Schon kurz nachdem der erste Trailer zu „Superman“ (2025) veröffentlicht worden war, wurde das Internet mit Artikeln, Videos und Bildern geflutet, die verdeutlichten, wie detailliert und einfallsreich James Gunns Adaption sein würde. Dann Namedropping all der Figuren, die aus den Comics bekannt und ebenfalls im Film vertreten sein würden. Seit 10.7.2025 ist der Film raus: “Superman” (2025) ist ein sehr unterhaltsames Wimmelbild mit einer Lauflänge von 129 Minuten geworden.

von Richard Potrykus

Der Film beginnt mit kleinen Texttafeln und befindet sich im Anschluss unmittelbar im Geschehen: Superman (David Corenswet) ist zu Boden gestürzt und liegt verletzt im Eis. Er braucht Hilfe und pfeift nach dem Hund Krypto. Dieser kommt auch unmittelbar angerannt und rettet den Kryptonier. In der Festung der Einsamkeit warten Roboter bereits auf Supermans Rückkehr. Sie pflegen ihn und helfen ihm, zu heilen. Doch der Kampf, in dem sich Superman befindet, ist noch nicht vorbei. Sobald es ihm besser geht, bricht er auf, um die Stadt Metropolis zu retten.

„Superman“ (2025): Der Außerirdische als zeitgeschichtlicher Diskussionsgegenstand

“Superman” (2025) setzt nicht am Anfang an. Clark Kent ist bereits ein Held und überall bekannt. Lois Lane (Rachel Brosnahan) ist seine Geliebte und Lex Luthor (Nicholas Hoult) sein Feind. Schnell kommt heraus, dass Luthor der Ursprung für allerlei Unruhen ist und größere Pläne verfolgt. Gleichsam befindet sich Superman in einer schwierigen Situation. Sein Image ist weitgehend positiv, nicht zuletzt auch dank der Interviews, die er als Clark Kent mit sich selbst führt und die ihn gut aussehen lassen. Doch Missmut wird laut, als die Öffentlichkeit beginnt, einmal nachzurechnen, wieviel Sachschaden durch den fliegenden Helden entsteht und welche Freiheiten, die über geltendes Recht hinausgehen, sich der Mann aus dem All sonst noch nimmt. Schließlich bekommt dieser Missmut eine politische Dimension und Superman gerät in Gefangenschaft.

Wie bereits beschrieben, beginnt „Superman“ (2025) mittendrin. Kein groß angelegtes Intro, kein Raumschiff, das auf die Erde stürzt. James Gunns Film verzichtet darauf und die Gründe liegen auf der Hand. Zum einen ist die Origin Story von Superman weitgehend bekannt und Gunn hat in einem Interview Ende 2024 selbst gesagt, dass er keine Lust darauf hat (und keinen Sinn darin sieht), die Ursprünge Supermans erneut zu inszenieren.

Zum anderen ist Kal-Els Herkunft ein zentrales Thema im Film und wird ohnehin in einem fort diskutiert. James Gunns “Superman” (2025) ist kein entlarvender und grenzgängerisch sezierender Politthriller, wie er von Kathryn Bigelow inszeniert würde. Gunns Film kommt leichtfüßig daher, ist immer für einen Witz zu haben und präsentiert wunderschöne Comic-Action. Doch der Film weiß auch um eine ernste Komponente und die Pflicht, die mit einem guten Comic daherkommt.

Superman film 2025
Supermans Gegenspieler Lex Luthor

Superheld*innen sind nicht super, weil sie über besondere Fähigkeiten oder Equipment verfügen. Sie sind super, weil sie für etwas einstehen, weil ihre Abenteuer stets auf etwas Größeres ausgerichtet sind. Sie stehen ein für Gerechtigkeit ein, für Frieden, für das Wohl der Menschen, die sie umgeben.

„Superman“ als Immigrationsgeschichte

Vor ein paar Tagen echauffierten sich eine Reihe von Menschen bei Fox News über den neuen „Superman“ und dessen Leitfigur, bezeichnete alles als “superwoke” und unterstellten eine “pro-Immigration”-Agenda. Mit dieser Unterstellung liegt Fox News durchaus richtig und selbst Gunn hat gesagt, dass Supermans Geschichte eine Immigrationsgeschichte ist und damit der US-amerikanischen Historie entspricht. Doch im Gegensatz zum Statement aus den Reihen einer Trump unterstützenden MAGA-Polemik repräsentiert der neue DC-Film keine ideologisierte Superwokeness, sondern Zeitgeschichte und damit eine Analogie auf die faktische Realität.

Kal-El stammt allerdings von einem anderen Planeten und wenn Protektionismus, Xenophobie und Rassismus die Runde machen, ist es unerheblich, ob der Ursprung das Nachbardorf, ein entferntes Land oder eben eine andere Welt ist. An einer Stelle erwähnt Superman, dass er nicht nur von einem Planeten stamme, sondern dass es diesen Planeten nicht mehr gebe. Kal-El ist damit heimatlos, so wie auch real existierende Flüchtlinge heimatlos sind, wenn ihr Land im Krieg versinkt oder Gesetze erlassen werden, die für einen Menschen lebensgefährlich sein können. Und als Superman abgeführt wird, gehen die Aggressoren mit Gewalt gegen ihn vor, obwohl er keinerlei Widerstand leistet.

Doch Gunn geht mit „Superman“ (2025) noch einen Schritt weiter und es ist gar nicht erstaunlich, dass Fox News diesen Aspekt des Films in der Berichterstattung ausspart, denn der innerfilmische Hass auf Superman kommt nicht von ungefähr und die großartige Performance von Nicholas Hoult sorgt dafür, dass man das auch nicht so schnell vergisst. Hoults Lex Luthor ist ein Tech-Milliardär, er ist ein körperbewusster Alpha, er ist von Neid zerfressen und gierig nach Macht ist. Die Parallelen zu Donald Trump und Elon Musk (wenn auch nicht alles an Luthor) sind offensichtlich und wenn internationale Konflikte beschworen werden, um einen eigenen Deep State errichten und Law and Order – Fantasien freien Lauf lassen zu können, dann macht es keinen Unterschied, ob das Opfer ein Cape trägt oder Spanisch spricht.

Gunn bringt den Zauber der Superman-Comics auf die Leinwand

Superheld*innen gibt es schon eine ganze Weile und Superman ganz konkret seit 1938. Er ist damit der erste Comic-Superheld, hat schon 1940 gegen die Nazis gekämpft und sich auf eine andere Art bis heute durchgewurschtelt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs flaute es rund um die Superhelden etwas ab (die Gründe sind vielfältig), doch in den 1960er und 1970er Jahren kam es zum sogenannten “silbernen Zeitalter”.

Superheldennarrative erfuhren einen Aufwind, wurden farbenfroh und waren voller Hoffnung. Und genau so ist James Gunns “Superman” (2025). Er sieht in dem Kryptonier ein Symbol der Hoffnung, jemanden, zu dem man aufschauen und der einem Mut machen kann. Solange es Superman gibt, so lange gibt es eine Chance. Und diese Chance ist endlich.

Gunn kommuniziert das gleich zu Beginn. Der Superheld stürzt ab und landet im Schnee. Er ist verletzt, Blut färbt den weißen Boden. In der Festung der Einsamkeit konstatieren die Roboter mehrere innere Verletzungen, darunter den Dickdarm. Der Dickdarm ist kein poetisch wertvolles Organ. Es ist kein beschädigtes Rückenmark oder eine kollabierte Lunge. An den Dickdarm denkt niemand. Umso deutlicher ist die Gefahr, die selbst für jemanden wie Superman bestehen kann.

Superman 2025

Krypto, der Scene Stealer

Die Ideen und die Vision des silbernen Zeitalters kombiniert Gunn mit moderner Filmtechnik und bringt so die bereits erwähnte Leichtfüßigkeit in das Projekt, die alle Elemente des Films miteinander verbindet. Die Kämpfe machen Laune, die Kamera ist wunderbar dynamisch und wenn Superman durch die Luft fliegt, dann ist das Publikum mittendrin. Wie auch in Comicpanels, in denen Schnelligkeit und Ruhe sehr nah beieinander liegen, weiß Gunn im Film zur richtigen Zeit das Tempo zu drosseln, kurz das berühmte Symbol auf der Brust in Großaufnahme zu präsentieren, nur um im Anschluss daran wieder Vollgas zu geben.

Neben Superman kämpfen auch Hawkgirl (Isabela Merced), Green Lantern Guy Gardner (Nathan Fillion) und Mister Terrific (Edi Gathegi) für die gute Sache und auch für sie hat Gunn ein Herz gefasst. Selbstverständlich kommen sie nicht an die Präsenz von Superman heran, aber sie erhalten ein gewisses Volumen und die Möglichkeit, ihren Charakter zu zeigen. Vor allem aber wird durch sie deutlich, dass auch Superheld*innen nicht alle aus einem Guss sind. Sie sind divers, haben ihre eigene Sicht auf die Welt und es ist schon jetzt spannend, zu überlegen, wie diese Diversität in den zukünftigen DC-Filmen verhandelt wird.

Eine Figur, die natürlich auch nicht fehlen darf, ist Krypto, der Scene Stealer par excellence. Er ist bereits in den Trailern ziemlich präsent und kommt auch im Film nicht zu kurz. Und da er keine reine Ausgeburt von Rechenmaschinen ist, überzeugt er auf ganzer Linie. Die Darstellung ist eine großartige Kombination aus praktischen und digitalen Effekten und einem echten Hund. In letzter Zeit wurde viel über die Qualität von CGI bei Großproduktionen hergezogen und zurecht müssen sich so einige Filme Kritik gefallen lassen. Krypto ist eine Benchmark für das, was möglich ist, um einfach gut auszusehen. Es gibt viele Gründe, Krypto zu lieben.

Fazit

James Gunns “Superman” ist dessen Einstand in das neue DC-Universum. Nach der Übernahme seiner neuen Position ist dieser Film das erste Projekt, welches komplett unter seiner Ägide und der Peter Safrans verwirklicht wurde. Es ist damit ein wichtiges Projekt, welches über Zustimmung entscheidet und eine wichtige Marke hinsichtlich der Fortführung setzt. Und “Superman” überzeugt auf ganzer Linie. Hier und da mag es Momente geben, die man herausschneiden könnte. Den Kampf gegen das Monster, bei dem auch die übrigen Held*innen zugegen sind, bildet keinen wesentlichen Moment, aber auch er macht Laune. Allgemein geht man mit einem guten Gefühl aus dem Film wieder heraus und wenn solche Filme die Politik ist, mit der das DCU geführt werden soll, dann stehen einige Sehempfehlungen an. – “Superman” ist ein guter Film. “Superman” ist ein wichtiger Film. Krypto ist Liebe.

Bewertung

Bewertung: 9 von 10.

(92/100)

-> Superman – Die Geschichte eines Mythos

„Superman“ (2025) – Filmdaten

TitelSuperman
Kinostart10.7.2025
Laufzeit129 min.
RegieJames Gunn
Darsteller/innenDavid Corenswet, Nicholas Hoult, Isabela Merced
Bewertung9/10 (filmpluskritik)
Rotten Tomatoes82 %
IMDb7.7

„Superman „(2025) – Trailer

Bilder: (c) 2025 Warner Bros. Entertainment TM & DC