Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Dieses Sprichwort haben sich Justin Benson und Aaron Moorhead in verstärkten Lettern auf die Fahne geschrieben. So scheint es zumindest, wenn man sich die bisherige Filmographie des Regisseur-Duos vor Augen hält. 2014 erschufen sie mit „Spring“ eine wahnwitzige Mischung aus Fantasy, Liebesgeschichte und Creature Horror, drei Jahre später folgte mit „The Endless“ ein persönlich geprägter Ausflug in das Innenleben einer Sekte, samt kritischem Kommentar über festgefahrene autoritäre Strukturen. Auch wenn die Rahmenhandlung immer im Mystery-Genre angesiedelt ist, lässt sich vieles auf die Realität übertragen.

von Cliff Brockerhoff

So auch in „Synchronic“, dem aktuellen output der Kreativköpfe. Nach zwei eher kleineren Produktionen begegnet der Zuschauer im neuesten Werk erstmals bekannteren Gesichtern und erlebt die Geschichte von zwei Rettungssanitätern, die neben ihrem eh schon betrüblichen Berufsleben nun auch noch gegen den Aufstieg einer Designerdroge ankämpfen müssen, die vermehrt zu Notrufen führt. Aber nicht nur der berufliche Stress macht beiden zu schaffen, auch privat läuft es alles andere als rund. Als dann auch noch Dennis‘ Tochter Brianna verschwindet und Steve einen persönlichen Tiefschlag einstecken muss, vermischen sich beide Welten und lassen sich nicht mehr trennen.

Was vorrangig erst einmal nach Drama klingt, entwickelt sich im Zuge seiner circa 100 Minuten abermals zu einem genreübergreifenden Ausflug in verschiedenste Metiers. Auf der einen Seite präsentiert sich „Synchronic“ als intime Geschichte über Familie, Freundschaft und die Facetten der menschlichen Existenz und profitiert dabei vor allem von seiner unbekümmerten Chemie zwischen Jamie Dornan und Anthony Mackie, die durch die auftretenden Ereignisse allerdings schnell in eine komplett andere Richtung ausschlägt. So oder so, beide Extreme sind gut geschrieben, glaubwürdig gespielt und der Story zuträglich. Diese wiederum entwickelt sich auf der anderen Seite durch den Aufschwung der Droge zu einer verschachtelten Zeitreise-Geschichte, die den Films alleine visuell, aber auch erzählerisch bereichert.

Besonders intensiv wird das Erlebte immer dann, wenn das Werk es schafft sich in die Hirnwindungen der Zuschauer zu schleichen und dort subjektive Denkprozesse anzustoßen. Es ist gar nicht mal so sehr die offensichtlich präsentierte Geschichte, die den bleibenden Eindruck hinterlässt – auch wenn sich ein jeder in irgendeiner Art und Weise mit den Problemen der Hauptcharaktere identifizieren kann. Nein, es ist, typisch für einen Benson & Moorhead Film, der Subtext, der am meisten zu erzählen hat. Wenn Steve als Farbiger mittels Drogenkonsum in die Zeit der Sklaverei katapultiert wird und die im Film gezeigte Vergangenheit immer wieder gefährliche Auswirkungen auf die Gegenwart hat, ist das bei genauerem Hinsehen nicht nur ein Stilmittel zum Spannungsaufbau, sondern vielmehr ein zarter Kommentar zur schwelenden Rassismus-Debatte in den USA.

Anders als in den vorherigen Werken bietet der Genrehybrid aber verhältnismäßig wenige solcher Auswüchse und lässt stellenweise die inhaltliche Tiefe vermissen. Die qualitativen Unebenheiten trüben das Seherlebnis und schaffen es nicht den Spannungslevel permanent aufrecht zu erhalten. Nach intensiven zwanzig Minuten flacht die Geschichte, trotz Fortschritt, zusehends ab und braucht zu lange um das Interesse des Zuschauers wieder zu erwecken. Unheilvolle Geräuschkulissen, narrative Sprünge und bedeutungsschwangere Bildkompositionen erwecken den Eindruck, dass der Zuschauer einer überwältigenden Auflösung ins Auge blickt, doch stattdessen entscheidet sich das Drehbuch für den einfachen Ausweg. Dass kommt natürlich denen zugute, die geschlossene Erzählungen präferieren, lässt aber ebenso den Verdacht aufkeimen, dass das Duo diesmal eben nicht genug gewagt hat, und demzufolge auch nicht so viel gewinnen kann.

Fazit

Verglichen mit den Vorgängern aus der Feder des Regisseur-Duos schlägt „Synchronic“ fast schon eine massentaugliche Ausrichtung ein, profitiert von seiner faszinierenden Idee und einem gut aufgelegten Cast, kann seine guten Ansätze insgesamt aber zu selten zu dem tiefgründigen Konstrukt synchronisieren, das der Film vorgeben will zu sein. Angesichts unterhaltsamer Sichtung durchaus Meckern auf hohem Niveau, doch hier lässt einen das Gefühl nicht los, dass deutlich mehr drin war. Ab sofort als BluRay oder DVD erhältlich, alle Infos dazu könnt ihr hier nachlesen.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(70/100)

Bilder: ©Universal Pictures

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