Die Doku „The Rise of the Red Hot Chili Peppers: Our Brother, Hillel“, seit 20.3.2026 auf Netflix zu sehen, beleuchtet die turbulenten Anfangsjahre der Band aus L.A. und den tragischen Tod ihres ersten Gitarristen Hillel Slovak. Zu Wort kommen Anthony Kiedis, Flea und John Frusciante. Sehenswert, nicht nur für Fans.

Von Christian Klosz

Den Red Hot Chili Peppers ist in ihrer über 40 Jahre andauernden Karriere etwas gelungen, das nur wenige Bands schaff(t)en: Geboren aus dem absoluten Musik-Underground L.A.s der frühen 80er überstanden sie bandinterne und persönliche Tragödien und Krisen, gesellschaftliche und kulturelle Umbrüche, Trends und blieben sich auch nach dem ab den 90ern einsetzenden Mainstream-Erfolg stets treu. Ihre Musik blieb eigenständig, unvergleichlich, originär und das 2022 gestartete Comeback mit Rückkehrer und Gitarren-Gott John Frusciante gehört zu den musikalischen Erfolgsgeschichten der letzten Jahre.

Die Band als Familie

Das Herz und der kreative Motor der Band war stets die Freundschaft der Protagonisten und ihre ehrliche Spielfreude. Dabei wäre der Erfolg der RHCP nicht denkbar ohne eine Person, dessen Schicksal untrennbar mit der Band verbunden ist und umgekehrt, der ihr musikalischer Stilvater ist und dessen Leben viel zu früh endete. „Destruction leads to a very rough road, but it also breeds creation“ singt Anthony Kiedis in „Californication“ und der Satz könnte auch Motto dieser Band sein.

„The Rise of the Red Hot Chili Peppers: Our Brother, Hillel“ ist eine filmische Hommage an den verlorenen Ur-Chili Pepper Hillel Slovak, dessen Gitarrenspiel ihren Sound formen sollte. Die Doku ergründet die frühen Jahre der Band, Sänger Anthony Kiedis und Bassist Flea erzählen in eigenen Worten ausführlich. Auch weitere Weggefährten kommen zu Wort, Slovaks Bruder und gegen Ende auch John Frusciante, der Slovak nach dessen Tod ersetzen sollte und die Band in neue Höhen führte.

Für all jene, die mit der Geschichte nicht vertraut sind: Kiedis und Flea lernten sich Ende der 70er in der Schule kennen, 2 klassische Outsider, beide aus kaputten Familien. Schnell wurden sie beste Freunde und trieben sich in den Straßen L.A.s herum, weil sie nichts Besseres zu tun hatten. Hillel Slovak hingegen war zu der Zeit bereits semi-erfolgreicher Gitarrist in der Band „What is this?“. Per Zufall trafen die drei aufeinander und starteten bald ihr eigenes Bandprojekt, Drummer Jack Irons war da auch dabei. Nach dem ersten Record-Deal, den ersten Alben, während der ersten Touren begannen (harte) Drogen eine immer größere Rolle zu spielen, vor allem bei Kiedis und Slovak, die beide schwer heroinsüchtig wurden. Kiedis kriegte irgendwann die Kurve, Slovak versank immer weiter im Drogensumpf und stark 1988 an einer Überdosis.

anthony kiedis 2026
Anthony Kiedis

Ein filmischer Trip in den Underground L.A.s

„The Rise of the Red Hot Chili Peppers: Our Brother, Hillel“ beleuchtet auf durchaus sehenswerte, informative und teils auch emotionale Weise diese Geburtsjahre der Band, deren andauernder Erfolg bis heute wundersam wirkt, denn sie waren nie Teil eines musikalischen Trends und ließen und lassen sich schwer kategorisieren. Als der Grunge um sich griff, machten sie wilden und experimentellen Punk-Funk-Rock inklusiver ausufernder Solis, als nach „Blood Sugar Sex Magik“ der „Peppers-Stil“ gefunden schien, stieg Neo-Gitarrist Frusciante aus, der seinerseits in ein tiefes Drogenloch fiel, um nach seiner Rückkehr 1998 mit einem melodiöseren Sound, der den Funk-Rock ergänzte, den Stil und musikalischen Horizont der Peppers erweiterte.

All das wäre aber ohne Hillel Slovak nicht möglich gewesen, wie in „Our Brother, Hillel“ immer wieder zur Sprache kommt. Frusciante selbst sagt, dass er seine Aufgabe darin sah, seinen Vorgänger so exakt wie möglich zu imitieren. Dass er wie behauptet wird auf „Blood Sugar Sex Magik“ erstmals seinen „eigenen Stil“ gefunden habe und „zum ersten Mal wie Frusciante klang“ weist er zurück: Vielmehr wäre es so gewesen, dass er dort die Slovak-Imitation zur Perfektion gebracht habe.

„Our Brother, Hillel“ ist ein gelungenes Band-Porträt, das vor allem die Herzen von Red Hot Chili Peppers-Fans höher schlagen lassen dürfte. Der Dokumentarfilm ist aber auch eine sehenswerte filmische Reise in den Underground Los Angeles der frühen 80er.

Bewertung

Bewertung: 9 von 10.

(85/100)

„The Rise of the Red Hot Chili Peppers: Our Brother, Hillel“ – seit 20.3.2026 auf Netflix.

Weitere Infos zum Film.

„Becoming Led Zeppelin“: Erste offizielle Band-Doku

John Frusciante 2026
John Frusciante

Bilder: (c) Netflix