Charlie Sheen war über 3 Jahrzehnte als public figure omnipräsent, in den letzten Jahren ist es ruhiger geworden um den Schauspieler aus „Wall Street“ und „Two and a Half Men“, keine neuen Skandale, aber auch keine neuen Rollen von Bedeutung. Nun taucht Hollywoods Enfant terrible in der 2-teiligen Netflix-Doku „aka Charlie Sheen“ wieder auf, um sein Leben, seine Karriere und vor allem seine Eskapaden und Skandale in eigenen Worten Revue passieren zu lassen. Das ist nicht nur (erwartungsgemäß) unterhaltsam, sondern auch (überraschend) aufschlussreich und zudem recht gut gemacht. Seit 10.9.2025 auf Netflix.
Kritik von Christian Klosz
Die Karriere und das Leben des Charlie Sheen (60) als Achterbahnfahrt zu beschreiben wäre eine Untertreibung: Auf Erfolge – und deren gab es durchaus nicht wenige – folgte stets der Absturz in einen Sumpf aus endlosen Partys, Alkohol, Drogen, Frauen, um dann doch wieder wie Phoenix aus der Asche der selbst verbrannten Erde zu erscheinen. Jon Cryer, Sheens langjähriger Co-Star in „Two and a Half Men“ charakterisiert das Leben seines Kollegen im Interview ähnlich, und das durchaus kritisch.
Andere Stimmen, die in „aka Charlie Sheen“ zu Wort kommen, machen das weitaus wohlwollender: Sheens Jugendfreund Sean Penn ist dabei, sein Bruder Ramon Estevez, 2 seiner Ex-Frauen, einer seiner Söhne und sein bester Freund Tony Todd. Alle zeichnen das Bild eines klassischen amerikanischen „Antihelden“, dessen Selbstzerstörungstrieb ihn beinahe sein Leben gekostet hätte, und seinen Mitmenschen jede Menge Nerven und Schmerz.
Trotzdem: Keiner von ihnen will über Sheen als „schlechter Mensch“ reden, die meisten von ihnen spielen immer noch eine große Rolle in seinem Leben, das er, der nun seit 8 Jahren „clean“ ist, offenbar endlich in den Griff bekommen hat.

Am spannendsten sind in „aka Charlie Sheen“ aber natürlich die Gespräche mit den Protagonisten selbst, der in einem American Diner vor der Kamera Platz nimmt. Und in 2 rund 90-minütigen Filmen seine Lebensgeschichte erzählt. Sheen, eben ein geborener Entertainer, macht das sehr unterhaltsam, selbstironisch, aber zeitweise auch durchaus selbstkritisch. „aka Charlie Sheen“ ist definitiv keine einseitige Selbstbeweihräucherung, dafür sorgt auch die Präsenz von Serienmacher Chuck Lorre, der Sheen aus „Two and a Half Men“ feuerte, und seiner Ex Denise Richards,
„aka Charlie Sheen“ geht auch stilistisch über typische Netflix-Dokus hinaus: Immer wieder verweisen Schnittmontagen auf „Wiederholungen“ und Konstanten in Sheens Leben und in seinen Filme und Serien.. Der zentrale Referenzpunkt ist dabei sein Vater Martin Sheen („Apocalpye Now“ – Kritik).
Seine Abwesenheit in der Doku ist zugleich eine der größten Fehlstellen: Charlie Sheen selbst sagt, er hätte sich natürlich gewünscht, dass sein Vater auch dabei gewesen wäre, er würde aber verstehen, warum das nicht der Fall ist. Auch ohne persönlichen Auftritt wird klar, dass Martin Sheen eine der großen Konstanten im Leben seines Sohnes war und ist. Er war immer für ihn da, unterstützte ihn, als andere ihn bereits aufgegeben hatten. „aka Charlie Sheen“ ist so auch eine berührende Geschichte einer turbulenten Vater-Sohn-Beziehung, die alle Widrigkeiten überstand.

Zu guter Letzt ist „aka Charlie Sheen“ natürlich auch Eskapismus, ein Eintauchen in eine andere Zeit, die goldenen 90er, die relativ unbeschwerten 00er-Jahre, als Drogen-Abstürze von Stars noch Schlagzeilen machten, Gesprächsstoff lieferten, die „Trends“ der News-Berichterstattung und Social Media-Welt waren; an sich düstere Geschichten, die angesichts unserer aktuellen Weltlage anno 2025 aber fast wie unbedeutende Randnotizen erscheinen, wie zuletzt auch Charlie Sheen selbst anmerkt.
Fazit
Eine unterhaltsame Geschichte der Dekadenz: So lässt sich „aka Charlie Sheen“ am besten charakterisieren. Für Fans der Hollywood-Ikone sowieso ein Muss, ist die 2-teilige Doku auch für alle anderen empfehlenswert, die mehr über den Protagonisten erfahren möchten. Oder schlicht einen filmischen Trip in eine andere Zeit unternehmen wollen.
Bewertung
(84/100)
„aka Charlie Sheen“, 2-teilige Dokumentation, beide Folgen je 90 min., seit 10.9.2025 auf Netflix
„aka Charlie Sheen“ (2025) – Trailer
Bilder: (c) Netflix
