Michael Keaton, 73, hat inzwischen wieder einen fixen Platz in Hollywood gefunden: Das umjubelte Comeback „Birdman“ gab seiner Karriere ein zweites Leben, das er inzwischen auch mit der Rückkehr in seine ikonische Batman-Rolle in „The Flash“ füllte. Dazwischen lag eine Vielzahl solider Produktionen, sei es nun „The Founder“, „Spotlight“ oder die Serie „Dopesick“. Es läuft gut – und so wagt sich Keaton nach 2008 („The Merry Gentlemen“) auch wieder hinter die Kamera: „A Killer’s Memory“ ist seine zweite Regiearbeit (Drehbuch: Gregory Poirier), Keaton spielt aber auch die Hauptrolle. In den USA floppte das Ergebnis unter dem Titel „Knox goes away“ nach seiner TIFF-Premiere an den Kinokassen. Bei uns startet der Film am 24.5. auf Amazon Prime Video.

von Christian Klosz

„A Killer’s Memory“ baut auf einem dramaturgischen Gimmick auf, das nicht zum ersten Mal zum Einsatz kommt, allerdings erstmals in dieser Form: Der Killer mit Gedächtnisverlust. John Knox (Keaton), doppelter Doktor und Hobbyphilosoph, verdient sein Geld durch Auftragsmorde für seinen zwielichtigen Boss Xavier (Al Pacino). Von seiner Frau ist er geschieden, von seinem Sohn Miles (James Marsden) entfremdet, Höhepunkte seines Lebens sind donnerstägliche Treffen mit einer polnischen Prostituierten. Als er zunehmend Gedächtnis-Aussetzer und Erinnerungslücken bemerkt, konsultiert Knox einen Neurologe, der eine besonders aggressive Form der Demenz bei ihm feststellt. Er gibt ihm nur noch wenige Wochen.

Bei seinem letzten Auftrag geht alles schief, Knox erschießt versehentlich seinen Partner und 2 Zivilisten. Bevor er untertauchen kann, taucht auch noch Miles bei ihm auf, der ihm beichtet, den viel älteren und übergriffigen Freund seiner jugendlichen Tochter umgebracht zu haben. Knox schmiedet einen Plan für seinen Exit und will auch seinem Sohn helfen, doch die Uhr tickt – ein Wettlauf gegen den Gedächtnisverfall beginnt.

Das erste Problem von „A Killer’s Memory“ ist das zerfaserte Drehbuch, das in zu viele Richtungen geht, bevor es im letzten Filmdrittel erst seinen Fokus findet. Das zweite Problem ist die zu lange Laufzeit, denn solche ein recht klassischer Genrefilm mit eher dünnem Inhalt braucht keine 110 Minuten, um seine Geschichte zu erzählen. Das zeigt sich leider an einigen Längen, die absolut unnötig gewesen wären. Das dritte und größte Problem ist die träge, völlig spannungsarme Inszenierung: Geradezu blutleer wirken viele Szenen, eine gewisse Tendenz zur Langeweile kann man diesem Thriller ohne jeglichen Thrill nicht absprechen.

A Killer's Memory Al Pacino

Doch „A Killer’s Memory“ hat auch einige Qualitäten, die den Film am Ende retten: Zum einen ist da ein gelungener Twist im Finale. Zum anderen die Leistung von Michael Keaton, dem Schauspieler, der gerade in der letzten halben Stunde, als es mit dem Geisteszustand seiner Figur immer weiter bergab geht, sehr überzeugend agiert. Die Nebenfiguren hingegen bleiben Statisten, Al Pacino schlurft wie zuletzt oft durch die Szenerie, hat aber auch nicht viel zu sagen, James Marsden spielt seine Rolle solide, aber kaum begeisternd.

Fazit

Schlussendlich ist die zweite Regiearbeit von Michael Keaton eine recht durchwachsene Angelegenheit: Ein nicht unspannendes Sujet wird äußerst spannungsarm und zu aufgeblasen aufbereitet, so dass es „A Killer’s Memory“ zu keinem Zeitpunkt gelingt, wirklich zu fesseln, geschweige denn zu unterhalten. Oder Emotionen beim Publikum zu wecken. Zum anderen ist Michael Keatons Performance doch ansehnlich. Und das Finale rettet den Film vor dem Totalabsturz. Vergessen wird man ihn trotzdem so schnell wieder wie John Knox seinen zweiten Vornamen.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(54/100)

„A Killer’s Memory“ ist ab 24.5.2024 auf Amazon Prime Video (Abo) zu sehen.

Bilder: © DCM / Amazon Prime Video