„Fixer“ sind Menschen, die Probleme verschwinden lassen, Profis, die unangenehme Vorkommnisse unter den Teppich kehren. Besonders Persönlichkeiten mit Macht, Einfluss oder Bekanntheit sind auf Fixer angewiesen, um die dunkleren Seiten ihres Lebens aus dem Licht der Öffentlichkeit zu halten.
von Christian Klosz
Einen solchen Fixer braucht auch die New Yorker Bezirksanwältin Margaret (Amy Ryan), als ein junger Bursche, den sie als Sexgespiele zu sich aufs Hotelzimmer mitgenommen hatte, plötzlich regungslos am Boden liegt: Beim Herumtollen war er vom Bett gefallen, hatte sich den Kopf geschlagen, nun liegt er blutüberströmt mitten im Raum.
Einen Skandal dieser Art kann sich Margaret nicht leisten, sie ruft eine Nummer an, die ihr einst gegeben wurde für solch ausweglose Situationen. Kurz darauf steht ein Unbekannter vor der Tür (George Clooney), zieht sich Handschuhe über und beginnt, das Chaos (und die vermeintliche Leiche) verschwinden zu lassen. Womit er nicht gerechnet hat: Keine 5 Minuten später steht ein zweiter Mann im Zimmer (Brad Pitt), ebenfalls ein Fixer, diesmal von der Hotelbesitzerin angeheuert, die unangenehme Publicity vermeiden will. Wohl oder über müssen die beiden nun zusammenarbeiten – und geraten von einem Dilemma ins nächste.
„Wolfs“ von John Watts (Regisseur der letzten 3 SpiderMan-Filme) ist sofort erkennbar ein Vehikel für die beiden alternden Superstars Pitt und Clooney, die als Duo wider Willen durch die nächtlichen Straßen New Yorks ziehen müssen. Die Anti-Buddy-Komödie ist ganz auf ihre beiden Hauptdarsteller zugeschnitten, die zwei einsame Wölfe spielen, die durch Umstände zur Zusammenarbeit gezwungen werden – und erkennen müssen, dass sie mehr verbindet, als vermutet.
Diese Ausgangslage von „Wolfs“ ist nicht sonderlich kreativ und innovativ, bietet aber zumindest in der ersten Hälfte guten Nährboden für die Chemie zwischen Clooney und Pitt, die man auch aus den „Ocean’s“-Filmen kennt. Die Dialoge, der Humor sind von (Selbst-)Ironie und Sarkasmus geprägt, gerade in Bezug auf das Alter(n).
Mit Fortgang der Geschichte spürt man aber auch, dass das Drehbuch äußerst dünn ist. Gerade in der zweiten Hälfte stellt sich immer mehr Leerlauf ein, das verbale Ping-Pong zwischen den Protagonisten wird repetitiv und verliert seinen Reiz, „Wolfs“ verliert sich im leidlich spannenden Zusteuern auf ein Finale, dessen Ausgang bereits früh zu erahnen ist. Das zentrale Problem ist, dass der Stoff einfach nicht für einen Spielfilm reicht. Der Plot hätte den einen oder anderen Twist benötigt. Oder vielleicht besser als Mini-Serie funktioniert. Auch die in der zweiten Hälfte platzierten dramaturgischen Haken sind zu absehbar, um den Film vor der Langeweile zu retten.
Fazit
„Wolfs“ ist insgesamt zwar kein schlechter Film, aber es ist zu offensichtlich, dass er in erster Linie als Vehikel für seine beiden alternden Stars dienen soll, um sie in eine neue Ära ihres Schaffens überzuführen. So bleibt am Ende bei allem Unterhaltungswert der fade Beigeschmack der Belanglosigkeit: „Wolfs“ ist ein auf anderthalb Stunden aufgeblasenes Oscar-Präsentations-Bit, ganz nett, zum Schmunzeln. Aber nicht mehr.
Bewertung
(52/100)
Auf AppleTV+ zu streamen.
Bild: (c) AppleTV+
