Als Adam Sandler letztes Jahr für seine überzeugende Darbietung in „Uncut Gems“ nicht für den Oscar nominiert wurde, drohte er damit, das Kino (bzw. die Streamingdienste) die nächsten Jahre absichtlich mit schlechten Filmen zu überschwemmen. „Sollte ihm nicht schwer fallen“, werden die Sandler-Kritiker meinen, und nicht wenige sehen in dem neuen Netflix-Hit „The Wrong Missy“ seiner Produktionsfirma Happy Madison die Materialisierung dieser Drohung.

von Christian Klosz

Doch trotz der teils miesen Kritiken ist die Romantik-Komödie durchaus witzig und bietet die ideale Unterhaltung für’s Wochenende in Corona-Zeiten: 1.5. Stunden abschalten, leichtes und kurzweiliges Entertainment. Worum geht es in „The Wrong Missy“? Tim (David Spade) wagt sich auf ein Blind Date, nachdem ihn seine Ex-Verlobte betrogen hat und sich die beiden getrennt haben. Er hängt ihr immer noch nach, sieht aber die Notwendigkeit „to move on„, wie der Amerikaner sagt. Sein blindes Treffen entpuppt sich schnell als Horrordate: Missy (Lauren Lapkus) ist laut, schräg, peinlich und völlig irre. Tim versucht, die Szenerie so schnell wie möglich zu verlassen. Am Flughafen stolpert er in eine andere „Missy“ (Melissa), die beiden verwechseln ihre Taschen, vertauschen unabsichtlich ihre Tickets, verpassen ihre Flüge und plaudern danach an der Flughafenbar angeregt über ihr Missgeschick, Gott und die Welt: Missy 2 ist wunderhübsch, elegant, klug, und sie und Tim beiden haben eine Menge gemeinsam. Den Quickie in der Besenkammer verhindert nur der Terminalaufruf von Missy 2’s Flug, Nummern werden getauscht und man vereinbart, in Kontakt zu bleiben.

Tim ist vollauf begeistert von seinem neuen Fang und entschließt sich dazu, Missy 2 zum retreat seiner Firma in Hawaii einzuladen. Einziges Problem: Versehentlich schickt er seine Nachricht an Missy 1, die dann knapp vor der Abreise im Flugzeug neben dem ungläubigen Tim Platz nimmt. Ein Trip voller Chaos, Wahnsinn und überraschenden Entwicklungen nimmt seinen Lauf.

Das Plot-Setup ist nicht sonderlich ausgefeilt, aber elaboriert genug, um den Startpunkt für eine solide Komödie ohne Anspruch zu geben. „The Wrong Missy“ versucht zu keinem Zeitpunkt mehr zu sein, als er ist, aber erledigt diesen Auftrag ziemlich ordentlich. Der wahre Star des Films ist die falsche Missy Lauren Lapkus, die zur Hochform aufläuft, deren peinliche Aktionen sie aber auch irgendwie sympathisch machen, was schließlich auch Tim erkennen muss. Eine glatte Fehlbesetzung ist hingegen David Spade als Tim, der die meiste Zeit völlig unbeteiligt und apathisch wirkt, ganz so, als ob er einfach Szene für Szene abspulen würde, um seine sicher ordentliche Gage abzustauben. Überraschend ist da, dass sich im Lauf des Films dennoch so etwas wie Chemie zwischen den beiden Protagonisten entwickelt, wodurch die miserable Leistung Spades weniger ins Gewicht fällt. In den Nebenrollen sind unter anderem der wie immer überzeugende Geoff Pierson zu sehen, „Scrubs“-Star Sarah Chalke und Rob Schneider als völlig schräge Figur.

Fazit

Wer mit der Erwartungshaltung an eine kluge, intelligente Komödie mit anspruchsvollem Humor auf den Play-Button von „The Wrong Missy“ drückt, wird enttäuscht sein. Wer allerdings auf 1.5 Stunden leichte und leicht verdauliche Komödienkost eingestellt ist, die sich einen Dreck um die Regeln des guten Geschmacks schert, wird den Film durchaus unterhaltsam finden und sich auf die weiteren Projekte von Happy Madison freuen: Mister Sandler hat seine größmäulig angekündigte Drohung also doch nicht wirklich wahr gemacht.

Bewertung

7 von 10 Punkten (68/100)

Weitere Netflix-Kritiken:

„Super Mario Bros.“

„Tyler Rake: Extraction“

„Das Schweigen des Sumpfes“

„Betonrausch“

„Der Schacht“

Bilder: (c) Netflix