ladentheke, und natürlich den besten seiner Art, den spanischen Film “Rec” (2007).
Mit “Do Not Enter” (2024) gibt es nun den neuesten Vertreter dieser Art Film und der kommt aus Paraguay. Regisseur Hugo Cardozo, der unter anderem auch das Drehbuch mitgeschrieben und die Kamera bedient hat, inszeniert darin das Wirken zweier YouTuber, Aldo (Lucas Caballero) und Cristian (Pablo Martínez), die sich für Ruhm und Likes Zugang zu einem verlassenen Haus verschaffen, womit zur Handlung auch schon alles gesagt sei.
Der Plot klingt simpel und zusammen mit der Machart – der Film zeigt ausschließlich Aufnahmen eines Camcorders, einer Webcam und Smartphones – könnte man meinen, ohnehin alles Notwendige zu wissen und ohnehin zu kennen. Zweifellos ist es auch so, dass der Film das Rad nicht neu erfindet und sich hier und da nicht nur bekannter Stilmittel bedient, sondern auch andere Filme direkt referenziert. Doch, wie so oft, ist der Weg das Ziel und Cardozo hat seinen Weg gut gepflastert.
“Do Not Enter” ist nicht nur ein Horrorfilm, sondern auch ein Kommentar auf die zahllosen Social Media Karrieren, die zu Reichtum und Ruhm führen sollen, und die Gefahren, die damit einhergehen. Und so ist gerade der erste Akt des Films interessant, wenn es darum geht, mit der Community zu interagieren, in Live Streams jede Konsequenz zu teilen und auf die Follower zu reagieren.
Kommentare, Likes und Reichweite sind Kennzahlen und Ziele zugleich und damit einhergehend das unstillbare Bedürfnis nach mehr. Bilden anfangs noch das gemeinsame Basketballspiel und ein ausgerenkter Finger die Highlights in Sachen Content, merken die beiden Freunde bald, dass eine einfache Manipulation eines Bildes eine wesentlich größere Reichweite generieren kann. Diese kleine Manipulation entpuppt sich schon bald als ein Fass ohne Boden und bringt nicht nur Aldo und Cristian an sich, sondern auch die Freundschaft der beiden hart an die Grenzen.
Schockmomente und konstant wabernder Horror wechseln sich in „Do Not Enter“ immer wieder ab und der subjektive Blickwinkel der Kamera ist schwer beklemmend. Auch wenn man als Zuschauer allgemein nie einen Einfluss auf das hat, was man sieht, so hat Cardozo hier ganze Arbeit geleistet, da es nicht leicht ist, zu akzeptieren, das Sichtfeld nicht ändern zu können, egal wie sehr man bemüht ist, sich den eigenen Hals in alle Richtungen zu verrenken. Das Unheimliche kommt vielseitig und verspielt daher. Und so scheint es in „Do Not Enter“ nicht das eine spezielle Böse zu geben, sondern viel Böses mit vielen Facetten.
Fazit
“Do Not Enter” hat eine Laufzeit von gerade einmal 85 Minuten und holt viel aus dieser Länge heraus. Er bietet ein paar echt gute Momente, die wirklich schockieren, und auch jene, die einem nicht den ultimativen Schauer über den Rücken jagen, sind stimmungsvoll in Szene gesetzt. Spannend auch die Mid-Credits-Scene, die dem Kommentar, den der Film enthält, noch einmal richtig einen draufsetzt. Das Endresultat ist ein feiner Found-Footage-Horrorfilm, der nun auf DVD, Blu-Ray und als VOD erschienen ist – und sich seinen Platz in gut sortierten Filmsammlungen verdienen kann.
Bewertung
(74/100)
Jetzt als DVD, BluRay und VOD verfügbar. #heimkinoliebe
Bild: (c) Busch Media Group
