Totgesagte leben länger, heißt es; doch auf der Kinoleinwand sind es zurzeit die Untoten, deren Popularität nicht zu schmälern ist. Neben dem Vampirfürsten Dracula bzw. in Robert Eggers Version Nosferatu (2024) ist es Mary Shelleys Frankenstein-Stoff, der in nicht-enden-wollenden Iterationen auf der Leinwand / dem Bildschirm zum Leben erweckt wird. Nach „Poor Things“ (2023) und Del Toros „Frankenstein“ (2025) orientiert sich auch Regisseurin Maggie Gyllenhaal in ihrem zweiten Film „The Bride!“ am Frankenstein-Motiv und dessen popkulturellen Weiterentwicklungen, allen voran am Film „Bride of Frankenstein“ (1935). „The Bride!“ versetzt den Stoff in die USA der Zwischenkriegszeit und verbindet dabei Feminismus, Bonnie-&-Clyde-Ikonografie sowie Übernatürliches und Musical-Einlagen miteinander. Das hört sich chaotisch an – ist es auch! Ab 5.3.2026 im Kino.

Kritik von Pascal Ehrlich

Der Film beginnt in schwarz-weiß mit Mary Shelley selbst, gespielt von Jessie Buckley, die auch die Hauptfigur der Bride verkörpert. Die Autorin befindet sich an einem uns wie auch ihr unbekannten Ort; ein Limbo, in der sie ihr Dasein in Einsamkeit und Dunkelheit fristet. Nach einer Weile des Monologisierens ist es ihr plötzlich möglich, in den Körper – das Bewusstsein? – einer Escortdame namens Ida (Jessie Buckley) einzudringen. Der literarische Geist in Form von Mary Shelley ergreift wortwörtlich Besitz von ihr.

„The Bride!“ erweckt Mary Shelley zum Leben

Subtilität ist sicherlich kein Fokus von „The Bride!“. Die Idee, die Autorin selbst aus dem Jenseits ins Geschehen eingreifen zu lassen, hätte dem Ganzen zumindest eine metareflexive Note geben können, die eine produktive Spannung hätte erzeugen können. Doch wie der Konjunktiv hier schon erahnen lässt, geht dieses anfangs noch spannende Element in dem Meer an Diskursen, die der Film ansprechen möchte, unter. Darüber hinaus ist auch nicht nachvollziehbar, welche diegetische Position Mary Shelley einnimmt und inwiefern es ihr tatsächlich möglich ist, ins Geschehen einzugreifen. Dadurch verkommt sie mehr zu einem interessanten Gimmick; eine Wunderkerze, die schnell wieder verglüht.

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„The Bride!“ fühlt sich mehr nach einem Debütfilm an, als es Gyllenhaals tatsächlicher Debütfilm „The Lost Daughter“ (2021) war. Dem Chaos, das der Film formal wie inhaltlich etablieren möchte, fehlt – so paradox es klingen mag – ein strukturierendes Element. Chaos kann durchaus Transgression vermitteln, durch Immersion das Publikum mitreißen und gleichzeitig vor den Kopf stoßen. Doch gleichzeitig besteht die große Gefahr der Beliebigkeit. Und die angesprochenen Diskurse in „The Bride!“ fühlen sich beliebig und oberflächlich an.

Unstrukturiertes Chaos und fragwürdiger Feminismus

Gerade das Thema Feminismus wird hauptsächlich durch Exposition und eine Montagesequenz etabliert. The Bride und ihr „Ehemann“ Frankenstein, übrigens gespielt von Christian Bale, lösen durch ihre Morde à la Bonnie & Clyde eine Welle NachahmerInnen aus; Frauen, die durch ein markantes Gesichtstattoo ihre Zugehörigkeit demonstrieren. In einer kurzen Sequenz, die ästhetisch irgendwo zwischen „Joker“ (2019) und der Suffragetten-Bewegung angesiedelt ist, sehen wir ein solidarisches Aufbegehren von Frauen gegen das unterdrückende Patriarchat. Doch viel mehr bleibt davon auch nicht. Es ist eine kurze Sequenz, die von Mary Shelley aus dem Off mit viel Pathos unterlegt wird.

Darüber hinaus muss man sich doch die Fragen stellen, wie feministisch „The Bride!“ tatsächlich ist. Jessie Buckleys Figur muss immer und immer wieder von Christian Bales Frank aka Frankensteins Kreatur gerettet werden. Sie gibt sich zwar als starke, unabhängige Frau, doch im Ernstfall traut ihr der Film nicht zu, sich selbst zu verteidigen, stattdessen muss Frank das Monster rauslassen und zum Mörder werden. Die Ansätze eines Rape-Revenge-Films, die der Film anklingen lässt, bleiben unvollendet. Auch die problematische Beziehung zwischen Frank und der Braut – Frank lässt sie, ehemals Ida, wiederbeleben und erzählt ihr aber, dass sie vor ihrem Tod mit Frank verheiratet war, was nicht der Wahrheit entspricht – wird nicht aktiv aufgearbeitet. Stattdessen entscheidet sich der Film für einen sentimentalen Ausweg, den der Plot bzw. The Brides Charakterentwicklung eigentlich nicht erlaubt.

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Auch die Bonnie-&-Clyde-Anspielungen funktionieren nicht; zu zögerlich, zu zauderhaft agieren die beiden auf ihre Morde. Die tatsächliche Transgression liegt in einer morallosen Darstellung der beiden und nicht darin, wie im Del-Toro-Film die Kreatur zu vermenschlichen. Viel spannender wäre es doch, das Ungeheuerliche und Kreatürliche darzustellen und die Gesellschaft der 20er und 30er Jahre damit zu konfrontieren. Doch stattdessen menschelt es nur allzu sehr. Gewissensbisse und Reue plagen die beiden gesellschaftlichen Außenseiter. Bonnie Parker und Clyde Barrow aus „Bonnie & Clyde“ (1967) hätten darüber nur abfällig schmunzeln können.

Fazit

Es ist eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet „The Bride!“ dem Schicksal von Frankensteins Kreatur erliegt: zusammengenäht aus zu vielen Teilen – Feminist-Manifest, Gothic-Horror, Depression-Era-Thriller, Musicalnummer –, denen kein einheitlicher Lebensatem eingehaucht wurde. Das Monstrum lebt, aber es taumelt. Was dabei besonders schmerzt, ist nicht das Scheitern an sich, sondern die verschenkte Möglichkeit. Der Frankenstein-Mythos trägt von Haus aus eine radikale Potenzialität Dass Gyllenhaals Film diese allenfalls streift, sie aber nie wirklich konfrontiert – geschweige denn aushält –, macht den Film symptomatisch für eine bestimmte Art von Gegenwartskino, das politische Ambition und ästhetische Kühnheit als Marketingversprechen versteht, nicht als Arbeit.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(58/100)

„The Bride! – Es lebe die Braut“ – ab 5.3.2026 im Kino.

Weitere Infos zu „The Bride!“ im IMDb und bei Rotten Tomatoes.

Bilder: (c) Warner Bros.