„The Negotiator“: Kritik zum Thriller-Drama von Regisseur David Mackenzie („Hell or High Water“) mit Riz Ahmed („Sound of Metal“) und Lily James („Yesterday“) – jetzt im Kino.
Kritik von Christian Klosz
Ash (Riz Ahmed) agiert als Mittelsmann für Schmiergelder zwischen Informanten und mächtigen Unternehmen. Zu seinen Aufgaben zählt die Überwachung von Verhandlungen, bei denen seine Auftraggeber Absprachen über Zahlungen und die Weitergabe inkriminierender Dokumente treffen. Er schützt seine Anonymität durch präzise Vorbereitung. Statt direkter Kontaktaufnahme wählt er den „Tri-State“-Relay-Service und ein Gerät für stumme und gehörlose Menschen, bei dem ein Operator die Botschaft dem Empfänger vorliest. Dadurch vermeidet er persönliche Begegnungen mit Klienten, und die Kommunikation lässt sich nicht nachverfolgen.
Eines Tages bekommt Ash eine Mitteilung von Sarah (Lily James), die in einem Biotech-Konzern arbeitet. Sie hat Dokumente über Schaffung einer gefährlichen Gras-Variante mitgehen lassen, die zu Schäden bei Konsumenten führten, was von ihrem Arbeitgeber unter den Tisch gekehrt wurde. Sie will die Dokumente nun an ihre Firma zurückgeben, im Gegenzug sollen Überwachungen und Beschattungen aufhören. Als eine Übergabe scheitert, eskaliert die Situation und Ash steckt mitten in einem Komplott, bei dem die Dinge plötzlich anders sind, als sie schienen.
Riz Ahmed gerät als „Negotiator“ in ein Komplott
Mit „Hell or High Water“ gelang Regisseur David Mackenzie 2016 ein Überraschungserfolg, der zudem die Initialzündung für die Karriere von Drehbuchautor Taylor Sheridan war, von ihm hörte man die letzten Jahre durch seine zahlreichen Serienerfolge („Yellowstone“, „Special Ops: Lioness“) um einiges mehr als von Mackenzie. Nun kehrt er mit seinem eher sperrigen Paranoia-Thriller „The Negotiator“ (OT: „Relay“) zurück, der in die Welt der Whistleblower eintaucht und sich stets in rechtlichen Grauzonen abspielt.
In dieser Grauzone bewegt sich auch Protagonist Ash, gespielt von Riz Ahmed, der die erste Stunde des Film kaum ein Wort spricht. Er hat sich eine zweite Identität aufgebaut, die es ihm ermöglicht, in dieser Schattenwelt zu leben, ein Privatleben scheint er nicht zu haben.
Mackenzie legt „The Negotiator“ über weite Strecken als geradezu nüchterne Bestandsaufnahme des beruflichen Alltags von Ash an: Sein Leben besteht aus verschlüsselten Telefonanrufen, verdecken Übergaben, Beschattungen, aus jeder Menge Verkleidungen, nur um seine Identität (und die seiner Klienten) zu schützen. Ist das zu Beginn durchaus interessant, macht sich nach einer Weile Langeweile breit, da handlungstechnisch wenig passiert.

Kühl, kalt, unzugänglich: Soderbergh lässt grüßen
Die moralischen Bedenken, mit denen Ash zu kämpfen hat, die ihn menschlich machen, sind nur eine Randnotiz, mit der Psychologie oder dem Gefühlsleben seiner Charaktere hält sich der Film nicht lange auf. Im Fokus stehen ausschließlich die prozeduralen Abläufe des Jobs, die dokumentiert werden, man erfährt so gut wie nichts über den Protagonisten (das selbe trifft auch auf Sarah zu, allerdings aus anderen Gründen), was eine emotionale Involvierung nahezu unmöglich macht.
Passiert zuvor zu wenig, übertreibt es „The Negotiator“ gegen Ende mit wilden Sprüngen und einem Twist, der die gesamte Handlung von davor auf den Kopf stellt, was dem Film als Ganzes aber nicht wirklich gut tut. So erinnert Mackenzies Werk zeitweise an Filme Steven Soderberghs (wie etwa „Black Bag“): Kühle, distanzierte Erzählweise, die Charaktere kaum Menschen, sondern Schachfiguren auf dem Spielfeld eines Autors, die nach Lust und Laune verschoben werden, dabei aber selten das Publikum im Fokus habend. Und komplizierte Handlungstwists, die oft zum performativen Selbstzweck verkommen, Komplexität suggerieren sollen.
Fazit
Dass „The Negotiator“ trotz seiner eindeutigen Schwächen insgesamt aber doch kein Totalreinfall ist, dafür sorgen die Inszenierung – sein Handwerk beherrscht Mackenzie zweifelsohne -, die gute Kameraarbeit, der stimmige Soundtrack. Und nicht zuletzt die solide, geerdete Performance von Riz Ahmed als wortkarger (Anti-)Held. Insgesamt aber doch eine kleine Enttäuschung.
Bewertung
(58/100)
„The Negotiator“ ist seit 25.9.2025 im Kino zu sehen.
„The Negotiator“ – Trailer
Bilder: (c) Leonine
