Ein neuer Mystery-Thriller startete am 10.10. auf Netflix: „The Woman in Cabin 10“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ruth Ware aus dem Jahr 2016. Mit Keira Knightley und Guy Pearce immerhin prominent besetzt, verspricht der Trailer Hochspannung auf hoher See. Die Frage ist: Löst er das Versprechen auch ein?
Kritik von Christian Oehmigen
Die renommierte Journalistin Laura “Lo” Blacklock (Knightley) soll nach einem traumatischen Erlebnis einen Reisebericht auf der Yacht Aurora verfassen. Die Yacht gehört dem erfolgreichen Geschäftsmann Richard Bullmer (Pearce), der Lo und andere reiche und prominente Personen einlädt, um Aufmerksamkeit für die Stiftung seiner kranken Frau Ann Bullmer (Lisa Loven Kongsli) zu generieren. Diese ist ebenfalls an Bord, aber durch ihre Krebskrankheit stark geschwächt.
Women in Cabin 10 ist spurlos verschwunden
In der Nacht hört Lo einen Streit und kurze Zeit später, wie jemand über Bord geht. Sie alarmiert die Crew und gibt an, dass es sich um die Person in Kabine 10 handeln muss, die sie am frühen Abend dort gesehen hat. Ihr wird jedoch mitgeteilt, dass Kabine 10 leer steht, die Buchung sei zwei Tage vor Abfahrt storniert worden. Hat sich Lo alles nur eingebildet, oder gibt es ein düsteres Geheimnis auf der Aurora?

Regie bei „The Woman in Cabin 10“ führte Simon Stone, der mit „The Dig“ (2021) schon eine Netflix-Produktion umgesetzt hat. Er hat ein gutes Auge und nutzt die Enge der Yacht wirkungsvoll aus. Oft hält er die Kamera dicht auf die Figuren, was eine gewisse Klaustrophobie auslöst. Dazu kommen immer wieder stimmungsvolle Aufnahmen der norwegischen Fjorde, kontrastiert durch ein entsättigtes Colorgrading, das perfekt zur düster-kühlen Atmosphäre passt.
„The Woman in Cabin 10“ scheitert an seiner Vorlage
Leider kann auch Stone die Schwächen der Vorlage nicht kaschieren. Die Geschichte ist von Anfang an vorhersehbar und bedient altbekannte Muster: Eine Person verschwindet, und jeder leugnet ihre Existenz. Da fällt einem sofort der Klassiker „The Lady Vanishes“ (1938) von Großmeister Alfred Hitchcock ein. „The Woman in Cabin 10“ reiht sich zwar in die lange Tradition solcher Geschichten ein, erreicht aber nie deren Raffinesse.
Spannung entsteht kaum, auch weil der Film sein Publikum nicht wirklich miträtseln lässt. Was sind die Motive für das Verschwinden? Wer lügt? Gibt es eine Verschwörung? Oder hat Lo sich wirklich alles nur eingebildet – Nachwirkungen ihrer Erlebnisse? „The Woman in Cabin 10“ lässt eine Auseinandersetzung mit diesen Fragen nicht zu, da er mehr an der Auflösung interessiert ist. Es wird alles erklärt, ohne dem Publikum etwas zuzutrauen. Die Auflösung wirkt zwar modern und greift ein aktuelles Thema auf, fällt aber in sich zusammen, wenn man nur kurz darüber nachdenkt. Das Finale ist schließlich so überzogen, dass es dem Film auch die letzte Glaubwürdigkeit nimmt.

Nicht mehr als Content-Ware
Immerhin: Keira Knightley liefert hier eine solide Leistung ab. Sie holt das Optimum aus dem verworrenen Drehbuch und schafft es, emotional glaubwürdig zu bleiben. Auch Guy Pearce sticht heraus: Obwohl seine Rolle sehr eindimensional geschrieben ist, füllt er sie mit Präsenz und Nuancen aus.
Alle weiteren Yachtbesucher bleiben farblos und stereotypisch: Ob das versnobte Ehepaar (Hannah Waddingham und David Morrissey), die Influencerin (Kaya Scodelario) oder der verzogene Millionärssohn (Adam Sutherland) – keine dieser Figuren bleibt im Gedächtnis.
Was bleibt, ist Durchschnitts-Contentware aus dem Netflix-Haus, wobei man schon jetzt von einem Erfolg sprechen kann: „The Woman in Cabin 10“ führt weltweit die Netflix-Charts an (Stand 13.10.2025).
Fazit
„The Woman in Cabin 10“ ist kein aufregender Mysterythriller, wie es der Trailer suggeriert, dafür aber solide gespielt und hübsch anzuschauen. Die Story ist klischeehaft, der Twist vorhersehbar und das Ende absurd. Aber mit 90 Minuten Lauflänge kann man den Film durchaus nebenbei laufen lassen, ohne viel zu verpassen.
Bewertung
(42/100)
„The Woman in Cabin 10“: Seit 10. Oktober 2025 auf Netflix.
„The Woman in Cabin 10“ – Trailer
Bilder: (c) Netflix

Da kann man dann wohl auch bei „Flightplan“ bleiben. 😆