Im letzten Transformers-Teil von Michael Bay, „The Last Knight“, fiel ein herrlich selbstironischer Satz, ob beabsichtigt oder nicht, der das Franchise eigentlich überaus treffend zusammengefasst: „Logic has left the building„. Gut, dass könnte man, wie bei der Transformers-Reihe, auch schon von zumindest einem vorangegangenen „Fast and Furious“-Teil sagen, aber der neunte Teil der „Saga“, wie sie von den Verantwortlichen inzwischen selber bezeichnet wird, tut sich da nochmal besonders hervor. „Fast & Furious 9“ ist seit heute in den Kinos zu sehen.

von Mara Hollenstein-Tirk

Und von Ferne ertönen nun wahrscheinlich schon die Stimmen: „Wen interessiert da schon die Logik, das muss knallen und gut ist“. Man vernimmt diese (möglichen) Gegenworte und schweift dabei sehnsüchtig in jene Zeit ab, als es bei dieser Reihe noch um schnelle Autos, kleinere und größere Gaunereien und diese eine viertel Meile ging, die über Triumph oder Niederlage entschieden hat. Ja, auch damals war bei weitem nicht alles perfekt, und gerade die actionlastigere Neuorientierung des fünften Teils war willkommene und dringend benötigte Abwechslung in einem. Aber selbst bei diesem Soft-Reboot ging es noch zumindest halbwegs plausibel zur Sache. Die Naturgesetze wurden nicht immer, aber doch größtenteils beachtet, unsere Helden waren noch Gangster, die durch ihr Können hinter dem Lenkrad und ihre ausgeklügelten Pläne ans Ziel kamen und nicht dadurch, dass sie deutlich mehr Glück als Verstand hatten, und hier und da konnte man sogar ein ironisches Augenzwinkern in all dem aneinander schrammenden Blech erkennen.

In Teil neun ist davon aber leider nicht mehr viel geblieben. Es gibt sie zwar noch, die Gags und Witzchen, manche davon zünden sogar, aber alles in allem ist hier schon viel zu viel Drama und Ernsthaftigkeit vertreten. Das einst lediglich übergreifend fungierende Thema „Familie“ ist zum eigentlichen Kern der Filme mutiert, jeder zweite Satz, der zwischen den Materialschlachten gesprochen wird, scheint sich darum zu drehen; stets vorgetragen mit dem nötigen Ernst samt passend stoischem Gesichtsausdruck. Gerade Vin Diesel scheint sich nun vollends jegliche Mimik abgewöhnt zu haben – es mag bezeichnend sein, dass seine beste Rolle der letzten Jahre ein in seinem Vokabular doch recht eingeschränkter Baum war. Doch auch die übrigen Performances verleite nicht zu Jubelschreien. Gerade John Cena, der in den letzten Jahren durchaus ein gewisses komödiantisches Talent an den Tag gelegt hatte, wird hier als Vorzeige-Wrestler verbraten, der immer wieder ganz böse in die Kamera schaut und so tut, als könnte Diesel ihm tatsächlich auch nur ansatzweise die Fresse polieren.

Nicht einmal Tyrese Gibson und Ludacris können noch wirklich für Erheiterung sorgen, zu sehr werden ihre Zankereien und Sprüche von der stetig im Hintergrund schwelenden Dramatik niedergedrückt. So bleiben einzig die Actionsequenzen, und meine Güte, gibt es davon viele, die noch für eine wenig  Stimmung sorgen. Leider kannibalisieren sich auch diese irgendwann schlichtweg aufgrund von cerebraler Reizüberflutung. Wenn zum x-ten Mal ein Auto durch die Gegend fliegt, weil einer einen richtig starken Magneten eingeschaltet hat, kommt einem ein Trick, den man eigentlich erst vor einer Stunde zum ersten Mal gesehen hat, am Ende des Films bereist ausgelutscht und altbacken vor. Vielleicht ja auch, weil die Macher sich tatsächlich dachten, es wäre eine grandiose Idee, eine Geschichte, die man locker auch in eineinhalb Stunden erzählen könnte, stattdessen lieber auf zweieinhalb zu strecken. Hier noch ein finsterer Blick, da eine Explosion – wird schon keiner merken, dass hier ansonsten gerade nichts passiert, was in irgendeiner Form Mehrwert für den Zuschauer bedeuten würde (außer natürlich man setzt Quantität mit Qualität gleich). Aber, werte Verantwortliche, nur um das klar gesagt zu haben: Man merkt es, man kann es vielleicht absichtlich ignorieren, aber man merkt es. Man merkt, wenn der Cast anfängt, müde und lustlos zu wirken, man merkt es, wenn Action zum reinen Selbstzweck verkommt, man merkt es, wenn ein uninspiriertes Script zusammengeschustert wird, um irgendwie noch einmal alle zu versammeln, und man merkt es, wenn die immer wieder gemolkene Kuh schließlich und endlich doch im Sterben liegt. In diesem Sinne kann man nur hoffen, dass Bertha ein friedliches Begräbnis bekommt und es damit dann aber auch gut ist, denn weniger ist manchmal dann eben doch mehr.

PS.: Wer sich über die fehlende Inhaltsangabe wundert, der sei hiermit auf den Trailer verwiesen, der fasst das eigentlich schon gut zusammen: Familie über alles, Bruder gegen Bruder (wie schockierend), ein paar alte Gesichter (überrascht schauen, weil der eine Charakter doch plötzlich wiederauferstanden ist), ein paar neue (die man wahrscheinlich eh sofort wieder vergessen kann) und am Ende gibt’s ein Barbecue und alle haben sich wieder lieb.

Bewertung:

Bewertung: 4 von 10.

(35/100)

Bilder: UPI