Ruth Bader Ginsburg: Ikone der Frauenrechtsbewegung, US-amerikanische Juristin und seit 1993 auch beisitzende Richterin am Supreme Court. RBG – wie sie von den Millenials genannt wird – hat bahnbrechend zur Gleichberechtigung beigetragen und ist trotz ihrer 1,55 Meter somit eine große Frau. Nach der Dokumentation „RBG – Ein Leben für die Gerechtigkeit“, die dieses Jahr als bester Dokumentarfilm für einen Oscar nominiert war, folgt nun ein Hollywood-Biopic zu ihren Ehren.

178 Gesetze differenzieren zwischen Männern und Frauen zu Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in dem der Film von Regisseurin Mimi Leder einsetzt. 178 Gesetze, die eine grundlegende Veränderung der damaligen Gesellschaft verhindern und die kulturellen Veränderungen, die sich durch die fortwährenden Proteste dieser Zeit bereits bemerkbar machten, ins Leere laufen ließen. Mitten in dieser Zeit befindet sich Ruth Bader Ginsburg (Felicity Jones), die in der Anfangssequenz von „Die Berufung“ lediglich als ein kleines Rad im Wagen dargestellt wird. Sie ist eine der nur neun Frauen, die 1956 die Gelegenheit bekamen, an der Elite-Universität Harvard zu studieren. (Es sei erwähnt, dass 1956 das sechste Jahr war, in den Frauen zugelassen wurden.)

Im Hörsaal brilliert sie durch ihren scharfen Verstand: Ruth Bader Ginsburg (Felicity Jones) in „Die Berufung“

Ginsburg schließt das Studium trotz aller Hürden, die ihr aufgrund ihres Geschlechts in den Weg gelegt werden, als Jahrgangsbeste ab, belegt nebenbei noch die Kurse ihres Mannes (Armie Hammer), und findet im Anschluss trotzdem keinen Job in einer Anwaltskanzlei, da sie schließlich eine Frau ist. Daraufhin unterrichtet sie fortan an der Universität Harvard, da der universitären Einrichtung eine Frau immerhin lieber als ein Farbiger ist.

Ein Steuerrechtsfall lässt Ruth einige Jahre später eine Chance wittern, das geschlechterdiskriminierende System zu verändern: Einem Mann wird untersagt, die Pflege seiner Mutter steuerlich abzusetzen, da das Gesetz vorsieht, dass die Betreuungsperson eine Frau sein müsse. Geschlechterdiskriminierung gegenüber einem Mann also.

Die Ginsburgs, Ruth und ihr Mann, der sie unterstützt, wollen sich diesen Fall als Präzedenzfall für Frauchen-Rechte zu Nutze machen. Darauf fokussiert sich die Handlung von „Die Berufung“. Die Zeit davor – somit Ruths Studium und ihre Tätigkeit als Lehrperson – werden schnell durchgearbeitet und sind so dicht, dass man die Narration gar nicht so recht auf sich wirken lassen kann. Die Zeit danach, also unter anderem Ruths Tätigkeit als Richterin am Supreme Court, ist kein Thema im Rahmen des Films.

Drehbuchautor Daniel Stiepleman, der zugleich auch Ruth Bader Ginsburgs Neffe ist, legt den Fokus allerdings nicht nur auf seine Tante, sondern überlässt auch ihrem Mann Marty Ginsburg (Armie Hammer) genügend Screen-Time, um dessen Figur zu entfalten. Marty kümmert sich ganz selbstverständlich um die Kinder, den Haushalt und steht stets hinter seiner Frau. Das führt zu vielen harmonischen Szenen, die gerade in diesem Kontext die klassischen Geschlechterrollen zusätzlich aufzubrechen versuchen beziehungsweise zu thematisieren.

Der Film arbeitet zwar auffällig häufig mit typischen Biopic-Tricks, schafft es aber trotzdem, seine Wirkung zu entfalten. Wie nahe Felicity Jones der echten Ruth Bader Ginsburg kommt, sei allerdings dahingestellt: Die 1,55 Meter große, mittlerweile 85 Jahre alte Frau mit der markanten übergroßen Brille (die Jones im Film nicht trägt), deren Art und ihr Wesen scheint im Film im Allgemeinen zulasten der Dramaturgie eher unterzugehen.

Fazit

Die Filmbiografie der willensstarken Ruth Bader Ginsburg ist zwar wenig subtil und filmisch nicht revolutionär, schafft es aber trotzdem, seine Wirkung zu entfalten. „Die Berufung“ nennt viele geschlechterdiskriminierende Gesetze des Rechtssystems der 1950er Jahre, die so absurd klingen, wodurch es oftmals unglaublich wirkt, dass diese noch vor wenigen Jahrzehnten in Geltung waren. Geschichtlich ist der Spielfilm somit auch durchaus relevant. Ab 8.3. im Kino.

Bewertung

7 von 10 Punkten

von Elli Leeb

Bilder: © 2019 eOne Germany

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