Paul Schrader hat einen gewissen Legendenstatus unter Cineasten: Nicht nur schrieb er Drehbücher für Filme wie „Taxi Driver“ oder „Wie ein wilder Stier“ und drehte Werke wie „Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln“ oder „First Reformed“. Auch seine zahlreichen Facebook-Posts über Filme, Serien und aktuelle Themen erfreuen sich unter Kennern großer Beliebtheit.

Hier bezeichnete er „Joker: Folie à Deux“ als „really bad musical“ und monierte, „Avengers“ wirke wie eine „high school production of a grade school play“. Dagegen lobte er von vielen verrissene Filme wie jüngst Spike Lees „Highest 2 Lowest“.

Schrader: In 2 Jahren erster KI-Film

paul schrader
Der echte Paul Schrader (2018)

Nun hat er in einem Interview mit dem US-Magazin „Vanity Fair“ erneut polarisiert: Schrader konstatierte zunächst, das Kino wandle sich permanent. Dann holte er aus und prophezeite, Kinofilme würden zunehmend mithilfe von KI entstehen. Bereits jetzt gibt es erste Versuche von KI-generiertem Schauspiel. Schrader zufolge sei es eine Frage von „zwei Jahren“, bis der erste Film vollständig durch KI entstanden ist – und dies sei etwas Positives. Nicht nur das: Schrader hat schon ein entsprechendes Drehbuch geschrieben.

Wenn ein Schriftsteller eine Figur detailgenau beschreiben dürfe, könnten Filmemacher doch genauso gut ihre kreativen Vorstellungen mittels KI umsetzen, so Schraders Argumentation. Doch vergisst er da nicht etwas? Wo drei KI-generierte Grafiken im Film „Late Night with the Devil“ eine Kontroverse auslösten – existiert da tatsächlich ein breites Publikum für einen ganzen KI-generierten Film? (Jonas Schilberg)

Titelbild: KI-generiert

Textbild: (c) WikiCommons / Montclair Film0011-First_Reformed-Frank_Schramm-Frank Schramm – 01 First Reformed MFF Frank Schramm 5-6-2018, CC BY 2.0, Link