Bereits jetzt alle Folgen in der ARD-Mediathek & ARTE-Mediathek streambar, am 16.10. und 17.10. in der ARD im linearen TV.
Die ARD versucht in Koproduktion mit ARTE, ein jüngeres Publikum zu erreichen: Für die Mini-Serie „Informant – Angst über der Stadt“, ein Terror/Spionage-Thriller, wurde daher ein hybrides Veröffentlichungsformat gewählt. In den jeweiligen Mediatheken sind die 6 Folgen bereits verfügbar, für das „klassische ARD-Publikum“ folgt die Ausstrahlung kommende Woche im linearen Fernsehen.
von Christian Klosz
„Informant“ ist aber nicht nur in seinem Veröffentlichungsformat vielfältig, sondern auch inhaltlich und in Bezug auf die Figuren, denn für jede Zielgruppe ist etwas dabei: Jürgen Vogel gibt den „alten, weißen Mann“ Gabriel Bach, einen ehemaligen Undercover-Cop mit Aggressionsproblemen, dubioser Vergangenheit und nunmehrigen LKA-Ermittler in Hamburg. Ihm zur Seite gestellt wird die junge BKA-Kollegin Holly Valentin (Elisa Schlott), geradlinig, besserwisserisch, lesbisch. Bachs Vorgesetzte wiederum ist eine „Mutti“-Figur, die sich fast liebevoll um ihren Schützling kümmert. Zweiter Haupt-Schauplatz neben den Innenräumen der Hamburger Behörden und den nicht immer koscheren Vorgängen dort ist die jungendliche migrantische Community Hamburgs – ein weiterer Wink an das junge Publikum.
Doch worum geht es in „Informant – Angst über der Stadt“ eigentlich? Die Behörden haben Informationen über einen geplanten islamistischen Anschlag auf die Elbphilharmonie bekommen, ein bekannter Terrorist soll sich in der Stadt aufhalten. Die Ermittler von LKA und BKA versuchen alles, den Anschlag zu verhindern. Als Bachs Spitzel plötzlich tot ist, brauchen er und Holly einen neuen Informanten, den sie in die Szene einschleusen können. Fündig werden sie in Reza Shaheen (Ivar Wafaei), einem Deutsch-Afghanen Anfang 20. In Rückblenden erzählt die Serie, wie es zu den folgenschweren Entwicklungen an dem Anschlags-Abend kam.
Der eigentliche Star der Serie ist dann auch die komplexe Figur Reza, der „zwischen den Welten“ schwimmt: Flüchtling, Afghane, Deutscher, mit seiner Freundin hat er Pläne für die Zukunft, doch er gerät immer tiefer in den Strudel seiner Spitzel-Arbeit, stürzt seine Familie ins Chaos…Über die Figur bekommt das Publikum auch Einblicke in den Alltag einer afghanischen Familie in Deutschland, auch wenn der nach Rezas Commitment für LKA und BKA nicht mehr recht alltäglich ist. Ein weiterer, auch interessanter Nebenhandlungsstrang behandelt das ebenso chaotische Leben von Gabriel Bach, dessen früherer Job als verdeckter Ermittler immer wieder seine Gegenwart und sein Privatleben durcheinanderwirbelt.
„Informant – Angst über der Stadt“ greift relevante, aktuelle und heiß diskutierte Themen auf, ohne sie einseitig oder klischeehaft abzuhandeln. Die Serie handelt von Terror und Migration, Islam und Gewalt, Drogenhandeln und Behörden(versagen) – und ganz allgemein um eine „Angst“, die die Gesellschaft ergriffen hat. Etwas problematisch ist dann die Auflösung des ganzen Dramas, da man ihr mitunter eine indirekte Relativierung der Terror-Gefahr vorwerfen kann.
Fazit
Trotz dieser Schwächen rangiert diese neue ARD-Serie auf dem selben Level wie gute Streaming-Produkte von Netflix und Co., ist spannend gestaltet und kann durch das dramaturgische Konzept die Spannung hoch halten. Sehenswert.
Bewertung
(71/100)
Bild: © NDR
