Auf dem Papier klang „The Alto Knights“ wie einer der Filme des Jahres 2025: Im Biopic von Regie-Größe Barry Levinson spielt Robert de Niro gleich 2 Mafia-Bosse, die einander an den Kragen wollen. Ein großer Kino-Start blieb dem Film im Vorjahr verwehrt, seit 5.10.2026 kann man das sehenswerte Drama nun auf Netflix genießen.
Kritik von Christian Klosz
Dass Robert de Niro einer der größten Schauspieler aller Zeiten ist, muss nich extra erwähnt werden: Gerade Mafia-Figuren kann kaum einer besser und überzeugender spielen als er, wie er in Martin Scorseses Trilogie „Hexenkessel“, „GoodFellas“ und „Casino“ bewies. Doch auch in Francis Ford Coppolas „Der Pate II“ war er zu sehen, die Rolle brachte ihm einen Oscar als Bester Nebendarsteller ein.
Trump-Feind De Niro De Niro ist aber auch ein wacher, kritischer Zeitgenosse, wie er 2025 bei der Entgegennahme des Goldenen Palme für sein Lebenswerk in Cannes bewies: Während manche seiner Schauspielkollegen seit Donald Trumps Machtübernahme erstaunlich ruhig geblieben sind, wurde er deutlich: Er nannte Trump einen „philisterhaften Präsidenten“, einen Feind der Kunst und Freiheit, gegen den es deutlich aufzutreten gilt. Trotz alledem war „The Alto Knights“, in dem De Niro gleich zweimal zu sehen ist, in den USA ein Kino-Flop: Gerade einmal 10 Millionen spielte das Mafia-Drama bei Produktionskosten von etwa 40 Millionen Dollar ein.
„The Alto Knights“: Die Geschichte einer echten Gangster-Rivalität
„The Alto Knights“ handelt – nach wahrem Vorbild – von der Rivalität zwischen den beiden New Yorker Mafiosi Frank Costello (Robert de Niro) und Vito Genovese (Robert de Niro). Seit früher Kindheit befreundet, drängt Vito nach seiner Rückkehr aus Sizilien Mitte der 1950er darauf, den Laden zu übernehmen, den Frank als Oberhaupt führt.
Mafia-Bosse unter sich und gegeneinder Als Frank ein von Vito in Auftrag gegebenes Attentat nur knapp überlebt, entscheidet er sich dazu, sich zurückzuziehen: Er will Vito die Geschäfte überlassen und fortan ein ruhigeres Leben mit seiner Gattin Bobbie (Debra Messing) führen. Doch die Übergabe, für die ein großen Treffen aller Mafia-Bosse der USA organisiert wird, läuft nicht reibungslos ab, zumal die Polizei einen Tipp bekommt…
„The Alto Knights“ präsentiert also durchaus Bekanntes, doch das ist nicht schlecht, im Gegenteil: Dafür sorgt auch das Drehbuch von Nicholas Pileggi, auf dessen Vorlage „Wise Guys“ bereits Scorseses Mafia-Filme basierten und der mit ihm gemeinsam die Drehbücher verfasst hatte. Die typischen Pileggi-Dialoge bekommt man auch hier zu hören, der Autor ist ein unerreicht penibler Beobachter und Rekonstrukteur der einzigartigen Mafia-Milieu-Sprache.
Geschliffene Dialoge, alte Bekannte
Auch Barry Levinsons Regie ist stilvoll und zeugt von hoher Handwerkskunst, die inzwischen 84-jährige Hollywood-Ikone muss aber auch wirklich niemandem mehr etwas beweisen. Seine Inszenierung – die Vergleich drängt sich auf – ist etwas zurückgenommener als Scorseses virtuos-temporeicher Regiestil, entfaltet aber trotzdem seine Wirkung. Und auch an der Kamera nahm ein alter Bekannter Platz: Dante Spinotti war als Michael Mann-Kollaborateur für die Bilder von „Heat“ und „Insider“ verantwortlich, hat aber auch bei „L.A. Confidential“ als Kameramann mitgewirkt.
Schließlich zu Robert de Niro, der „The Alto Knights“ mit seinen 2 Performances trägt: Der legt hier eine gleich zweifache Meisterleistung in großer Schauspielkunst hin. Es ist faszinierend, wie durch kleine Veränderungen im Verhalten, der Sprechweise, unterstützt durch eine überragende Maske die 2 Protagonisten doch wie 2 völlig unterschiedliche Persönlichkeiten erscheinen. Obwohl sie vom selben Darsteller gespielt werden.
Frank Costello ist der „kultiviertere“ der beiden, er pflegt Kontakte zur Politik, sein Habitus ist zurückgenommen, er spricht überlegter, ist vorsichtiger. Sein Charakter erinnert an den in Scorseses „Casino“ ebenfalls von De Niro gespielten Sam Rothstein. Vito Genovese hingegen ist rüde, ungehobelt, laut – und erinnert, auch in seinem Duktus, an den in „GoodFellas“ von Joe Pesci so großartig gespielten Tommy DeVito. Googelt man die realen Vorbilder, ist man verblüfft, wie nahe die Filmfiguren an diesen dran sind.
Fazit
„The Alto Knights“ hat viele Referenzpunkte aufzuweisen, großes Talent vor und hinter der Kamera und ist ein Beispiel für anspruchsvolles Filmhandwerk abseits plumper Effekte. Das Drama braucht Zeit, sich zu entfalten und nimmt sich diese Zeit auch, die Spannung entsteht aus den Dialogen. Daraus kann man schlussendlich eine Erklärung ableiten, warum es dieser absolut sehenswerte Film in der aktuellen Kino- und Filmlandschaft schwer zu haben schien: Er ist schlicht zu gut gemacht.
Bewertung
(80/100)
Bild: (c) 2025 Warner Bros. Entertainment Inc.
