Es mögen die Nachwehen der immer noch andauernden Situation sein, dass ein Regisseur wie Guy Ritchie einen Actionfilm mit Jason Statham in die Kinos bringen kann, ohne damit für großes Aufsehen zu sorgen. Auch in unserer Redaktion wurde der Streifen namens „Cash Truck“, der bereits seit 29.7. in den heimischen Lichtspielhäusern zu sehen ist, bisher sträflich vernachlässigt. Warum er eine solche Behandlung auf gar keinen Fall verdient hat, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

von Mara Hollenstein-Tirk

Vorweg eine kleine Inhaltsangabe: Der wortkarge Harry, genannt „H“ (Statham), heuert bei einer Geldtransportfirma an. Die Referenzen sind blendend, die Weste scheinbar weiß, den Aufnahmetest besteht er zwar gerade so, aber immerhin wirkt er motiviert und fit wie ein Turnschuh. Die Kollegen kommen zwar zunächst nicht ganz so gut mit der Art des Neuen klar, aber auch das spielt sich mit der Zeit ein; erst recht nachdem Harry im Alleingang einen Überfall auf einen Geldtransporter vereitelt und einem seiner Kollegen das Leben rettet. Alle sind vollkommen aus dem Häuschen, Harry scheint ein wahrer Glücksgriff gewesen zu sein. Doch dann folgt noch ein Vorfall, und noch einer, und schön langsam fangen Kollegen und Vorgesetzte an sich zu fragen, welches dunkle Geheimnis aus Harrys Vergangenheit die Bewerbungsunterlagen wohl verschweigen.

Damit hätten wir also den Aufhänger, und mehr gibt es an dieser Stelle auch nicht, denn ebenso wie der Trailer möchten auch wir nicht unnötig spoilern. Denn was Trailer und Synopsis nicht verraten, ist, dass sich in den knapp zwei Stunden Laufzeit noch wesentlich mehr abspielt. Wichtige Plotpoints ergeben sich erst nach und nach, wodurch der Zuschauer erst ganz am Ende das vollständige Bild zu entschlüsseln vermag. Dies wird, wie so oft in der Filmwelt, mit der Unterteilung in Kapitel und einer nicht linearen Aneinanderreihung ebenjener bewerkstelligt. Ritchie geht dabei aber sogar noch einen Schritt weiter und ändert mit jedem Kapitel den PoV-Charakter, also jenen Charakter, aus dessen Sicht der Zuschauer das Geschehen geschildert bekommt. Ein gut inszenierter Kniff, der für einiges an Spannung sorgt, hilft er doch dabei, so manch interessantes Detail zunächst noch im Verborgenen zu belassen.

Abseits dieser erzählerischen Spielereien schlägt Ritchie diesmal allerdings einen etwas andere Weg ein. Knallhart und innerhalb der Kapitel zum größten Teil sehr geradlinig, die spritzigen Dialoge und der knochentrockene, britische Humor flackern hier und da zwar auf, wer allerdings deswegen das Kinoticket lösen würde, der könnte tatsächlich etwas enttäuscht den Saal wieder verlassen. Gerade im Vergleich mit den bisherigen Kollaborationen zwischen Ritchie und Statham, man nehme nur „Snatch“ als Beispiel, bleibt der Mangel an Lachern nicht unbemerkt. Relativierend muss man allerdings sagen, dass es sich hier schon um Jammern auf hohem Niveau handelt.

Fazit:

Wer gerne mal wieder einen harten Actionkracher sehen möchte, der nicht bei jeder Gelegenheit wegschneidet weil das Rating im Auge behaltet werden muss, bei dem man sehen kann, dass sich der Hauptdarsteller selber die Finger schmutzig gemacht hat, anstatt ständig durch einen Stuntman ersetzt zu werden, und der einem obendrauf auch noch eine Geschichte serviert, die sich zwar erst nach und nach in vollem Umfang entfaltet, dann aber umso fester in die Magengrube des Zuschauers langt, der ist bei „Cash Truck“ auf jeden Fall gut aufgehoben.

Bewertung:

Bewertung: 8 von 10.

(78/100)

Bilder: © 2021 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc./Studiocanal GmbH