Hollywoods Studios sind seit einer Weile auf der Suche nach neuen Zugängen – und landen dabei in der Vergangenheit. Nachdem der „diverse“, von manchen als „woke“ verunglimpfte Superhelden-Blockbuster seinen Zenit überschritten hat, ist wieder vermehrt klassische, durch das Kino der 80er- und 90er-Jahre inspirierte Action-Kost gefragt, die sich auf die Kerntugenden des Genres besinnt: Flotte Sprüche, Gewalt und harte Männer (oder inzwischen auch Frauen). Beispiele wie „Top Gun: Maverick“, „Twisters“, „The Beekeeper“ oder „Road House“ illustrieren Hollywoods wiedergefundenes Faible für maskuline Haudrauf-Action.

von Christian Klosz

In dieser Nische macht es sich auch „The Union“ von Regisseur Julian Farino bequem, seit kurzem auf Netflix zu streamen. Mark Wahlberg spielt dort Jersey Boy und Bauarbeiter Mike McKenna, einen Mittvierziger, der seinen Heimatort nie verlassen hat, immer noch mit den selben Freunden abhängt wie vor 30 Jahren und weiter bei seiner Mama wohnt. Wirkungsvoll am Beginn platzierte Bruce Springsteen-Songs sollen Mikes blue collar-Herkunft überdeutlich machen, die sein Habitus da ohnehin schon längst verraten hat.

Eines Tages taucht seine High School-Liebe Roxanne (Halle Berry) in einer bar auf und entführt Mike kurzerhand nach London. Wohlwollend, versteht sich, denn dort stellt sie Mike vor ein Angebot, dass der nur schwer ablehnen kann: Er soll ihr dabei helfen, eine schiefgegangene Geheimdienst-Mission zu retten. Sie arbeitet nämlich für eine Organisation namens The Union, die sich aus „Normalos“ rekrutiert und die Drecksarbeit für FBI, CIA usw. erledigt. Da Mike ein völlig Unbekannter ist, wäre er ideal für den Auftrag: Aus dem Arbeiterjungen soll ein Working Class Action Hero werden.

Das ist zwar alles auch für Hollywood sehr weit hergeholt und konstruiert, aber eben auch zweckmäßig, damit „The Union“ das sein kann, was er sehr deutlich sein will: Die Geschichte eines Nobodys, dessen Potential endlich erkannt wird und der zum unwahrscheinlichen Helden avanciert. From zero to hero quasi, wenngleich der Film Mikes Herkunft nie als nichts sieht, eher im Gegenteil. Und obwohl das Drehbuch manch argen Haken schlägt, reißbrettartig und generisch wirkt, teils wenig glaubhaft daherkommt, funktioniert das Endresultat erstaunlich gut. Das liegt zum einen an Mark Wahlberg, der seine Figur gewohnt glaubhaft verkörpert. Halle Berry ist als weiblicher Actionstar nicht unbedingt eine Idealbesetzung (siehe „Catwoman“), das wird aber durch solide agierende Nebendarsteller wie J.K. Simmons oder Mike Colter kompensiert.

Zum anderen sind die Actionszenen, das Herzstück eines solchen Werks, technisch einfach sauber ausgeführt und inszeniert. Dazwischen werden flotte Sprüche platziert, um die Stimmung aufzuheitern.

„The Union“ ist sicher kein Meisterwerk geworden. Trotzdem bietet er knapp 2 Stunden gute Mainstream-Unterhaltung, die für ein möglichst breites Publikum konzipiert ist – und dieses auch gefunden hat: Der Film setzte sich direkt auf Platz 1 der Netflix-Streamingcharts.

Fazit

Am Ende kehrt „The Union“ dann dorthin zurück, wo er angefangen hat: In den Vorort in New Jersey. Und auch Roxanne darf erkennen, dass ihr Drang, die weite Welt zu sehen, doch nicht ganz das Wahre war. So ist der Film auch eine Ode an das beschauliche Kleinstadtleben, die „Community“ und die amerikanische Working Class. Zwar manchmal etwas plakativ, aber trotzdem nicht uncharmant.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(60/100)

Seit 16.8. auf Netflix.