Eine bekannte Redensart besagt: Die verbotenen Früchte schmecken am süßesten. Und ein jeder erinnert sich wohl an seine von Verboten und Warnungen geprägte Kindheit, in der eben jene Früchte auch exakt die waren, die die größte Anziehungskraft ausübten. Alkohol, Zigaretten, böse Filme; die Palette der Sehnsüchte ist vielfältig und groß.

von Cliff Brockerhoff

Einem etwas spezielleren Thema dieser Zeit widmet sich Regisseurin Karen Maine nun in ihrer Kurzfilm-Adaption „Yes, God, Yes“, die mit ihrem Titel schon aufzeigt in welche Richtung es in knackigen 78 Minuten gehen soll. Im Mittelpunkt steht dabei die 15-jährige Alice, die wohlbehütet aufwächst und eine konservativ religiöse Erziehung erfährt. An der Schwelle zur Adoleszenz muss sie sich allerdings fragen, ob ihr Leben in diesem Fahrwasser verbleiben soll. College, Jungs, Sex, doch vorher: ein Ausflug ins Bibelcamp, um mit Gerüchten rund um eine erotisch angehauchtes Ereignis in der Vergangenheit aufzuräumen.

Im Fortlauf tragen sich dort nicht nur einige, von außen betrachtet, sehr zweifelhafte Dinge zu – auch in Alice entbrennt sprichwörtlich der Kampf zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle, Gott und dem Teufel. Ihr Streben nach sexueller Selbstentfaltung steht in krassem Kontrast zu den dort vermittelten Werten, sodass ihr moralischer Kompass sekündlich in andere Richtungen ausschlägt und die Heranwachsende nur noch schwerlich den richtigen Pfad einsehen kann. Von unglücklichen Zufällen befeuert entwickelt sich ein persönliches Dilemma, das bei ihr die Angst auf ewige Verdammnis auslöst.

Alice, liebenswürdig und glaubhaft gespielt von „Stranger Things“ Darstellerin Natalia Dyer, erinnert dabei mit ihren blass rot gefärbten Haaren und ihrer unsicheren Art ein wenig an Saoirse Ronans Verkörperung von „Lady Bird„. Widmete sich Greta Gerwig in ihrer coming-of-age Story 2017 beinahe sämtlichen Problemen des Erwachsenwerdens, beschränkt sich „Yes, God, Yes“ auf eine bestimmte Komponente. Das führt unweigerlich dazu, dass sich der Film ein eigens genähtes Korsett anzieht und keine wirklich ausladende Geschichte erzählen kann. Hier werden keine seelischen Abgründe begangen und keine komplexen psychoanalytischen Thesen erörtert. Hier geht es schlicht und einfach um ein junges Mädchen, das zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt die eigene Libido entdeckt und sich nicht mehr nur nach Rat verzehrt.

Um die schlichte Story aufzuhübschen bedient sich Maine einem feinen Kniff und verlagert ihr Geschehen an den Anfang des Jahrtausends. Ebenjener Zeit, in der viele ihr Wissen noch aus Zeitschriften und Büchern bezogen, das Internet der neueste Schrei war und Cyber-Sex als verrucht galt. Das macht es Alice natürlich nicht einfacher, doch wenn der Zuschauer die US-Amerikanerin dabei beobachtet wie sie sich an der Vibration ihres Nokia 5510 erfreut oder im Chatroom schüchtern Sexpraktiken hinterfragt, entbehrt das nicht einer gewissen Komik und ist vor allem für Personen, die in dieser Zeit aufgewachsen sind, ein nettes Gimmick, aus dem der Film einen großen Teil seines Charmes zieht.

Fazit

Und der Filmkritiker sprach zu seinen Lesern: sehet „Yes, God, Yes“ und erblicket ein kurzweiliges Werk, welches das Seelenleben einer Heranwachsenden nach außen kehrt, dabei schlüpfrig aber nie unter der Gürtellinie agiert und nicht zuletzt auch einen befriedigenden Seitenhieb gegen die religiöse Scheinheiligkeit wagt. So schafft es die Indie-Komödie die stellenweise ereignisarme Geschichte aufzufangen und eignet sich hervorragend für einen zwanglosen Kinobesuch vor dem Gang in die Messe. Ab dem 29. Januar digital zum Kauf verfügbar, ab dem 05. Februar auf BluRay und DVD – schon ab dem 18. Januar exklusiv für Amazon Prime Video abrufbar .

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(63/100)

Bilder: ©capelight pictures

Update zum Gewinnspiel: Situationsbedingt wird es keine Kinoauswertung geben, der Film wird stattdessen direkt im Heimkino starten. Alle Gewinnspiel-Teilnehmer dürfen trotzdem einmal in ihr Postfach schauen, wir haben stattdessen 1×1 DVD von „Yes, God, Yes“ verlosen können.