K-Horror Fans können aufatmen, das Warten hat ein Ende: Zehn Jahre nach „The Wailing“ kommt nun Na Hong-jins neuer Film „Hope“ auch bei uns in die Kinos. Das vorherige Projekt war sowohl kritisch als auch finanziell ein Erfolg und hat schnell den Status als Kult-Klassiker erreicht. Kann der Regisseur und Drehbuchautor da die hohen Erwartungen wirklich erfüllen?

Kritik von Natascha Jurácsik

In der kleinen Küstenstadt Hope entdecken eine Gruppe von Jägern, ein Polizist und ein merkwürdiger Einsiedler alle das gleiche mysteriöse Phänomen: Eine Gruppe von Monstern verwüstet ihr Zuhause scheinbar wahllos und versetzt alles in Schutt und Asche. Beom Seok (Hwang Jung-min) und seine Truppe setzen Alles daran, die Zerstörung aufzuhalten und stolpern dabei über den wahren Grund für den Zorn dieser Wesen.

„Hope“: Der neue Film von Na Hong-jin ist kein neuer „The Wailing“

Anders als „The Wailing“ wird „Hope“ nicht von einer bedrohlichen, düsteren Atmosphäre getragen, sondern von der Ästhetik purer Zerstörungswut. Der erste Akt des Films ist hierbei besonders effektiv darin, das Publikum immersiv in das Setting einer angegriffenen Kleinstadt zu ziehen und gleichzeitig mithilfe des Rätsels um die Monster Spannung aufzubauen.

Doch tonal fällt schnell auf, dass Na Hong-jin eine ganz andere Richtung als bei „The Wailing“ einschlägt: Die Figuren werden teils so lächerlich und unbeholfen dargestellt, dass es schwer fällt, wirklich Empathie für sie zu empfinden und auch generell scheint das oberste narrative Mittel der flache Humor zu sein, der sich konsequent durch jeden einzelnen Moment zieht. Das ergibt einerseits einen interessanten Kontrast zum apokalyptischen Set-Design, lässt andererseits aber keine ernsteren Emotionen zu, da jeder Augenblick mit einem lächerlichen Witz untermalt ist.

CGI aus den 00er-Jahren: Mut oder Größenwahn?

Doch was optisch bei der Inszenierung von „Hope“ so gelungen ist, fällt bei den Effekten völlig auseinander, denn die Monster sind allesamt mit CGI auf die Leinwand gezaubert, das von der Qualität her eher in einen Film aus den 2000ern passt. Das reißt einen als Zuschauer so dermaßen aus der Handlung, dass es schwer fällt, etwas anderes als Verwirrung und Fassungslosigkeit zu empfinden.

Sobald das erste Monster vor die Linse gezerrt wird, hält der Regisseur trotz schlechter Effekte die Kamera voll drauf und überlässt nichts der eigenen Vorstellungskraft. Zusätzlich sind auch die Designs der Kreaturen selbst ziemlich uninteressant, wodurch man bei jeder Szene mit ihnen einfach nur wegschauen möchte. Unklar ist jedenfalls, was Na Hong-jin dazu verleitet hat, eine der schlechtesten Beispiele von CGI der letzten zehn Jahre so selbstbewusst zu präsentieren – Mut oder Größenwahn.

hope film 2026 s

Politik als Monster-Parabel

Das Drehbuch von „Hope“ schafft hierbei leider keine Abhilfe: Anders als bei dem stimmungsvollen, mitreißenden Vorfilm „The Wailing“ ist der Handlungsaufbau bei diesem neuen Projekt eher monoton und wird Großteils von Wiederholungen dominiert. So dauert manch eine Sequenz glatt doppelt so lang wie es eigentlich nötig wäre, was auch die Spielzeit von fast drei Stunden erklärt. Die Action-Szenen sind zwar gelungen gemacht, doch auch spannende Momente verlieren ihren Effekt, wenn man sie sich dreimal hintereinander ansieht.

Aber das konfuseste Element in „Hope“ ist gleichzeitig auch das interessanteste, nämlich der thematische Kern. Auf nicht gerade subtile Weise wird hier der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea angesprochen und als eine Art Monster-Parabel dargestellt. Dabei nimmt das Narrativ zwar die Perspektive südkoreanischer Charaktere ein, kritisiert aber entschieden auch die eigene Seite.

Nur leider werden hier Punkte wie Militarisierung, Diskriminierung und ein schwaches Justizsystem weder ernst noch clever satirisch an den Pranger gestellt, sondern mittels plumpen Toilettenhumors bearbeitet, was letztendlich keinerlei ernsthafte Kritik zulässt. Schade, denn als allegorischer Blick auf die Möglichkeit einer eventuellen Wiedervereinigung hat die Geschichte durchaus Potential. Aber so ist das Resultat ein unüberschaubares, repetitives, visuell fehlgeleitetes Chaos.

Fazit

Monsterinvasion als sozio-politische Fabel: „Hope“ hätte ein höchst faszinierender Versuch sein können, gesellschaftliche Tabu-Themen anzusprechen, doch stattdessen dominieren schlechte Witze und noch schlechtere Special Effekts den gesamten Film. In zehn Jahren muss viel passiert sein, denn Na Hong-jins Stil als Regisseur von „The Wailing“ lässt sich hier kaum wiedererkennen.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(45/100)

„Hope“ wurde beim Slash Filmfestival gesehen, das September/Oktober in Wien stattfand. Ab 8.10.2026 startet der Film regulär im Kino.

Bilder: (c) Plus M Entertainment / Forged Films / NEON