Vor kurzem ist Film-Ikone Udo Kier verstorben. Aus diesem Anlass stellen wir euch das Drama „Swan Song“ (2021) vor: Es handelt es sich um die letzte Hauptrolle von Kier. Auch wenn es nicht sein insgesamt finaler Film ist, dürfte er somit für viele Filmenthusiasten als letzte große Rolle seines Lebens in Erinnerung geblieben sein. Als Regisseur, Drehbuchautor und Mitproduzent fungierte Todd Stephens. Der Film steht noch bis zum 24.12. in der ARD Mediathek zum Abruf bereit. Darüber hinaus ist er u.a. bei Prime Video und anderen Anbietern als VOD verfügbar und auch auf DVD erhältlich.
Gastbeitrag von Sandro Biener
„Swan Song“: Die Handlung
Pat Pitsenbarger (Udo Kier) gehörte einst zu den besten Friseuren der Kleinstadt Sandusky in Ohio und war der Lieblingsfriseur der Schönen und Reichen. Ebenso war er unter dem Künstlernamen Mister Pat als Drag-Performer in einer örtlichen Schwulenbar überaus gefragt. Mittlerweile lebt er seit einigen Jahren aufgrund eines Schlaganfalls in einer Seniorenwohnanlage, hat aber nicht aufgehört, davon zu träumen, wieder auf der Bühne zu stehen.
Als Pat eines Tages Besuch vom Anwalt Walter Shanrock erhält, informiert dieser ihn, dass die schwerreiche Rita Parker als letzten Willen in ihrem Testament festgelegt hat, dass Pat ihre Haare und das Make-Up für die Beerdigung machen soll. Aufgrund eines früheren Streits lehnt Pat jedoch verbittert ab, doch der Anwalt informiert ihn darüber, dass er für die erbrachte Leistung 25.000 US-Dollar erhalten würde.
Pat denkt fortan vermehrt an seine Vergangenheit und flüchtet mit wenig Habseligkeiten aus der Wohnanlage. So besucht er einige wichtige Lebensstationen und erlebt besondere Begegnungen mit Fremden, aber auch wichtigen Menschen von früher. Doch wird Pat ein letztes Mal zur Schere greifen und den Wunsch seiner einstigen Kundin und Freundin erfüllen?
„Swan Song“: Kritik
Udo Kier kommt in seiner Rolle als Pat Pitsenbarger mit nur wenigen Worten zurecht. Im Gegenzug nutzt er ein sehr emotionsintensives Schauspiel, das sich mit melancholischer Sehnsucht in vielen schmerzlichen Blicken transportiert. Seine Figur spielt er dabei mit authentischer Grazie, die nie dem Klischee zum Opfer fällt, sondern immer auch die raue und deprimierte Erfahrungswelt seines Charakters in den Fokus rückt.
So auch das Gefühl, sich in einer Welt verloren zu fühlen, die einst gänzlich bunter war. „Swan Song“ ist damit nicht nur eine Abschiedsvorstellung seiner Figur, die nochmal zum Paradiesvogel aufblüht, sondern auch einer Stadt, die ihre letzten kulturellen Lichter gegen eine grauere Zukunft auszuknipsen scheint.
Die Figur Pat Pitsenbarger basiert dabei auf einen bis 2012 lebenden Friseur aus Sandusky. Dieser ebnete in seiner Heimatstadt die Akzeptanz von Homosexualität in einer Zeit, in der dies viele als weitgehend verächtlich empfanden.

Todd Stephens lässt seinen Film vor allem auf Pitsenbargers Reise durch Straßen und die Kleinstadt mit seiner unruhigen Kameraführung sehr dokumentarisch wirken. Dies verleiht der Geschichte nochmal einen ganz intimen Touch. Hinzu gesellt sich eine sehr losgelöste Erzählweise, die jedoch nie ermüdend erscheint und immer das aufrichtige Interesse an seiner Hauptfigur aufrechterhält.
Fazit
„Swan Song“ ist ein leises, aber emotional sehr wuchtig erzähltes Drama über die letzte große Identitätsreise eines einst erfolgreichen Mannes. Udo Kier bleibt mit dieser emotional sehr aufrichtig verkörperten Rolle in einer seiner wenigen Hauptrollen somit in glänzend-melancholischer Erinnerung.
Bewertung
(80/100)
Bilder: Plaion Pictures (c)
