Bei der Berlinale 2020 wurde „Bad Tales“ von Fabio und Damiano D’Innocenzo (völlig zurecht) mit dem Drehbuchpreis prämiert. Einen regulären Kinostart letztes Jahr verhinderte Corona, nun ist das heftige Drama – leider völlig unbemerkt – doch im Kino gelandet, zumindest in Österreich, wo der Film derzeit im Top-Kino zu sehen ist.

von Christian Klosz

„Bad Tales“ ist eine düstere, melancholische Fabel über zerplatzte Träume, unerreichbare Sehnsüchte und soziale Spannungen, die niemanden verschonen und alles und jeden mitreißen: Oberflächlich erzählt das italienische brüderliche Regie-Duo D’Innocenzo von einem römischen Vorort, der den Bewohnern gerade noch das Gefühl gibt, den (ihren eigenen) (klein-)bürgerlichen Ansprüchen gerecht zu werden, während die Verzweiflung ob der Unentrinnbarkeit der Lage und die damit verbundene Hoffnungs- und Perspektivenlosigkeit immer größer werden. Dahinter liegt ein kluges Porträt einer in die Bedeutungslosigkeit abrutschenden Mittelschicht, deren Frust und Wut sich unweigerlich auf deren Kinder überträgt, die das finalisieren, wozu die Eltern nicht mehr den Mut und die Kraft haben.

„Bad Tales“ ist auch eine dunkle Zukunftsvision und eine Anklage, die Partei für eine verlorene (Kinder-)Generation ergreift, die in einer Welt ohne Träume, Wünsche und Möglichkeiten aufwächst. All das wird in teils atemberaubend schönen Bilder eingefangen, was den Film zu einer der Entdeckungen der Filmjahre 2020/2021 macht.

Bewertung:

Bewertung: 9 von 10.

(90/100)