Seit dem 12.11.2025 läuft auf Netflix mit „Being Eddie“ eine neue Dokumentation über eines der größten Ausnahmetalente der 1980er-Jahre: Eddie Murphy. Wie zuvor die Netflix-Produktionen über Arnold Schwarzenegger („Arnold“) und Sylvester Stallone („Sly“) widmet sich auch dieser Film einem Megastar jener Zeit. Besonders hervorgehoben sind die frühen Jahre bei Saturday Night Live und der kometenhafte Aufstieg als Stand-up-Künstler. In 103 Minuten entsteht ein Porträt des beliebten Schauspielers und Entertainers, das auch private Einblicke bietet. Doch die Frage bleibt: Geht diese Doku wirklich über reine Bewunderung hinaus, oder bleibt sie nur an der Oberfläche?
Kritik von Christian Oehmigen
Schon zu Beginn von „Being Eddie“ wird klar: Das ist ein Film über Eddie Murphy, erzählt von ihm selbst. In seiner opulenten Villa sitzt er vor der Kamera und plaudert über sein Leben. Ein großer Teil dreht sich um seine Anfangsjahre, auch darum, wie er mit gerade einmal 20 Jahren als junger Comedian ins SNL-Ensemble aufgenommen wurde. Angetrieben von enormem Ehrgeiz wusste er früh, dass er berühmt werden würde. Sein Idol, Richard Pryor, war für ihn und viele schwarze Künstler jener Zeit die wichtigste Orientierung.
Eddie Murphy erzählt seine Karriere in eigenen Worten
Hier erreicht „Being Eddie“ ihre stärksten Momente: Wenn der Porträtierte über die Rivalität mit Pryor spricht, insbesondere nach dem durchschlagenden Erfolg seines Bühnenprogramms „Delirious“ (1983). Dabei wird deutlich, dass dieser „Konflikt“ vor allem von den Medien künstlich größer gemacht wurde, als er tatsächlich war.
Pryor war zwar etwas angefressen über den großen Erfolg Murphys, aber vieles entstand eher durch äußere Zuschreibungen, als wäre es damals schlichtweg unvorstellbar gewesen, dass zwei erfolgreiche schwarze Stand-up-Comedians gleichzeitig existieren können. Was heute selbstverständlich wirkt, war vor 40 Jahren eine Ausnahme. Diese Auseinandersetzung mit den schwierigen Gegebenheiten für schwarze Kultur in einem vordergründig weiß dominierten Entertainmentsektor stimmt nachdenklich.
Im Weiteren zeigt der Film, wie Murphy in den 80ern mit Produktionen wie „Beverly Hills Cop“ (1984) und „Trading Places“ (1983, Kritik) Millionen Kinobesucher begeisterte. Der Vergleich zu Schwarzenegger und Stallone liegt da nicht fern.
„Being Eddie“ bleibt an der Oberfläche
Was der Dokumentation aber fehlt, ist echte Tiefe. Murphys dauerhafte Präsenz lässt eine kritischere Perspektive vermissen. Private Einblicke, etwa zu seinem Vater oder Bruder, bleiben selten und werden kaum vertieft. Die Doku kehrt schnell an die Oberfläche zurück und verschenkt dadurch Potenzial.
Den Großteil der Zeit zeigt sich Murphy als der Entertainer, der er ist, und das verleiht „Being Eddie“ durchaus ihren Charme. Beispielsweise erzählt er die Anekdote, dass ein Ku-Klux-Klan-Mitglied zugegeben habe, nur Eddie Murphy (als einzigen Schwarzen) zu mögen, weil dieser ihn zum Lachen bringe.
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Die Auseinandersetzung mit Murphys Karriere bleibt jedoch lückenhaft. Skandale und Misserfolge werden kaum thematisiert; „Norbit“ (2007) wird lediglich erwähnt, weil er angeblich Murphys Oscar-Chancen bei „Dreamgirls“ (2006) schmälerte.
Abgerundet wird die Doku durch typische Talking Heads, die in keiner Netflix-Produktion fehlen dürfen – darunter die Comedy-Größen Jerry Seinfeld, Chris Rock und Dave Chappelle. Sie ordnen Eddie Murphys Wirken popkulturell ein, liefern jedoch kaum überraschende Einsichten.
Fazit
„Being Eddie“ ist eine kurzweilige und insgesamt sehenswerte Dokumentation über das Ausnahmetalent Eddie Murphy, die die frühen Jahre überzeugend einfängt, aber in Bezug auf die kommerziell schwächeren Nullerjahre und das Privatleben zu oberflächlich bleibt. Gerade in der späteren Karriere hätte der Film mehr Mut zur kritischen Auseinandersetzung und mehr Tiefe gebraucht. Dennoch lohnt sich das Anschauen – nicht zuletzt wegen Murphys positiver Ausstrahlung und seines ansteckenden Lachens. Pflichtprogramm für Fans von Eddie Murphy und 80er-Jahre-Nostalgiker.
Bewertung
(72/100)
Bilder: (c) Eddie Murphy / Netflix
