Mit „Siberia“ bringt US-Kultregisseur Abel Ferrara nach dem wunderbaren „Tommaso“ den zweiten Film innerhalb kürzester Zeit heraus. Während „Tommaso“ bei der Viennale 2019 lief, befindet sich „Siberia“ mit Willem Dafoe im Wettbewerbsprogramm der Berlinale 2020, wo er heute Abend Weltpremiere feiert.

Wir trafen Ferrara bereits im Herbst in Wien zum ausführlichen Interview, wo er auch erste Einblicke in „Siberia“ gewährte (Das ganze Interview könnt ihr HIER nachlesen):

Über die Psychologie hinter „Siberia“:

„Über Carl Jung will ich aber nicht reden, denn wir haben ja gerade den neuen Film „Siberia“ gedreht. Es gibt da etwas zwischen dem Script zu „Siberia“ und den Arbeiten von Carl Jung, was wir jetzt nicht diskutieren können. Aber die ganze Freud-Geschichte spielt eben auch eine große Rolle in Filmen.“

Über die filmische Verarbeitung von Träumen und Erinnerungen in „Siberia“:

„Wir sprechen hier von Träumen und Erinnerungen, darum geht es im Grunde in „Pasolini“. Was ist los mit diesem Typen, was ist seine Vergangenheit, was ist real? Ich bin Buddhist und der Mensch verbringt ein Drittel seines Lebens mit Träumen. Wie die Buddhisten sagen: Du wachst auf und deine Träume wirken realer, als die Welt, in der du lebst, weil sie es vielleicht auch sind. Das Kino ist denke ich, ein ganz gutes Mittel, um das auszudrücken, aber wie gehst du es an? Wie stellt man die Wirklichkeit dar, wie die Fantasiewelt, wie das Eigenleben der Erinnerung, wie die Welt der Träume? Das sind alles sehr verschiedene Dinge. Darum geht es unter anderem in „Siberia“, aber auch um das Verlassen der Komfortzone.“

Was von von „Siberia“ erwarten kann:

„Es ist wie ein Roadmovie in einem Jack London – Setting, Hundeschlitten, die über die Alpen fahren. Wir haben viel im Studio in München gedreht, auch Sachen, die wir sonst vor Ort gemacht hätten, aber wir wollten normale Orte surreal erscheinen lassen. Wir waren auch in der Wüste von Mexiko, es ist echt ein verrückter Film.“

Das Interview führten Daniel Krunz & Paul Kunz

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