von Christian Klosz

„Vesper Chronicles“ von Kristina Buozyte und Bruno Samper

In einer dystopischen Zukunft, deren Welt durch den Menschen und durch dessen falsche Reaktion auf ein sich ausbreitendes Virus zerstört wurde, lebt die junge Vesper in einer Siedlung am Waldrand. Ihr Vater ist ans Bett gefesselt und kann sich nur via Drohne mit ihr unterhalten. Im Wald findet sie eine junge Frau, die offenbar mit einem Fluggerät abgestürzt war und aus der Stadt der „Zitadellen“ (wo die Elite abgeschottet lebt) kommt. Gemeinsam gelingt es den beiden, den Gen-Code der einzig verfügbaren Pflanzensamen zu entschlüsseln, der von den Zitadellen-Einwohnern durch Bio-Engineering manipuliert und „gesperrt“ wurde, sodass diese Pflanzen nur eine Ernte einbringen, bevor sie zugrunde gehen, um die Abhängigkeit der Waldbewohner sicherstellen: Ein Weg in die Zukunft?

„Vesper Chronicles“ (OT: „Vesper“) ist ein visuell beeindruckendes Werk, das mit Guillermo del Toro einen prominenten Fan gefunden hat und – für eine litauisch-französische Ko-Produktion bemerkenswert – einen regulären Kinostart hinter sich hat. Inhaltlich und dramaturgisch bleibt diese zweifellos kreativ konstruierte SciFi-Dystopie aber oft zu wirr, wie insgesamt zu artifiziell, um den Zuschauer wirklich mitzunehmen und zu berühren: Schade, angesichts eines hochaktuellen Sujets.

Rating: 67/100

„Safe Word“ von Kôji Shiraishi

Ein neuer Roman-Porno-Streifen aus der japanischen Nikkatsu-Schmiede: Misa, ein Underground Wrestling-Idol, wird von einem lokalen BSDM-Club angeheuert. Sie soll sich dort zur Dominatrix ausbilden lassen. Erst irritiert und abgestoßen von den Vorgängen, lässt sie sich schließlich doch auf ein Experiment ein, das für sie selbst eine Odyssee durch sexuelle Vorlieben wird, die sie ihre eigene Sexualität erkunden lässt.

„Safe Word“ gibt sich als Pseudo-Doku, die Misa mit der Kamera auf ihrem Weg in die BSDM-Welt folgt. Handlungstechnisch hat der Film wenig zu bieten, interessant sind einzig die (teils schrägen) Charaktere und die Reise Misas in eine ihr (und vermutlich dem Großteil des Publikums) unbekannten Subkultur. Am Ende bleibt dieser Roman Porno-Versuch leider zu wenig Porno, um auf dieser Ebene zu funktionieren, und auch zu wenig Roman, um erzählerisch zu punkten.

Rating: 60/100

Bildquelle: PÖFF / (c) Plaion Pictures – aus „Vesper Chronicles“