Bereits die Ankündigung von „Winnie the Pooh: Blood and Honey“ sorgte 2022 für einen Hype: Mit Ablauf der Rechteregelung bezüglich der Geschichten von Winnie Pooh und Co. waren die Figuren nun für jeden verwend- und verwertbar. Und der britische Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Rhys Frake-Waterfield kündigte sogleich eine Horror-Adaption rund um den honigliebenden Kinderhelden an, die Winnie the Pooh von „einer neuen Seite“ zeigen sollte. Der Trash-Horrorfilm war 2023 ein Überraschungserfolg, das neue Genre „Public Domain Horror“ war geboren und zog einen Rattenschwanz besserer und schlechterer Nachahmungen nach sich. Ab 10.7.2025 ist „Blood and Honey“ nun bei Amazon Prime Video (Abo) zu sehen.
„Winnie the Pooh: Blood and Honey“: Spaßprojekt wird zum Mega-Erfolg
An sich hatte es sich bei dem Ganzen um ein nicht sonderlich ernst gemeintes Spaß-Projekt mit kleinem Budget von gerade einmal 100.000 $ gehandelt, das an einem 1-Tages-Event in den Kinos zu sehen sein sollte. Aufgrund des Hypes und großen Interesses bemühte man sich schließlich doch um eine weltweite Kinoauswertung, die weit über 5 Millionen $ – und damit das 50-fache der Produktionskosten – eingespielt hat. Trotz teils verheerender Kritiken. Ein Sequel – „Winnie the Pooh – Blood and Honey 2“ (Kritik) – erschien 2024.
„Winnie the Pooh – Blood and Honey“ beginnt mit einer düster animierten Vorgeschichte, die erklären soll, warum Winnie und Co. die Seiten gewechselt und sich von liebevollen, andromorphen Wesen zu barbarischen Kreaturen gewandelt haben: Der Grund dafür ist das Verlassenwerden durch Christopher Robin, der zwecks Studiums und ernsthaften Erwachsenenlebens seine ehemaligen Freunde hinter sich lassen musste. Die, enttäuscht und tief verletzt durch den Verlust, schworen Rache an Robin und an allen Menschen, hörten auf zu sprechen und wandelten sich zu blutrünstigen Tieren (zurück), die nun Jagd auf alles Menschliche machen.

Finde das Tier in dir!
Man sieht bereits hier: „Winnie the Pooh: Blood and Honey“ nimmt sich selbst nicht sonderlich ernst und lässt Ironie in seine Dramaturgie und Figurenzeichnung einfließen, alles mit der einzigen Absicht, einen Horror-Winnie präsentieren zu können. Und zum Teil geht der Coup auch auf: Denn amüsant und in manchen Momenten unterhaltsam ist das Endresultat durchaus. Allerdings vermutlich nur für Fans von B- bis Z-Movies, Trashfilmen und gediegenem Müll, die sich für den Charme des Kaputten, Schlechten, Geschmacklosen und Unperfekten erwärmen können. Freunde von anspruchsvollem Arthouse-Horror sollten die Finger von dieser Horror-Adaption lassen, sie werden vermutlich nicht viel Freude damit haben.
Gerade zu Beginn von „Blood and Honey“ fällt das minimale Budget nicht einmal zwingend auf, die Aufnahmen sind solide und das Setting wird ordentlich etabliert: Erst ist es Christopher Robin, dem es an den Kragen geht, als er, nun erwachsen, mit seiner Freundin an den liebsten Ort seiner Kindheit zurückkehren will, um ihr seine ehemals besten Freunde vorzustellen. Problem nur: Im gelobten Land des Honigs fließt nun nicht mehr der süße Bienennektar, sondern Blut, und das in Strömen. Nach diesem Prolog ist es eine Gruppe junger Tussis, die für eine Auszeit vom Alltag ein Häuschen im Wald gemietet hat – und bald unliebsame Bekanntschaft mit heel turned-Winnie und -Piglet machen wird.
„Blood and Honey“: Statt Honig fließt das Blut in Strömen
Während die Slasher-Einlagen und blutigen Gemetzel angesichts der geringen Mittel auch ganz okay inszeniert sind, fällt spätestens mit Auftritt und erster Aufnahme von Pooh und Piglet das größte Problem von „Winnie the Pooh: Blood and Honey“ ins Auge: Die Masken, die den beiden Darstellern der nun blutrünstigen Ex-Kinderlieblinge auf die Köpfe gesteckt wurden, sind derart absurd und geschmacklos gestaltet, dass sich das Ganze ab dann nur noch unter einem „so-bad-it’s-good“-Blickwinkel betrachten lässt. Sie gleichen bestenfalls höherwertigen Halloween-Masken und nicht dem, was von von zumindest halbwegs ernsthaften Horror-Produktionen gewohnt ist. Und im Fall von Piglet hat das Aussehen absolut nichts mehr mit der Originalfigur gemein.
Die Winnie Pooh-Maske wiederum sieht dermaßen skurril aus, dass jede Aufnahme zum unfreiwilligen Schmunzeln anregt. Zumindest sie erinnert irgendwie wirklich an die originale Figur, wenngleich eher an eine völlig bekiffte oder besoffene Version derselben. Rhys Frake-Waterfield und die Macher schienen sich dieses Problems durchaus bewusst gewesen zu sein, denn Nahaufnahmen der beiden mordenden Kuscheltiere sind selten und werden tunlichst vermieden. Oft wird mit Einstellungen von der Seite oder von hinten gearbeitet, oder Aufnahmen in gedämpftem Licht, um diese manifeste Schwachstelle zu kaschieren.

Doch am Ende geht auch von der mangelhaften Umsetzung ein verschrobener trashy Charme aus, der den Unterhaltungsfaktor nicht schmälert, sondern gar noch erhöht, und „Winnie the Pooh: Blood and Honey“ als ironisches B-Movie existieren lässt, das abseits der gestalterischen Schwächen als straighter Slasher auch nicht so schlecht funktioniert.
Fazit
„Winnie the Pooh: Blood and Honey“ ist ein charmantes B-Movie mit unübersehbaren Schwächen, das es trotzdem versteht, gut zu unterhalten. Die Macher meinen ihre Ironie sehr ernst und arbeiten bereits an weiteren Horror-Adaptionen beliebter Kinderhelden: Das „Pooh-ni-verse“ soll sich zu einem ganzen B-Movie-Franchise auswachsen.
Bewertung
(59/100)
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Bilder: (c) Jagged Edge Productions

Den muss ich sehen. 🙂