Der aus Russland stemmende Horror-Regisseur Kirill Sokolov versucht nach Erfolgen in der (ost)europäischen Genre-Szene („Why don’t you just die?“) nun auch ein internationales Publikum für sich zu gewinnen: Sein erster von einem US-amerikanischen Major-Studio finanzierter Film „They Will Kill You“ schließt sich zwar an den mittlerweile etwas überstrapazierten „Eat The Rich“-Trend an, punktet allerdings mit einem sehr eigenen Stil und Mut zur Exzentrizität – und Zazie Beetz als Tarantinoesque Heldin. Ab 26.3.2026 im Kino.
Kritik von Natascha Jurácsik
Asia (Zazie Beetz) verliert nach einem Fehler in ihrer Jugend den Kontakt zu ihrer kleinen Schwester Maria (Myha’la) und ihre Freiheit. Nachdem sie aus dem Gefängnis entlassen wird, begibt sie sich auf die Suche nach ihr und erfährt dabei, dass sie eine Stelle im mysteriösen Virgil Hotel annahm und daraufhin spurlos verschwand. Asia schleust sich als neues Zimmermädchen ein, um in diesem ominösen Spielplatz für Reiche nach Antworten zu finden, doch die Residenten stellen ihr mehr Steine in den Weg als zunächst gedacht.
„They Will Kill You“: Unterhaltsam trotz Drehbuchschwächen
Das Drehbuch von „They Will Kill You“ lässt leider einiges zu wünschen übrig, wie bereits beim Opening schnell klar wird. Amateurhafte Exposition-Dumps, unnatürliche Dialoge und eine schwache Charakterisierung der Figuren hinterlassen zunächst einen eher schlechten Eindruck. Sokolov und Co-Autor Alex Litvak hätten mit nur ein bisschen mehr Mühe erhebliche Fehler in ihrem Storytelling vermeiden können, wodurch ihr durchaus unterhaltsamer Film eine wesentlich stärkere Basis hätte, auf der man die restliche Handlung aufbaut.
Hinzu kommt, dass die Geschichte an sich nicht sehr originell ist: Seit den 2010ern sind Horrorfilme mit einer wohlhabenden Elite als Antagonisten beliebt und Sokolov trägt auch keinerlei neue Ansätze bei. Das Setting selbst ist ebenfalls etwas unspektakulär. Zwar sind die Sets gelungen, aber ästhetisch dennoch ein wenig langweilig, obwohl es viel Potenzial für eine beeindruckende und außergewöhnliche Variante des „Spukhotel“-Klischees gab. Hier hätte es garantiert mehr Spielraum gegeben.

Zazie Beetz als Action-Star
Doch trotz all der Mängel ist „They Will Kill You“ etwas ganz Besonderes: Die Effekte, die Großteils praktisch konzipiert wurden, sind sehr überzeugend und sogar das CGI sieht überwiegend gut aus, was im Horror-Genre fast eine Seltenheit ist. Bei der Menge an brutalen Kills und hedonistischem Blutvergießen macht dies in Kombination mit ein paar interessanten, wenn auch etwas übertriebenen Needle-Drops ganz schön was her.
Die zahlreichen Action-Szenen sind fantastisch choreografiert und ausgeführt – vor allem Zazie Beetz glänzt hierbei als Action-Star. Die Kameraführung in diesen Sequenzen ist dynamisch und sorgt für phänomenale Visuals, bei denen man sich an all dem Gemetzel und Kämpfen gar nicht satt sehen kann.
Hier bricht Sokolov ganz bewusst mit bestimmten filmischen Konventionen, um seinen ganz eigenen Stil zu entwickeln, der sein Projekt trotz der unoriginellen Idee zu einem Unikat macht. Dabei verweist er absichtlich auf die Inspirationen hinter seinem ausgefallenen Ansatz, ohne direkt kopieren zu wollen und schafft am Ende etwas ganz Neues. Besonders der dritte Akt hält sich nicht zurück und sorgt für ein unvergessliches Finale.
Fazit
„John Wick“ trifft auf „Kill Bill“: Was „They Will Kill You” an Finesse fehlt, kompensiert Regisseur Kirill Sokolov, indem er viel Energie in überaus unterhaltsame Action-Sequenzen mit fantastischen Special Effects investiert. Trotz offensichtlicher Schwächen profitiert der Film immens von seinem kompromisslosen Stil – und Zazie Beetz als knallhartem Final Girl.
Bewertung
(66/100)
„They Will Kill You“ – ab 26.3.2026 im Kino.
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Bilder: (c) 2025 Warner Bros. Ent.
