Nach der Premiere beim DOK.fest München im Mai startet „Soldaten des Lichts“ am 14.8.2025 in den deutschen Kinos. Der Dokumentarfilm begleitet Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker und Schwurbler aller Art in ihrem Alltag und ist unaufdringliche wie eindringliche Warnung vor den Gefahren von ideologisch konstruierten Parallelwelten und von Wissenschaftsfeindlichkeit.

Kritik von Christian Klosz

Im Zentrum des Film steht der selbsternannte „Soldat des Lichts“ David, der sich auf seinen Internetkanälen „Mr. Raw“ nennt und dort vor allem die Vorteile veganer Ernährung in Verbindung mit pseudoreligiösen und esoterischen „Erlösungsbotschaften“ propagiert. Unter seinen „Patienten“ finden sich auch Krebskranke, denen David kraft seiner Gedanken und Vorgaben Heilung verspricht. Im realen Leben betreibt er mit Freunden und Jüngern, die man auch Arbeitssklaven nennen könnte, ein veganes Lokal namens „Rohkosteria“, das allerdings kurz vor der Schließung steht.

„Soldaten des Lichts“: Ein Trip in die Welt der Verschwörungstheorien

David befasst sich in seinen Social Media-Videos aber nicht nur mit richtiger Ernährung, sondern auch mit gesellschaftlichen Fragen: Er sieht sich als Reichsbürger, der die BRD nicht anerkennt, fühlt sich vom „System“ verfolgt und belogen und verbreitet allerlei Verschwörungstheorien. Er genießt die Nähe von Geistheilern wie eines gewissen „Sananda“, den David als „führende spirituelle Instanz der Welt“ tituliert und der seinerseits von „Reptiloiden“ faselt, die die Welt bevölkern.

Er trifft sich auch mit Peter Fitzek, dem selbsternannten Oberhaupt des „Königreichs Deutschland“, das die Gesetze der BRD nicht anerkennt. Und mit dem offenen Holocaust-Leugner Josh. Alle von ihnen treten wiederholt in Davids Videos als Interview- und Gesprächspartner auf. Um sich hat er eine Gruppe willfähriger Gehilfen versammelt, unter denen sich auch überzeugt ungeimpfte Covid-Leugner finden. Sprich: Ein jenseitiges Sammelsurium des Wahnsinns.

Ein Sammelsurium des Wahnsinns

Die Regisseure des Films, Julian Vogel und Johannes Büttner, begleiten David in seinem Alltag, auf den ersten Blick vorurteilsfrei und dokumentierend, es ist überraschend, wie nah der Protagonist die Filmemacher an sich ran und in sein Leben ließ. Klar wird aber auch, dass sich „Soldaten des Lichts“ nicht als distanzlose, wertungsfreie Dokumentation versteht, sondern als Warnung, die anschaulich zeigt, wie gefährlich Verschwörungstheorien aller Art sind, die insbesondere seit Beginn der Corona-Pandemie um sich greifen, neue Anhänger gewannen und zum Teil mainstreamfähig wurden, insbesondere was den Blick auf Covid-19 betrifft.

Das tragischste Beispiel in „Soldaten des Lichts“ für die Gefahren dieser Parallelwelten ist Timo, der sich voll und ganz David „Erlösungsprogramm“ untergeordnet hat, in der Hoffnung von der „Dunkelheit“ befreit zu werden, die ihn (laut David) umgibt. Später im Film erzählt Timos verzweifelte Mutter, dass ihr Sohn im Zuge der Corona-Maßnahmenproteste in diese Szene hineingerutscht war und sich danach immer weiter von der Wirklichkeit abkapselte. Wie fatal völlige Verblendung und Unterordnung enden kann wird am Ende des Films klar.

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Die Lichtkrieger im Heilkreis

„Soldaten des Lichts“: Wann werden aus (vermeintlichen) Opfern Täter?

„Soldaten des Lichts“ ist ein wichtiges Zeitdokument, das wie wenige andere aktuelle Filme illustriert, wie gefährlich Verschwörungstheorien aller Art sind. Er liefert aus nächster Nähe ein greifbares „Psychogramm“ deren Anführer und Anhänger und stellt implizit die Frage, wann aus Opfern Tätern werden.

David erklärt seine Abkehr von der realen Welt mit erlebten Verletzungen und Diskriminierungen aufgrund seiner (dunklen) Hautfarbe. Irgendwann habe er entschieden, sich einfach seine eigene Realität zu basteln und alles andere, das dieser widerspricht, als Lüge zu „erkennen“. Die Frage, ob und wie eine Gesellschaft Menschen wie ihn je wieder „erreichen“ kann bleibt im Raum stehen. Die Hoffnung dafür scheint gering.

Bewertung

Bewertung: 9 von 10.

(86/100)

„Soldaten des Lichts“ feierte seine Deutschland-Premiere am 8.5. im Rahmen des DOK.fest München, das von 7. bis 25. Mai stattfand, erneut im Hybrid-Format mit Vorführungen vor Ort im Kino und auf der hauseigenen Streamingplattform. Der Film wurde in diesem Rahmen gesichtet.

„Soldaten des Lichts“ – Trailer

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Bild: (c) Wood Water Films