Angesichts der Corona-Krise und der Tatsache, dass die Kinos bei uns wohl noch länger geschlossen bleiben werden (laut aktuellen Infos bis zumindest Ende August!), haben wir in den letzten Wochen Filmschaffende und Filmvermittler nach ihren Home Cinema-Tipps gegen die Krise gefragt.

Nachdem uns bereits Cornelius Obonya, Caroline Peters, Verena Altenberger, die beiden Diagonale-Chefs und andere ihre Filmtipps haben zukommen lassen, war auch die „Oscar-Lady“ des ORF, Lillian Moschen, so nett, uns 3 persönliche Favoriten zu nennen und ihre Wahl mit ein paar Worten zu erläutern. Moschen präsentiert und kommentiert seit 2018 gemeinsam mit Alexander Horwath die Oscar-Nacht im ORF, seit 2019 ist sie das ORF1-„Filmgesicht“, seit kurzem ist sie auch als Präsentatorin von „Magazin 1“ tätig.

Wir möchten uns ganz herzlich für’s Mitmachen und die interessanten und auch überraschenden Filmtipps bedanken!

3 Filmtipps von Lillian Moschen

Solaris”, Regie: Andrei Tarkowski, 1971

Seit Wochen verspüre ich den Drang, mir “Solaris” wieder anzuschauen. Und jetzt weiß ich auch warum: Ein Mann, der sich auf einer Raumstation seinen Traumata, Dämonen und Erinnerungen immer und immer wieder stellen muss… gibt es eine passendere Film-Prämisse für die Zeit in der Selbst-Isolation?

Basierend auf Stanislaw Lems Roman illustriert Tarkowski den Konflikt zwischen Intellekt und Seele, zwischen Emotion und Wissenschaft. Ja, Tarkowski lässt sich viel Zeit, die Einstellungen sind lang und hypnotisch… Aber genau jetzt haben wir doch Zeit für solche Filme. Wenn man sich auf Tarkowskis Rhythmus einlässt, dann offenbart sich einem nicht ein Film, sondern ein metaphysisches Ereignis. Seine Filme haben immer so ein “soul cleansing”-Element. Nach einem Tarkowski Film fühlt man sich immer so, als hätte man gerade eine Ayahuasca-Session hinter sich gebracht (nur halt weniger Erbrechen und Übelkeit…aber genauso emotional aufwühlend).

Jetzt wo alles still steht und wir uns fragen müssen, können wir / sollen wir überhaupt so weiter machen wie bisher? Was brauchen wir überhaupt für unser Leben… Was ist essentiell?… in solchen Momenten klingen Dr. Snouts Worte eindringlicher denn je: “We don’t need other worlds. We need a mirror. Man needs man.

Dragged across concrete”, Regie: S. Craig Zahler, 2018

Ich habe einen Softspot für S. Craig Zahler. “Dragged across conrete” ist ein ultra-brutaler (eh klar, ist ja Zahler), nihilistischer und faszinierender Noir-Thriller. Ich liebe es, dass sich Zahler immer ewig Zeit lässt für das Setup. In dieser Zeit baut er nicht nur eine unglaubliche Spannung auf, sondern auch eine starke Nähe zu seinen Charakteren. Und auch wenn die Brutalität in seinen Filmen von der Kritik gerne in den Vordergrund gerückt wird, ist es doch vor allem die Liebe zu seinen Charakteren, die noch lange nach Filmende nachhallt.

Shaun of the dead”, Regie: Edgar Wright, 2004

Hat die beste filmische Anleitung, wie man die Zombie-Apocalypse überlebt … also gerade jetzt zahlt sich ein Revisit aus: “Take car. Go to Mum’s. Kill Phil – „Sorry.“ – grab Liz, go to the Winchester, have a nice cold pint, and wait for all of this to blow over.”

Und mit einem tollen Soundtrack noch dazu… what more can you want…


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Filmtipps von Cornelius Obonya, Caroline Peters, Verena Altenberger & Co

Filmtipps der Diagonale-Leitung

Kritik zu „Dragged Across Concrete“

Titelbild: (c) ORF/Günther Pichlkostner