In „Das Schweigen der Lämmer“ jagte sie Hannibal Lekter, den genial-bestialischen Psychiater, im Mystery-Thriller „Paris Murder Mystery“ (OT „Vie privée“ bzw. „A Private Life“) heftet sich Jodie Foster als Pariser Psychiaterin an die Fersen eines (vermuteten) Mörders. Der soll ihre ehemalige Patientin (Virginie Efira) auf dem Gewissen haben, die plötzlich verstarb, der Ex-Mann (Daniel Auteuil) hilft bei den Ermittlungen als Pseudo-Watson. Durchaus unterhaltsam und ab 16.4. (D) bzw. 24.4. (Ö) im Kino.
Kritik von Christian Klosz
„Paris Murder Mystery“: Jodie Foster als Freud’scher Sherlock
Die amerikanische Psychiaterin und Psychoanalytikerin Lilian Steiner (Jodie Foster) lebt und arbeitet seit Jahren in Paris, ganz in der Nähe ihres Ex-Mannes Gabriel (Daniel Auteuil) und des gemeinsamen Sohnes. Als eine ihrer langjährigen Patientinnen, Paula Cohen Solal (Virginie Efira), unter mysteriösen Umständen stirbt, die Polizei von Suizid ausgeht und keine Anstalten macht, weitere Ermittlungen einzuleiten, ist Lilian überzeugt, dass es sich um Mord handelt.
Erst verdächtigt sie Paulas Tochter, dann deren hinterbliebenen Mann (Mathieu Amalric), der offenbar eine Affäre hatte. Auch ein bedeutendes Erbe ist im Spiel, das das Motiv liefern könnte. Lilian, geplagt von Schuldgefühlen, ihre Patientin falsch behandelt zu haben, die durch Vorwürfe von Paulas Familie noch verstärkt werden, beginnt auf eigene Faust private Ermittlungen.
Sie beschattet die Verdächtigen, sucht sogar eine Hypnose-Therapeutin auf, um durch Innenschau zu neuen Erkenntnissen zu kommen, verirrt sich aber zunehmend in der Aufgabe, die zur Obsession wird. Ihr Ex-Mann Gabriel sorgt sich um Lilian, unterstützt sie bei ihrer Spurensuchen und die beiden kommen sich (unerwartet) wieder näher.
Überzeugendes Schauspiel, schwaches Ende
Rebecca Zlotowskis auf Französisch gedrehter Film feierte seine Premiere 2025 in Cannes (außer Konkurrenz), wo es vor allem Applaus für Jodie Foster gab, die in einwandfreiem Französisch eine darstellerische Bravourleistung hinlegt. Und tatsächlich: Sie trägt „Paris Murder Mystery“ über weite Strecken allein auf ihren Schultern, ihre Nominierung für den prestigeträchtigen Lumière-Preis als erste Amerikanerin überhaupt war mehr als verdient. Es ist zweifellos Fosters beste Performance seit Jahren, auch weil sie ihre Figur subtil, lasterhaft-sympathisch und dabei sehr realistisch anlegt.
Daniel Auteuil gibt den schauspielerischen Sparringpartner und die Szenen mit den beiden als Ex-Ehepaar, das sich plötzlich wieder näher kommt, sind besonders amüsant: Sie sucht in Holmes-Manier nach Spuren und Verbrechern, während er als Pseudo-Watson dabei assistieren darf.
Regisseurin Zlotowski präsentiert eine Mischung aus Psycho-Drama und Thriller in Hitchcock-Manier, der deutsche Verleihtitel (der trotzdem auf Englisch ist) simplifiziert das Werk, denn „Paris Murder Mystery“ ist mehr als ein simples Whodunnit: Es ist die Suche einer Frau in ihrem Lebensherbst nach sich selbst über den Umweg einer Obsession, ausgelöst durch einen Verlust, der sie persönlich trifft und existenzielle Fragen aufwirft.

Leider bleibt das Finale allerdings recht unbefriedigend, die Auflösung enttäuschend und irgendwie zu simpel und erwartbar. Hier wollte der Film unbedingt bedeutungsschwangeres Arthouse-Drama anstatt Krimi sein, wo er doch über weite Strecken ausgezeichnet beides schaffte.
Bewertung
(74/100)
„Paris Murder Mystery“ („A Private Life“) – Kinostart Deutschland: 16.4.2026; Kinostart Österreich: 24.4.2026.
Bilder: © Georges Lechaptois
