Ein runtergekommenes Motel bei Nacht, gehüllt in dichte Nebelschwaden, untermalt von Synthwave-Klängen. Im Hintergrund: eine heiße Blondine mit hautenger Lederjacke, die in einer Telefonzelle in der Hörer haucht. Willkommen zurück in den 80ern, dem ikonischen Jahrzehnt für Horrorfilme und Frisurentrends. Jason Vorhees, Freddy Krüger oder Pinhead; sie alle fanden ihren Ursprung in der Zeit, in der Männer nachts vom Final Girl träumten und Frauen sich an einem regulären Sonntag kleideten wie heute nur noch zu Karneval. Der Blick zurück entbehrt nicht einem gewissen Schmunzeln, und genau das nutzt „Vicious Fun“ zu seinem Vorteil.

von Cliff Brockerhoff

Der Hybrid aus Slasher-Horror und Komödie katapultiert uns zurück in das Jahr 1983 und erzählt die Geschichte von Joel, einem übereifrigen Horrorfilm-Kritiker, der heimlich in seine Mitbewohnerin verknallt ist und so auf die glorreiche Idee kommt ihr aktuelles Date zu stalken. Nach einer durchzechten Nacht, einer Menge unangenehmer Gespräche und Situationen schläft Joel im Hinterzimmer der Location ein. Als der aufwacht und das Etablissement verlassen möchte, stolpert er in eine Selbsthilfegruppe für Serienmörder. Anstatt die Situation aufzuklären, mimt der junge Mann den harten Kerl und wird mehr und mehr zur Zielscheibe der Psychopathen.

Filme, die schon im Titel das Wort „Spaß“ beinhalten, sind meist mit Vorsicht zu genießen. Oft erweist sich das angepriesene Amüsement als eher flache oder gar alberne Unterhaltung, die der Zuschauerschaft höchstens ein müdes Zucken der Mundwinkel abringen kann. „Vicious Fun“ ist anders. Nicht zwingend weil der Humor besonders innovativ wäre und deshalb zu herzhaftem Gelächter verführt, nein: die Gags sind teilweise so gut pointiert und werfen immer wieder so absurde Konstellationen auf, dass zwangsläufig ein Lachen über das Gesicht huscht. Selbstverständlich finden sich auch komplett übertriebene Momente im Drehbuch, alles andere wäre einer solchen Hommage unwürdig, aber insgesamt begegnen wir einer ausgewogenen Mischung.

Besonders interessant wird es immer dann, wenn „Vicious Fun“ seine Stilrichtungen komplett ineinander vermengt. Die Story an sich ist phasenweise extrem spannend, die darin enthaltenen Charaktere sind abwechslungsreich, furchteinflößend und doch ebenso belustigend. Vom asiatischen Kannibalen über den irren Killerclown bis hin zum komplett wahnsinnig gewordenen Soziopathen; hier wird alles geboten. Auch wenn die Rollenbilder natürlich von Klischees geprägt und gnadenlos überzeichnet sind, sie funktionieren. Ein weiterer Pluspunkt: die Besetzung ist bis in die kleinste Nebenrolle einfach perfekt gewählt. Alle verkörpern ihre Figur mit solch einer Leidenschaft, dass man zeitweise vergisst, dass es sich um Schauspieler handelt. Es ist nahezu unfair jemanden besonders hervorzuheben, aber was der Kanadier Ari Millen in der Rolle des abgedrehten Gestaltwandlers Bob auf die Leinwand zaubert, ist einfach großartig und verdient eine explizite Benennung.

Stilistisch bewegt sich der Film grundsätzlich im typischen Flair der glorreichen Eighties. Kostüme, Kulissen und Klänge sind angepasst, funktionieren aber auch in der Neuzeit. Das Werk wirkt also nicht wie ein angestaubter Aufguss vergangener Zeiten, sondern vielmehr wie eine aufpolierte Version eines alten Schmuckstücks, das heute noch genauso strahlt wie einige Jahrzehnte zuvor. Der komödiantische Blick in den Rückspiegel verstärkt die Elemente von einst mit der Technik von heute und sollte somit nicht nur Zeitzeugen, sondern auch Anhänger moderner Stoffe begeistern können. Bis auf eine kleinere Länge im Mittelteil und dem etwas zu überhasteten Showdown samt Ausblick in die Zukunft gibt es hier nichts zu mäkeln.

Fazit   

Cody Calahans „Vicious Fun“ transportiert die einzigartig coole 80’s Ästhetik in die Gegenwart und besticht durch wahnsinnig witzige Situationskomik, grandios geschriebene und gespielte Charaktere, saftige Gewaltspitzen und eine unterhaltsame Kurzweiligkeit, die einen beim Abspann fast traurig zurücklässt. Ein nostalgisch angehauchter Mordsspaß, nicht nur für klassische Horrorfans!

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(83/100)

„Vicious Fun“ ist einer von 9 Filmen, die ihr in der Zeit vom 19. bis zum 22. April im Rahmen des SHIVERS Film Festival sehen könnt. Alle Infos, Filme und Tickets bekommt ihr hier.