Als „South Park“ im Sommer 2025 mit Staffel 27 zurückkehrte, war schnell klar: Macher Stone und Parker haben etwas zum aktuellen politischen Geschehen in den USA zu äußern. Während Donald Trump früher als maskottchenartiger, homosexueller Lehrer parodiert wurde (Name: Mr. Garrison), steht dieser nun in voller Größe im Zentrum der neuen Folgen – direkter, radikaler, kompromissloser. Vor allem aber ungeschminkt: Nicht als Mr. Garrison, sondern als Mr. Trump.

von Jonas Schilberg

„South Park“ greift Trump offen an

Trumps Aussehen ist bewusst provokant: Ein gespaltener Kopf, kantiger Körper, ein Gesicht basierend auf dem echten Trump. Außerdem besteht eine Ähnlichkeit zur früheren Saddam-Hussein-Figur. Laut den Machern sei Politik mittlerweile schlicht so eng mit Popkultur verschmolzen, dass ein Ausweichen davor nicht nur unmöglich, sondern Intervention geradezu geboten ist. So kehrt die seit 1997 bestehende Animationsserie zu dem zurück, was sie charakterisiert: Tabuzonen des politischen Alltags angreifen und ausloten.

Hinzu kommt ein besonderer Hintergrund. Die ersten Folgen entstanden während der Paramount-Übernahme durch David Ellison. Ellison, also der, welcher bereits mit Trump dinierte und den einige als dessen Verbündeter betrachten. Trump übte sichtbar Druck auf das Studio vor der besagten genehmigungspflichtigen Fusion mit Skydance aus. Stone und Parker wollten offenbar ein Zeichen setzen: kreative Unabhängigkeit, keine Verwässerung, Aufbegehren innerhalb der Grenzen des Mediums. Oder zumindest Symbolik.

„South Park“ Staffel 27 ist Ein urkomisches Beziehungsdrama

Das Herz der neuen Staffel 27 von „South Park“ ist allerdings keine klassische Politiksatire, vielmehr ist es, ja: eine Beziehungsgeschichte. Zwischen Trump und Satan. Und das klingt so absurd, wie es letztlich ist. Satan weist etwa Trumps Avancen ab, bis er offenbart, schwanger zu sein, bis dies Diskussionen bei Fox News entfacht – also dem GOP-nahestehenden TV-Sender.

JD Vance (der US-amerikanische Vizepräsident) wird hierbei zum wichtigsten Nebenspieler. Er ist einerseits Trumps Handlanger, zugleich aber auch permanent Demütigungen durch diesen ausgesetzt, etwa wenn Trump ihn wie einen Ball wegtritt. Vance nutzt derweil seine Nähe zur Macht, um Trump zu manipulieren und die Schwangerschaft Satans zu sabotieren. Es beginnt eine Ménage à trois und resultiert in nichts Geringerem, als dass plötzlich Vance mit Trump Geschlechtsverkehr hat.

Der darauffolgende Skandal in Episode 3 referenziert einmal mehr die Gegenwart: Eine Videoaufnahme des Aktes, gespeichert auf Peter Thiels Laptop und verwaltet von Palantir, gelangt an die Öffentlichkeit. Trumps Verteidigung: Alles KI! Erstellt mit Sora! Also jenem Programm, das Trump real tatsächlich gelegentlich nutzt, um gegen politische Gegner zu agitieren. Fox News und Satan akzeptieren seine Erklärung schließlich ohne weitere Prüfung. Die Blindheit so mancher Trumpisten ist eben genauso real wie der Einfluss von Deepfakes. Darin liegt die Tragik, wenn wir beim Sehen dieser Cartoons lachen.

south park jd vance
Auch JD „Just Dance“ Vance bekommt in South Park sein Fett weg

Rekorde und Reaktionen

„South Park“ erlebte seither eine wahrliche Wiederbelebung. Die Einschaltquoten liegen aktuell mehr als doppelt so hoch wie 2023, auf über 6 Millionen Zuschauende kommen mehrere der Episoden. Kaum anders zu erwarten, erklärte das Weiße Haus währenddessen die Show kurzerhand für „irrelevant“ und „ideenlos“. Doch bemerkenswert ist, dass ausgerechnet jener in Schweigen gehüllt ist, der sich sonst zu allem äußert, namentlich Trump persönlich.

Obwohl der normalerweise kaum Gelegenheiten auslässt, gegen Late-Night-Formate auszuteilen (und so schon reale Konsequenzen verursacht hat), bleibt er hier auffällig wortkarg. Vielleicht ist „South Park“ bereits zu erfolgreich. Zu bedenken ist: Trump kommt aus dem Big Business, genauer gesagt der Immobilienbranche, dort sind Zahlen die wichtigste Währung. Und South Park schreibt aktuell schwarze Zahlen. Das macht es schwieriger, die Serie zu kritisieren, obendrein aber würde er „South Park“ noch mehr ins Rampenlicht zerren. Aufmerksamkeitsökonomie, ein Prinzip, das Trump bekanntlich beherrscht.

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Satire als politischer Gegenspieler und Antwort

„South Park“ greift Trump nicht mehr in gelegentlichen Spitzen an, sondern widmet ihm in Staffel 27 zunehmend eine erzählerische Großform voll Ideenreichtum und Überzogenheit. Der Blick ist düsterer geworden, die Mittel radikaler, der Humor bissiger und analytischer. Zu verstehen ist dies zweifellos als Antwort auf aktuelle Entwicklungen im MAGA-Land. Erlangt wird schließlich eine Vehemenz, die nur wenige andere Formate beweisen.

Es ist zwar nicht neu, dass sich die Bereiche der Popkultur und Politik überlappen (so ist Trumps politischer Aufstieg selbst wohl popkulturell beeinflusst). Mit den neuesten Episoden von „South Park“ erreicht dies dennoch neue Qualitäten. Ob Trump, der nicht zwingend für geistige Klarheit und Rationalität bekannt ist, beim Modus Operandi Ausschweigen bleibt, ist damit fraglich.

„Deadline“-Artikel über South Park / Trump

Bilder: (c) Paramount+ bzw. Comedy Central