Es wird Zeit einen oft vergessenen und übersehenen Regisseur, der für zahlreiche Klassiker verantwortlich zeichnet (u.a. Dog Day Afternoon und Network), zum ersten Mal aufzugreifen: Sidney Lumet und sein grandioses Drama The Verdict.
The Verdict ist ein Justizdrama von Meisterregisseur Sidney Lumet aus den 80er Jahren. Wie die meisten seiner Filme beschäftigt er sich mit Themen wie Moral, Korruption, Wahrheit – und dem Kampf eines Mannes dagegen bzw. dafür. Frank Galvin (Paul Newman), inzwischen abgehalfterter Anwalt und Säufer, bekommt von Freund und „Kindermädchen“ Mickey (Jack Warden) einen Fall vermittelt, der sein Comeback werden soll: Durch einen Ärztefehler wurde eine junge Frau ins Koma befördert, die Familie hofft auf (finanzielle) Wiedergutmachung, doch die Mühlen der Justiz mahlen und zermahlen langsam auch den Anwalt, und die Hoffnung – doch nicht ganz.
Lumets Ultra-Realismus zeigt die Hässlichkeit des Lebens, – und die Schönheit dieser Hässlichkeit; trotzdem ist The Verdict einer seiner leichter anzusehenden Filme, fast unterhaltsam. Im Kern geht es – wie immer bei diesem Regisseur – um Moral und die Suche nach der Wahrheit – „und Nichts als der Wahrheit“ (wie der Untertitel der deutschen Verleihversion lautet): In schlichten, aber eindringlichen Bildern schildert Lumet den verzweifelten Kampf eines Mannes gegen das System. Die Vorbereitung auf den courtroom: Auf der einen Seite in feudalem Ambiente das Aufgebot der gerissenen Staranwälte – für das System, auf der anderen die kärgliche Vorbereitung in kärglichen Räumlichkeiten mit kärglichen Mitteln – gegen das System.

Von allen wird Frank hintergangen und betrogen, auch von der Freundin, die er zuerst auf seiner Seite glaubte, in seinem unerbittlichen Kampf gegen die Mühlen der Justiz – und am Ende siegt doch die Wahrheit: The Verdict ist ein meisterhaftes Beispiel für den Justizfilm, filmischen „Realismus“ und „moralisches Erzählen“, er ist schlichtweg ein sehr guter Film.

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