Kammerspiel-Komödien sind immer so eine Sache. Erotik-Komödien sowieso. Zu häufig rutschen Vertreter in unernsten Klamauk ab oder sind letztlich doch nur furchtbar bieder. Nicht so Olivia Wilde. Mit ihrem dritten Spielfilm „The Invite“ hat die New Yorkerin, die als Schauspielerin berühmt wurde, eine gelungene Filmadaption der spanischen Komödie „Sentimental“ vorgelegt, die wiederum auf einem Theaterstück basierte. Am 30. Juli 2026 startet das Werk, in dem sie selbst mitspielt, in den Kinos.

Kritik von Jonas Schilberg

„The Invite“: Einladung zum verhängnisvollen Abendessen unter Nachbarn

Die Handlung ist simpel und spielt sich fast ausschließlich in einer einzigen Wohnung ab: nämlich der des Musikprofessors Joe (Seth Rogen) und seiner Frau Angela (Olivia Wilde). Ihre gemeinsame Tochter ist gerade außer Haus. Angela hat kurzerhand die Nachbarn von oben zum Abendessen eingeladen, wovon ihr Ehemann wenig begeistert ist. Zu erschöpft ist dieser vom Tag, oder dem Leben allgemein. Ausstehen kann er das eingeladene Paar Pina, eine Sexual- und Psychotherapeutin (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton), einstiger Feuerwehrmann, ohnehin nicht.

Denn deren nächtliches Treiben im Schlafzimmer ist unüberhörbar, und überhaupt scheinen sie das perfekte Paarleben zu haben – was man von Joe und Angela nicht behaupten kann. Was harmlos beginnt, entwickelt sich im Laufe des Abends zu einer wendungsreichen Eskalation, die mit einem Partnertausch noch nicht endet.

Gegensätze prallen aufeinander

Dabei geht es in „The Invite“ im Prinzip darum, dass das Skriptgesteuerte mit dem Erratischen konfrontiert wird. Insbesondere Angela versteht das gemeinsame Abendessen als einen performativen Akt. Alles hat sie bis ins Detail durchgeplant, sich extra eine neue Bluse und einen neuen Teppich gekauft. Ihr Ehemann Joe scheint zwar zunächst weniger zwanghaft zu handeln, doch spielt auch er im Grunde nur eine Rolle; die des schlechtgelaunten Miesepeters.

Anders sind da Pina und Hawk. Angefangen damit, dass Pina aufgrund von Unverträglichkeiten fast das gesamte aufgetischte Essen gar nicht essen kann und endend mit der urplötzlichen Einladung, an einer ihrer Sexpartys teilzunehmen.

Dabei sprechen Pina und Hawk nicht zufällig immer wieder auf Spanisch. Sie sprechen auch symbolisch eine andere Sprache, quasi die Sprache des Erratischen, des Anderen. So stellen sie ihre Zuneigung offen(er) zur Schau, erscheinen ungezwungen(er) und dadurch schwer durchschaubar.

Besagte Konfrontation dieser so gegenteiligen Paare sorgt dabei für zahlreiche komische Momente. „The Invite“ schlägt nicht nur immer wieder unerwartete Abbiegungen ein, er rast auch von einer Pointe zur nächsten. Gefilmt in anmutigem 35mm-Analogfilm, unterlegt durch dumpfe, durchzuckende Cello-Töne – gewissermaßen die Konfrontation vom Geordneten mit dem Sprunghaften auf der formalen Ebene spiegelnd.

the invite film bild 2026
„The Invite“

Ein brillantes Drehbuch

Wenn das Lachen verhallt und „The Invite“ Richtung Ende steuert, lösen Olivia Wilde bzw. ihre Drehbuchautoren Rashida Jones und Will McCormack die Spannung zu einer berührenden Nachdenklichkeit auf. Die Konfrontation von Joe und Angela mit Pina und Hawk macht sie nämlich nicht nur ihrer eigenen Gefangenheit im Skripthaften bewusst. In diesen letzten 20 Minuten entfaltet der Film seine wahre Größe, die das Popcornkino, das derartige Komödien zumeist anvisieren, überragt.

Die vier Figuren sind dabei ungemein stark und glaubwürdig geschrieben, die herausragende Verkörperung vierer Schauspieltalente erst lässt aber alle Facetten aufblitzen. Insbesondere Seth Rogen brilliert in seiner missmutigen Rolle, die schlussendlich vielschichtiger ist, als es anfangs den Anschein erweckt, und rehabilitiert sich als überaus ernstzunehmender Schauspieler.

Fazit

Im Gegensatz zu ihrem letzten Werk („Don‘t Worry Darling“) ist dieser Film Olivia Wildes wieder privatistischer, aber überzeugt er auf der filmischen Ebene vollends und tappt nicht in Fallen anderer Genrevertreter. Insbesondere ein pointenreiches, witziges Drehbuch voller Wendungen und das bemerkenswerte Schauspiel tragen den Film. Und zum Ende hin geht er unerwartet nah zu Herzen.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(82/100)

„The Invite“: Ab 30.7.2026 im Kino.

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Bilder: (c) Tobis Film