Nicolas Cage hat das Genre-Kino noch lange nicht hinter sich gelassen und schenkt uns zusammen mit Regisseur Lorcan Finnegan und Drehbuchautor Thomas Martin den nächsten Indie-Streifen seiner langen Filmographie: „The Surfer“ widmet sich ähnlichen Themen wie Finnegans früheres Projekt „Vivarium“ – Ein bunter Fiebertraum über Maskulinität, Materialismus und Hartnäckigkeit. Jetzt auf Netflix.

von Natascha Jurácsik

Ein Vater (Nicolas Cage), der lediglich mit seinem Sohn (Finn Little) an einem idyllischen Strand in Australien ein paar Wellen reiten will, wird von einer einheimischen Männer-Sekte schikaniert, bis er langsam den Verstand zu verlieren droht. Dabei will er doch nur am Ort seiner Kindheit ein Haus für seine Familie kaufen – doch in dieser merkwürdigen Gemeinde ist nichts wie es scheint und der Surfer muss sich seinen Platz auf dem Board erst durch Blut und Schweiß verdienen.

Im satten 70er-Jahre-Stil vertieft sich das Publikum in die malerische Szenerie der australischen Küste und gleich verstehen, warum Cages Figur unbedingt an diesen Ort zurückkehren will. Neonlichter, atmosphärische Momentaufnahmen und geschicktes Editing holen alles aus dem Kammerspiel-artigen Setting raus – die Stimmung jeder Szene wird von diesen optischen Elementen gesteuert, wodurch die Ästhetik genauso ein narratives Mittel wird wie Dialog und Handlung.

Die Geschichte selbst entfaltet sich in einem ungleichmäßigen Tempo und mutiert von einem exzentrischen Thriller in eine Art biblische Allegorie mit eigener Traumlogik, welche sich dem Zuschauer nie ganz erschließt. Der Film wirkt hierdurch wie die Fantasie-Version des echten Lebens, bei der die realen, greifbaren Motivationen und Wünsche der Charaktere in grotesker Form widergespiegelt werden – als hätte Finnegan den Protagonisten wie Alice im Wunderland durch einen magischen Hasenbau geschickt, ohne dem Publikum etwas zu sagen. Auch die fehlenden Namen deuten auf eine symbolischere Funktion hin: Nic Cage ist nur als The Surfer akkreditiert, genauso wie Finn Little, der seinen Sohn spielt, nur als The Kid in den Credits auftaucht.

Die immer bizarrere Entstellung der Ereignisse kippt auch schnell ins lächerliche um. Bis zu einem gewissen Grad ist dies durchaus Absicht, da der Film ganz offensichtlich mit Elementen wie Musik, Dialog und schauspielerischer Darstellung eine humoristische Ebene anstrebt – allerdings geht das ungewollte Gelächter über diese Schwelle hinaus, da man die Handlung nie ganz ernst nehmen kann.

Das liegt teils auch an den Themen, die Finnegan und Martin ansprechen, ohne sie jedoch wirklich zum Kern des Projektes zu machen. Mit Fragen zu toxischen Männerkreisen, kapitalistischen Ambitionen und dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit erinnert „The Surfer“ hier und da an Filme wie „Fight Club“ und „Point Break“, aber wirklich tief setzt er innerhalb der fast zwei Stunden Spielzeit nicht an. Da sich der Film nie auf bedeutsame Weise mit der angesprochenen Materie auseinandersetzt, fehlt dem exzentrischen Wahnsinn eine gewisse Substanz – das wahre Potential verläuft schlussendlich im Sand.

Fazit

Dunkle Komödie oder moderne Allegorie? „The Surfer“ weiß nicht so ganz, was er eigentlich sein möchte und verfängt sich im Gewirr der eigenen Traumlogik. Finnegan kann offensichtlich das Groteske als unterhaltsamen Streifen inszenieren, doch am eigentlichen, thematischen Inhalt hapert es leider etwas. So fällt der Film in die Kategorie von Projekten, die zwar eine Sichtung wert sich, ihr volles Potential jedoch nicht erreichen.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(58/100)

„The Surfer“ ist seit 12.10.2025 auf Netflix zu streamen. Der Film wurde von uns im Rahmen des Slash 1/2 Festival gesehen (von 8. bis 10.5 in Wien).

„The Surfer“ – Trailer

Bild: (c) Slash Filmfestival