„Die Leute halten mich für verrückt – aber sie irren sich!“, rief Diane Keaton 2013 in einer Talkshow, während sie gerade laut lachend darüber philosophierte, wie man am besten Wein trinke (ihr Tipp: viele Eiswürfel). Nun ist die Schauspielerin am 11. Oktober 2025 im Alter von 79 Jahren in Los Angeles verstorben. Ein Nachruf.
von Jonas Schilberg
Aufgewachsen in Kalifornien als Diane Hall, begann ihre kreative Karriere 1968 am Broadway, wo sie im erfolgreichen Musical „Hair“ mitspielte. Es folgten weitere Auftritte und erste Fernsehproduktionen, in denen sie – nun mit Künstlernamen Keaton, den sie ihrer Mutter entlieh – zu sehen war.
Durchbruch im Filmbusiness
Das Sprungbrett für ihre Hollywood-Laufbahn lieferte schließlich 1972 ihre Darbietung in wohl dem Kultfilm schlechthin: Coppolas „Der Pate“. Als Kay Adams spielt Keaton dort die Ehefrau des Mafioso Michael Corleone (Al Pacino). Seien es ihre dargestellte Ahnungslosigkeit auf der Hochzeitsfeier, die ausdrucksstarken Streitszenen oder das virtuose Schlussbild, in welchem sich die Tür vor ihrem ungewissen Blick verschließt – mit diesem Dreh brannte sich Keaton ins kollektive Gedächtnis ein. Wie auch die ebenfalls mit Keaton besetzten Fortsetzungen „Der Pate II“ (1974) sowie „Der Pate III“ (1990) lässt sich der Klassiker übrigens zurzeit bei Netflix, Prime Video und Paramount+ abrufen.
Mehr folgte: Regisseur Woody Allen, der bereits 1969 für ein Musical mit ihr zusammenarbeitete, drehte mit Diane Keaton in den 1970ern wiederholt. Beginnend mit der Scifi-Parodie „Sleeper“ 1973, krönte ihr Werk schließlich ein Oscar und Golden Globe für die Verkörperung der Annie Hall in der international gefeierten Komödie „Der Stadtneurotiker“ (1977). Der Film lässt sich derzeit über den Amazon-Channel MGM+ streamen, ist darüber hinaus auf den gängigen Plattformen zum Leihen verfügbar.

Diane Keaton, die Lifestyle-Influencerin
Ihre Annie Hall beeinflusste Keaton insoweit, dass sie ihren täglichen Kleidungsstil an den der fiktiven Figur anpasste. Und das bedeutete vor allem ein sehr unkonventionelles, eigenwilliges Auftreten, oft getoppt durch einen androgynen Hut. Und sie fand Nachahmer: „Der Annie-Hall-Look taucht jetzt erstaunlich häufig auf den Straßen auf“, beobachtete die New York Times 1977.
Mit Woody Allen ging Keaton zudem kurzzeitig eine Beziehung ein, blieb aber zeitlebens unverheiratet; darauf entwickelte sie regelrechten Stolz. Ihre beiden Kinder adoptierte sie. Wenig bezeugt so klar ihr Verlangen nach Unabhängigkeit und ihren schillernden Ausnahmecharakter.
Vielseitig bis zuletzt
Seit den 1980ern stand Diane Keaton auch hinter der Kamera. Ihre Regiearbeit erstreckt sich über Werke wie „Entfesselte Helden“ (1995) oder „Aufgelegt!“ (2000). Und vielleicht weniger bekannt: Auch eine Episode der Kultserie „Twin Peaks“ durfte sie künstlerisch verantworten (S2, F15). Darüber hinaus ist Keaton sogar in einem Musikvideo Justin Biebers (2021) zu sehen – in jedem Falle ein vielfältiger Werdegang.
„Das Schönste ist, dass ich immer noch hier bin. Und gerade, weil das Ende in Sicht ist, schätze ich alles noch viel mehr“, sagte sie vor einer Weile. Jetzt ist Diane Keaton nach monatelanger Verschlechterung ihres Gesundheitszustands verstorben. Zuletzt wurde sie wegen eine Lungenentzündung im Krankenhaus behandelt, deren Ursache möglicherweise eine Covid-Infektion war, die zu ihrem Tod führte.
In Erinnerung bleiben wird sie neben einzigartigen Darstellerleistungen für ihre unverwechselbare Exzentrik, Keatons emanzipierte Neuinterpretation von Weiblichkeit und ihre legendären Talkshowauftritte – in denen sie regelmäßig über den Genuss von Wein auf Eis aufklärte.
Bild: (c) Firooz Zahedi – Wikipedia:Contact us/Photo submission, CC BY-SA 3.0, Link bzw. Paramount Pictures/ABC
