Hollywood gibt nicht auf – hartnäckig halten die Studios an der „Resident Evil“-Franchise fest und versuchen alle paar Jahre die beliebte Videospielreihe neu zu adaptieren. Die letzte Verfilmung ist mittlerweile ein paar Jahre her und wurde eher gemischt aufgenommen, doch nun versucht sich Regisseur Zach Cregger nach den Erfolgen von „Barbarian“ und „Weapons“ an dem Projekt. Jetzt neu im Kino.

Kritik von Natascha Jurácsik

Bryan (Austin Abrams) soll als medizinischer Kurier ein wichtiges Notfallpaket ins Raccoon City General Hospital bringen, doch auf dem Weg durch die einsamen, verschneiten Berge läuft ihm plötzlich eine alte Dame vors Auto – und verschwindet schnurstracks im Wald. Der gute Samariter versucht zu helfen, doch schon bald wird ihm klar, dass es sich in dieser abgelegenen Gegend um ein weitaus größeres Problem handelt als um verwirrte Leute, die nachts auf die Straße laufen.

„Resident Evil“ überzeugt durch Visuals

Cregger entschied sich für eine originelle Geschichte, die in der Welt von „Resident Evil“ spielt, statt eine bestehende Storyline aus den Spielen zu verarbeiten, was einige Fans zunächst skeptisch sahen, da sie sich auf Lieblingsfiguren wie Leon S. Kennedy freuten. Allerdings hat Cregger wohl ganz richtig entschieden: Statt zwanghaft zu versuchen Handlungsstränge, die intrinsisch an die Videospiele der Reihe gebunden sind, in ein neues Medium zu zwängen, nimmt er lieber all die Merkmale, die „Resident Evil“ so wiedererkennbar machen, und schafft etwas Neues, das ganz für das Kino gemacht ist.

Was den Film sofort von bisherigen Versuchen unterscheidet ist mitunter die Optik. CGI wird nur da verwendet, wo es absolut sein muss, ansonsten verlassen sich die Visuals auf praktische Effekte, die einige Schlüsselszenen zu wahren Highlights machen.

Doch besonders gelungen ist die Inszenierung: Mithilfe von Licht und Kameraführung wirkt eine Einstellung eindrucksvoller als die nächste und verwandelt nächtliche Winterlandschaften in Orte des Grauens. Die Visuals tragen hierbei zu einem beachtlichen Teil der beklemmenden Atmosphäre zu, die es schafft, das paradoxe Gefühl von einem unsichtbaren Grauen wie eine Maus durchs Labyrinth gejagt zu werden – die Klaustrophobie des Unbekannten. Cregger ist und bleibt eben ein Meister der Spannung.

Ein gelungener Neustart

Die Handlung ist genauso simpel wie effektiv: Fans der Spiele kommen voll und ganz auf ihre Kosten, ohne ständig mit billigen Easter Eggs bombardiert zu werden, wodurch auch Novizen der Story folgen können und nicht den Eindruck bekommen etwas verpasst zu haben. Abrams‘ Darstellung eines gutherzigen, aber etwas unbeholfenen Protagonisten, der von einer Gefahr in die nächste stolpert, ist von der ersten Minute an sympathisch und bietet einen soliden Hauptcharakter, an dem sich die wilden Geschehnisse ankern lassen. Der Humor, den Cregger liberal einsetzt, funktioniert dabei sehr gut, auch wenn Bryan ab und zu droht in die Rolle des ‚Comic Relief‘ abzudriften.

Das Tempo ist ziemlich gut darin Spannung beizubehalten, ohne den Rhythmus zu verlieren. Allerdings ist der Ursprungsstoff als Videospiel ab dem dritten Akt definitiv spürbar: Als Survival Horror lebt „Resident Evil“ vom Gameplay, was sich schwer in einen Film übertragen lässt. Zwar leistet Cregger hierbei clevere Arbeit, indem er Jump Scares nur spärlich einsetzt und sogar eine Handvoll POV-Shots unterbringt, doch letztendlich kann der Film seine Videospiel-artige Struktur, die von einer Mission zur nächsten verläuft, nicht ganz verbergen.

Langweilig wird es dabei allerdings nie. Nach einem extrem starken ersten Akt nimmt der Schwung zwar kurz ab und endet in einem etwas enttäuschenden Finale, aber es lässt sich kaum bestreiten, dass „Resident Evil“ sowohl als alleinstehender Film als auch als Teil der Franchise gut funktioniert – trotz oder eben aufgrund der minimalistischen Handlung.

Fazit

Fans können aufatmen – nach den Enttäuschungen der letzten Jahre ist Zach Cregger mit seinem „Resident Evil“ wohl die gelungenste Adaption der letzten Jahre gelungen. Vereinzelte Schwächen machen den Film nicht weniger unterhaltsam und die originelle Geschichte ist frisch und dennoch als Teil der Franchise wiedererkennbar. Ein starker Auftakt zur kommenden Horror-Saison!

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(71/100)

„Resident Evil“: Ab 17.9.2026 im Kino.

Bild: (c) Copyright Sony Pictures / Constantin Film / Dušan Martinček