Die Ankündigung Donald Trumps auf seiner Plattform Truth Social, einen 100-prozentigen Zoll auf im Ausland produzierte Filme einzuführen, sorgt weiter für Wirbel. Trump wies gestern das US-Handelsministerium an, die Zölle unverzüglich umzusetzen, ohne jedoch konkrete Details zu den Bedingungen zu nennen. Er forderte, dass Filme wieder in den USA produziert werden, da die heimische Filmindustrie „schnell stirbt“.

von Christian Klosz

Wie Variety berichtet, herrscht nach der Ankündigung Trumps in der US-Filmbranche Schock und Verwirrung, auch weil bisher nicht klar ist, wie diese neuen Tarife überhaupt umgesetzt werden sollen und worauf genau sie sich beziehen. Ein britischer Produzent sprach mit dem Branchenmedium: „Das ergibt keinen Sinn. Es suggeriert, ein US-Film müsse in den USA gedreht werden. Aber die ‚Harry Potter‘-Filme, ‚Der Herr der Ringe‘, ‚Schindlers Liste‘, ‚Mission Impossible‘, ‚Gladiator‘, ‚Aviator‘ und viele andere sind US-Filme, die aus offensichtlichen Gründen im Ausland gedreht wurden. Müssen diese Filme von nun an in den USA gedreht werden? Das ist eine absurde Ankündigung ohne Sinn und Verstand, ohne Verständnis für Storytelling oder kreative Impulse.“

Die originale „Herr der Ringe“-Trilogie wurde bekanntlich in Neuseeland gedreht, der Heimat Peter Jacksons, es handelt sich dabei um eine US-amerikanisch-neuseeländische Co-Produktion. Solche internationalen Co-Produktionen sind in der Filmbranche üblich und kommen bei vielen, auch größeren Filmen vor. Sollten die 100%-igen Zölle auf im Ausland gedrehte Filme schlagend werden, könnten auch viele amerikanische Hollywood-Großproduktionen nicht mehr gedreht werden. Sprich: Hätte es diese Zölle bereits um 2000 gegeben, hätte Peter Jackson sein Epos nicht drehen können, zumindest nicht in der Form, da das produzierende US-Studio einen 100%-igen Zoll der Produktionskosten in Neuseeland an die US-Behörden hätte zahlen müssen (Entbürokratisierung und Sparen im System…?).

Der Hintergedanke bei dieser Ankündigung, sofern es einen solchen überhaupt gegeben hat, was bei Trump inzwischen immer öfter zweifelhaft erscheint, mag sein, dass er mit dem Schritt bewirken will, dass US-Studios ihre Produktionen wieder ausschließlich in die USA verlegen. Diese Idee ist aber nicht nur irrsinnig, völlig realitätsfern und zu kurz gedacht – sie zeigt, dass Trump keine Ahnung von der Filmbranche hat.

Zum einen gibt es – wie oben erwähnt – Produktionen, die aus gutem Grund im Ausland stattfinden müssen, etwa historische Filme oder Filme, die an internationalen Originalschauplätzen spielen. Zum anderen sind Drehs etwa in L.A. enorm teuer, warum gerade kleinere Studios ins Ausland gehen. Die können es sich nicht leisten, das doppelte der Produktionskosten auszugeben. Was wird also das Resultat sein? Die Projekte werden zu ausländischen Studios – etwa solche aus Kanada, Großbritannien, Frankreich oder China – wandern und von diesen finanziert werden. Und Filmemacher werden sich mit ihren Ideen zuerst an ausländische Studios wenden, weil sie wissen, dass die mit Tarifen belasteten US-Studios sich die Finanzierung ohnehin nicht leisten können.

Das wahrscheinliche Resultat: Eine massive Schwächung der US-Filmbranche und ein Aufschwung für internationale Filmmärkte. Trump makes America small again.

Bild: KI-generiert