Die Geschichte der Sherlock-Holmes-Verfilmungen ist fast so alt wie die Geschichte des abendfüllenden Spielfilms selbst. Nachdem die ersten Adaptionen der Werke Sir Arthur Conan Doyles – der selbst eher wenig Interesse am Medium Film hatte – bereits kurz nach der Jahrhundertwende produziert wurden, wenige Minuten umfassten und häufig auf Jahrmärkten bestaunt wurden, folgte 1914 der erste richtige Langfilm. Mit „Der Hund von Baskerville“ verfilmte der deutsche Regisseur Rudolf Meinert erfolgreich einen der bekanntesten Teile des Detektiv-Epos.

„Young Sherlock“: Ab sofort auf Prime Video

Mehr als hundert Jahre später hat das Interesse am Mann mit Pfeife und ikonischer Deerstalker-Mütze nicht abgenommen. Am 4. März 2026 auf Prime Video gestartet, geht es so in der neuen Serie „Young Sherlock“ um das junge Leben des zukünftigen Meisterdetektives. Auch hier trifft er schon auf seinen ewigen Widersacher James Moriarty. Aber was gibt es sonst noch für Adaptionen? Ein Überblick.

Als Meilenstein der Filmgeschichte gilt Buster Keatons sehr lose filmische Verarbeitung des Doyle-Stoffs: Mit „Sherlock Jr.“ erschuf der Slapstick-Comedian wohl sein einflussreichstes Werk. In lediglich 44 Minuten erzählt er handwerklich erstaunlich gewieft eine geistreiche Handlung voller Pointen, in der es nicht zuletzt um das Kino selbst geht. Zu streamen ist der Stummfilm derzeit auf MUBI – aber auch kostenfrei, z.B. auf YouTube.

Zu den prägendsten Darstellern Sherlock Holmes‘ zählt hingegen Basil Rathbone (siehe Titelbild), der immerhin 14-mal in die Hauptrolle schlüpfte. „Der Hund von Baskerville“ von 1939, mit Rathbone und in Tonfilm, kann man auch ohne Abonnement gratis mit Werbung auf Prime Video schauen. Der Film „Terror by night“ („Juwelenraub“) ist – neben anderen – kostenlos auf Youtube zu sehen.

Außerdem bemerkenswert: Im Zeichentrickklassiker „Basil, der große Mäusedetektiv“, hier werden die Holmes-Romane ins Tierreich verlegt, wurde die Hauptfigur zu Ehren jenes britischen Schauspielers benannt – zu streamen auf Disney+.

Billy Wilder, Guy Ritchie, …

Auch vor Kultregisseuren machte Sherlock Holmes keinen Halt. Seinerzeit eher mäßig auf Erfolg gestoßen, wird an Billy Wilders „Das Privatleben des Sherlock Holmes“ heute die feinsinnige Psychologisierung sowie Melange aus Humor und Melancholie geschätzt. Zugleich gilt er als einer der persönlichsten Filme Wilders. Er ist auf den gängigen Plattformen als Leih- und Kauftitel verfügbar, oder über den MGM+-Kanal auf Prime Video.

Guy Ritchies Adaption mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle hat sich ebenfalls bereits ins popkulturelle Gedächtnis gebrannt, wobei die beiden actionreichen Blockbuster „Sherlock Holmes“ (2009) und „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (2011) nur noch wenig mit Arthur Conan Doyle zu tun haben. Sie sind derzeit zum Kaufen oder Leihen als VOD erhältlich. Über einen dritten Teil wird derweil seit Jahren spekuliert. Tatsächlich stammt aber die frisch gestartete „Young Sherlock“-Serie aus Ritchies Hand.

sherlock holmes 2009
Robert Downey Jr. und Jude Law

Eroberer von Filmen und Serien

Apropos Serien: Hier hat die Welt um Holmes und Watson gleichfalls viel zu bieten. Einerseits wäre da die britische TV-Serie mit Jeremy Brett, die als vorlagengetreuste Adaption behandelt wird und zwischen 1984 und 1994 erschien. Andererseits gibt es mehrere moderne Serien; allen voran wohl „Sherlock“ mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle. Die BBC-Serie hat es binnen weniger Jahre geschafft, absoluten Kultstatus zu erreichen, ist innovativ erzählt und inszeniert und hat damit den Stoff in eine neue Generation getragen. Alle vier Staffeln sind bei Netflix zu streamen.

Aber auch „Elementary“ ist eine (zugegeben: äußerst lose) Adaption des berühmtesten Detektivs. Ins New York der Gegenwart versetzt und mit der ehemaligen Chirurgin Dr. Joan Watson statt Dr. John Watson an seiner Seite, hilft Sherlock Holmes (Johnny Lee Miller) dort der NYPD und Privatpersonen, wobei die Serie dezidiert Drogensucht behandelt. „Elementary“ kann vollständig via Joyn geschaut werden.

Sichtbar wird: Sherlock Holmes ist nicht nur die am häufigsten verfilmte Figur der Literatur überhaupt, die einzelnen Adaptionen reichen von sehr detailgetreuen Ansätzen bis hin zu völlig freien Werken. Es wird sich zeigen, wo sich die Serie „Young Sherlock“ in dieses facettenreiche Kaleidoskop einordnet. (Jonas Schilberg)

Titelbild: gemeinfrei – Basil Rathbone as Sherlock Holmes

Textbild: Filmplakat – Quelle: https://www.filmposter-archiv.de/filmplakat.php?id=13112