Sechs Folgen, jede um die 40 Minuten Laufzeit – der perfekte Umfang für einen gemütlichen Tag am Wochenende: In der neuen Netflix-Serie „His & Hers“, seit 8.1.2026 zu streamen, geht es um einen Mordfall in der Kleinstadt Dahlonega nahe der Großstadt Atlanta. Eine Frau wird tot im Wald aufgefunden. Die Gerichtsmedizin zählt insgesamt vierzig Messerstiche.

Kritik von Richard Potrykus

Detective Jack Harper (Jon Bernthal) und seine Kollegin Detective Priya (Sunita Mani) werden mit der Aufklärung des Falls beauftragt. Doch dabei sind sie nicht alleine. Ein Mordfall ist in Dahlonega eine außergewöhnliche Angelegenheit und so ist auch die Reporterin Anna Andrews (Tessa Thompson) vor Ort, um für einen TV-Sender aus Atlanta über die Ermittlungen zu berichten. Sie stammt ursprünglich aus der Kleinstadt und möchte den Mordfall nutzen, um ihrer Karriere neuen Schwung zu verleihen.

„His & Hers“ beginnt mit einem Mord in der Kleinstadt

Nach und nach wird nun Hinweisen nachgegangen und wird versucht, Verbindung zu Personen und möglichen Motiven herzustellen. Schnell wird dabei klar, dass alle Beteiligten irgendwelche Geheimnisse verstecken und dass der Kriminalfall größer angelegt sein könnte, als ursprünglich angenommen.

Rätselhaft auch die Off-Kommentare von Anna, die sporadisch in jede Episode eingewoben werden. Aus ihnen will man nicht so recht schlau werden. Fest steht, dass sie etwas Geheimnisvolles in sich tragen. Zum Glück sind die Wortbeiträge nicht ganz so kitschig wie das unheilvolle pseudomysteriöse Geschwafel, welches dereinst penetrant bei „Desperate Housewives“ zum Einsatz gekommen war.

His & Hers Netflix

Das Schöne an „His & Hers“ ist, dass der Kriminalfall wie so oft als Vehikel für ganz andere Erzählungen genutzt wird und selbst genug Futter in sich trägt, um dennoch interessant zu sein. Nicht selten verpassen Kriminalfilme/-serien die Balance zwischen dem Zusammenspiel interessanter Figuren und dem Aufklären einer Gewalttat und tendieren mal zur einen und mal zur anderen Seite.

Melange aus Krimi und Melodram

In „His & Hers“ schaffen es die Macher*innen um Serienschöpfer William Oldroyd indes immer wieder, zurückzufinden und den Anschluss an das jeweilige Gegenstück nicht zu verlieren, was schließlich in einer Verschmelzung aus dem Kriminalteil und den melodramatischen Klein- und Kleinstgeschichten mündet. Eine große Stärke ist dabei die Präsenz der Hauptfiguren, die untereinander eine angenehme Chemie abgeben und entsprechend plausibel auf die Höhen und Tiefen des jeweiligen Gegenübers eingehen.

„His & Hers“ glänzt vor allem durch einen starken weiblichen Cast. Die unterschiedlichen weiblichen Charaktere präsentieren ihre Rollen zumeist auf den Punkt und schaffen es, ihren Teil der Handlung optimal zu tragen. Dies ist insofern wichtig, als dass die einzelnen Figuren allesamt enorme Päckchen mit sich herumtragen, die ihnen Volumen geben, aber auch der Serie mehr Gewicht verleihen als andere 08/15-Krimis. Dem gegenüber steht die von Bernthal gespielte Figur Jack, die trotz der Polizeimarke definitiv keinen Helden verkörpert und es den Frauen in vielerlei Hinsicht enorm schwer macht.

his and hers

Zugegeben, nicht allen Subplots wird genügend Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet. Manche Details müssen einfach hingenommen werden, vor allem, wenn es um das Mädchen Meg (Ellie Rose) geht, von der einfach angenommen werden muss, dass sie immer gut versorgt ist, oder einen DNS-Abstrich, der nur zögerlich gegeben wird und dann auch keine weitere Bedeutung erfährt.

Gegen Ende muss man „His & Hers“ zudem ein paar Dinge einfach abkaufen. Wie so oft bei ultimativen Wendungen, die in der Tradition von Agatha Christie stehen, gibt es auch hier Details, die nicht vorhergesehen werden konnten, weil sie einfach nicht vorhersehbar waren. Umso schöner, dass die Serie hier dann so weit über die Stränge schlägt, dass man als Publikum willens sein kann, diese Entwicklung zu akzeptieren. Sicherlich mag es den einen oder anderen Menschen im Publikum geben, der mit dem Finale nichts anfangen kann, aber das ist dann nichts weiter als eine Frage des Geschmacks – und über den kann man bekanntlich nur schwer streiten.

Fazit

Alles in allem ist „His & Hers“ auf Netflix eine kurzweilige Miniserie, die mehr erzählt als eine einfache Kriminalgeschichte, so manchen Punkt enthält, über den man nachdenken kann, aber nie so schwer wird, dass alles andere darüber an Bedeutung verliert.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(74/100)

„His & Hers“: Seit 8. Januar 2026 auf Netflix.

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Bilder: (c) Netflix