Seit gestern ist es soweit: Die Berlinale 2019 ist eröffnet. Die 69. Ausgabe der internationalen Filmfestspiele in Berlin finden heuer vom 7. bis 17.2. statt, zum letzten Mal unter der Leitung von Dieter Kosslick.

Das Programm ist vielfältig wie eh und je, die nahezu vollkommene (und nicht wirklich nachvollziehbare) Ignoranz des US-Kinos fällt aber sofort ins Auge. Für Interessierte bietet aber der „European Film Market“ einige Leckerbissen, wo mehrere anstehende Filmprojekte ihre ersten Aufführungen feiern. So wird dort unter anderem Greta Gerwigs („Lady Bird“) „Little Women“ zu sehen sein, ebenso die Ted Bundy-Biographie „Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile“ mit Zac Efron in der Hauptrolle.

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Die internationale Promidichte war in vergangenen Jahren wohl höher, mit Juliette Binoche konnte Kosslick aber eine bedeutende Protagonistin des französischen Kinos als Jury-Präsidentin gewinnen. Ansonsten werden Jonah Hill („The Wolf of Wall Street“) mit seinem Regie-Debüt „Mid-90s“ und Casey Affleck („Manchester by the sea“) mit seiner Regie-Arbeit „Light of my life“ vor Ort erwartet, „Vice„-Regisseur Adam McKay nimmt neben seinem Film auch seine Darsteller Christian Bale und Amy Adams mit nach Berlin.

Ins Auge sticht bei der Durchsicht des Programms, neben den bereits erwähnten Filmen, unter anderem „Skin“ von Guy Nattiv, über den die Berlinale meint: „Erzogen von zwei glühenden Anhängern der White-Supremacy-Ideologie, trägt Bryon den Hass tief im Herzen und sichtbar auf der Haut: Die Tattoos des kahl rasierten jungen Mannes überziehen auch sein Gesicht, darunter jede Menge rechte Parolen und Symbole. (…) Der israelische Regisseur Guy Nattiv erzählt in „Skin“ mit einem hervorragenden Cast und bedrückend-authentischen Bildern die wahre Geschichte des Szeneaussteigers Bryon Widner, dessen Gesinnungswandel eine äußere Entsprechung fand: In einer extrem schmerzhaften Prozedur ließ sich Widner über Monate hinweg die meisten seiner Tätowierungen entfernen.“

„Skin“

Auch „Kislota“ („Acid“) des russischen Regisseurs Alexander Gorchilin klingt interessant: „Zwischen Partys, Privilegien und Paranoia ringt die russische Jugend um Halt und Orientierung. Im wilden und energiegeladenen Regiedebüt des Schauspielers Alexander Gorchilin geht es um Säure, Beschneidungen und fehlende Väter.“ (Berlinale)

„Kislota“,
© Studio SLON / Kislota

Im Rahmen der Charlotte Rampling-Retrospektive erfährt Sidney Lumets „The Verdict“ eine wohlverdiente Wiederaufführung, in der Paul Newman als abgewrackter Anwalt brilliert – einer der besten Justizfilme überhaupt.

„The Verdict“;
Quelle: Deutsche Kinemathek, © Photographs 1982 Twentieth Century Fox

Weitere interessante Filmtipps: „The Operative“ von Yuval Adler; „Watergate – Or: How We Learned to Stop an Out of Control President“ von Charles Ferguson; „Demons“ von Daniel Hui; „Styx“ von Wolfgang Fischer; „Variety“ von Bette Gordon; „Louis & Luca – Mission to the Moon“ von Rasmus A. Sivertsen.

filmpluskritik ist ab 10.2. LIVE in Berlin, mit Berichten vom Red Carpet und den Pressekonferenzen zu „Vice“ und „Mid 90s“ und Kritiken zu den interessantesten Festival-Beiträgen. Stay tuned!

Titelbild: Alexander Janetzko, C Berlinale 2015

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