Am 10. Juli 2025 startet mit „Superman“ einer der meist erwartete Filme des Jahres. Es ist nicht nur der Beginn eines neuen Superman-Kapitels, sondern auch der Startschuss für das neue DC Universe (DCU). James Gunn übernimmt dabei sowohl die Regie als auch die kreative Leitung aller kommenden DCU-Projekte – gemeinsam mit Produzent Peter Safran. Geplant ist ein ganzes Jahrzehnt an Filmen, Serien und Videospielen, die – ganz im Stil des Marvel Cinematic Universe – miteinander verbunden sind.
von Christian Oehmigen
Nachdem das DC Extended Universe (DCEU) weder qualitativ noch wirtschaftlich überzeugen konnte, war ein Neustart unausweichlich. Ob „Superman“ ein würdiger Neubeginn ist, wird sich zeigen. Die Trailer (siehe unten) machen jedenfalls neugierig – auch wenn viele skeptisch bleiben, ob Gunn dem Charakter gerecht wird.
Aus diesem Anlass wirft Film plus Kritik einen Blick zurück auf die (Film-)Geschichte des Mannes aus Stahl. Im Fokus: Die Erfindung der Comic-Figur, erste Film-Adaptionen und die legendäre Reeve-Quadrilogie. Daneben schauen wir auf die Ursprünge und die Mythologie von Superman – und warum er auch nach fast 90 Jahren nichts von seiner Strahlkraft verloren hat.
Superman: Die Geburt eines Symbols
Superman gilt als Urvater aller Superhelden und wurde Anfang der 1930er-Jahre von Jerry Siegel und Joe Shuster während der Großen Depression erschaffen. Siegel war der Texter, Shuster der Zeichner. 1933 verwendeten sie den Namen „Superman“ erstmals in ihrer düsteren Kurzgeschichte „The Reign of the Superman“. Diese ursprüngliche Version erzählt von einem mittellosen Mann, der durch ein wissenschaftliches Experiment telepathische Kräfte erhält – und diese für seinen Machthunger missbraucht. Nach dem Verlust seiner Fähigkeiten endet er wieder in der Armut. Von dieser ersten Version blieb nur der Name – allerdings mit einer fundamentalen Wandlung: vom machthungrigen Schurken zum selbstlosen Helden.
1938 wagte Detective Comics – das spätere DC – schließlich den großen Schritt und veröffentlichte Superman in „Action Comics No. 1.“ Der Erfolg war gewaltig. Der erste große Superheld war geboren – samt Umhang, doppelter Identität und übermenschlichen Kräften. Doch so amerikanisch Superman auch wirken mag: Seine Wurzeln reichen viel weiter zurück.

Der Mythos hinter dem Helden
Superman ist ein modernes Märchen – gespeist aus antiken, biblischen und popkulturellen Quellen. Seine Kraft erinnert an Herkules, seine Herkunftsgeschichte an Moses: Ein Baby wird vor dem Untergang gerettet und in eine fremde Welt geschickt. Kal-El reist im Raumschiff von Krypton zur Erde, Moses treibt im Korb den Nil hinunter. Beide wachsen unter fremden Eltern auf und stellen sich die großen Fragen: Wer bin ich? Was ist meine Bestimmung?
1938 war Amerika im Wandel: Die Nachwirkungen der Weltwirtschaftskrise waren noch spürbar, Europa steuerte auf den Krieg zu. Superman verkörpert Hoffnung und Ideale. Als Migrant, der sich für „Truth, Justice and the American Way“ einsetzt, wurde er zur Projektionsfläche für viele Amerikaner und Amerikanerinnen. Und obwohl er unbesiegbar wirkt, ist auch Superman nicht frei von Schwächen. Seine „Achillesferse“: grüner Kryptonit. Eine Schwachstelle macht den Helden menschlich – und genau das macht ihn so zugänglich.
Superman: Zwischen Clark Kent und Kal-El
Was Superman besonders macht, ist nicht nur seine Kraft, sondern auch seine Menschlichkeit, sichtbar in seinem Alter Ego Clark Kent. Der schüchterne, tollpatschige Reporter wirkt wie das genaue Gegenteil des Helden. Diese Maskierung ist genial: Kent ist das perfekte Versteck für einen Halbgott in Menschengestalt.
Auch die Körpersprache trennt die beiden Figuren. Während Kal-El selbstbewusst auftritt, duckt sich Clark Kent durch den Alltag. Je nach Interpretation wirkt er mehr oder weniger smart, aber immer harmlos. Es ist diese Dualität, die uns erlaubt, uns mit ihm zu identifizieren – mehr als mit dem allmächtigen Superman.
Superman erobert die Medien
Mit dem Boom der Comics war Superman bald überall. Noch bevor das Fernsehen seinen Siegeszug antrat, wurde er zum Star des Radios. Der berühmte Ausruf „Up in the sky! Look! It’s a bird. It’s a plane. It’s Superman!“ stammt aus einer dieser Shows. 1941 folgten animierte Kurzfilme der Fleischer Studios – bunt, actionreich und klar auf Kinder zugeschnitten. In der Kriegszeit nutzte man Superman auch zur Propaganda. In Episoden wie „Japateur“ wurde der Held in patriotische Missionen geschickt.

Die ersten Superman-Realverfilmungen

1948 erschien mit „Superman“ das erste Live-Action-Serial in 15 Kapiteln, mit Kirk Alyn als The Man of Steel. Die Flugszenen von Superman wurden dabei cartoonartig gezeichnet, da echte Spezialeffekte noch zu teuer und aufwändig waren. 1950 folgte „Atom Man vs. Superman“, diesmal mit Lex Luthor als Widersacher. In den 1950ern wurde Superman zur TV-Figur: „Superman and the Mole Men“ (1951, siehe Titelbild) mit George Reeves war der Auftakt zur langlebigen Serie „Adventures of Superman“ (1952–1958).
Reeves wurde für viele zur prägenden Inkarnation der Figur – mit allen Vor- und Nachteilen. Der Erfolg machte ihn berühmt, schränkte aber seine Karriere und Rollenwahl sehr ein. 1959 wurde Reeves tot aufgefunden. Offiziell Selbstmord, aber die Umstände warfen viele Fragen auf. Der Mythos Superman wurde plötzlich auch von Tragik überschattet.

Nach Reeves’ Tod suchte man neue Wege, manche ernsthaft, manche kurios. Eine besonders absurde Idee: Ein Serienpilot „Superpup“ (rechts) mit kleinwüchsigen Darstellern in Hundekostümen (wurde daraus später „Paw Patrol“?). Aus Clark Kent wurde Bark Bent, der für die Daily Bugle arbeitet. Der Pilot wurde zwar produziert, aber nie ausgestrahlt. Genauso wenig wie die geplante Serie „Superboy“, die Geschichten aus Supermans Kindheit erzählen sollte.
Die Comics blieben stark
Auch wenn die Film- und Fernsehpräsenz in den 1960ern abnahm, boomten die Comics. Neue Figuren wie Supergirl (1959) und General Zod (1961) wurden eingeführt – allerdings ausschließlich auf dem Papier. Auch Superhund Krypto bekam 1955 seinen ersten Auftritt. Jahrzehnte später wird er in „Superman“ endlich sein Leinwanddebüt feiern. Trotz anhaltender Comicverkäufe galt Superman Anfang der 70er-Jahre als Relikt. In einer Zeit voller Antihelden und gesellschaftlichem Umbruch wirkte der strahlende Held antiquiert und wurde oft parodiert.
Das Superman-Comeback: 1978
Alles änderte sich 1978 mit dem ersten großen Superhelden-Blockbuster „Superman – The Movie“. Richard Donner, der mit „Das Omen“ einen Sensationserfolg gelandethatte, wurde als Regisseur engagiert. Außerdem konnte man zwei Oscarpreisträger für das Projekt gewinnen. Einzig der Superman-Darsteller sollte ein Unbekannter sein, Christopher Reeve, doch das änderte sich bald.
Der Film brachte den Glauben zurück, dass ein Mann fliegen kann und machte Superman wieder zu einer Ikone. Mehr zu diesem Meilenstein der Filmgeschichte gibt es im zweiten Teil unserer Superman-Retrospektive. Unsere Kritik zu James Gunns „Superman“ könnt ihr HIER lesen.
-> MCU Phasen 1 bis 5: Eine kritische Analyse
Bildquellen: Wiki Commons / alle gemeinfrei
Bild: George Reeves: Von U.S. Treasury Department – United States Treasury Department film, Gemeinfrei, Link
Titelbild aus „Superman and the Mole Man“
