Die Remakes beliebter Kultklassiker lassen nicht nach: Nun ist der Action-Streifen „Road House“ aus den 1980ern, damals mit Patrick Swayze, an der Reihe und bekommt einen neuen Anstrich verpasst. Regisseur Doug Liman holt hierfür Drehbuchautor Anthony Bagarozzi an Bord, der mit „The Nice Guys“ 2016 einen Hit landete. Doch ob die beiden dem Original gerecht werden können, wird sich zeigen.
Dalton (Jake Gyllenhaal) flieht vor seiner Vergangenheit als UFC-Fighter von einer Spelunke in die nächste, bis ihn Frankie (Jessica Williams) überzeugt, als Rausschmeißer in ihrer Kneipe aufzuräumen. So beginnt sein neues Leben in Florida mit neuen Freunden und sogar neuer Liebe. Doch die zwielichtigen Figuren, die jeden Abend versuchen, das Road House aufzumischen, handeln wohl im Auftrag eines sehr viel ruchloseren Mannes als zunächst geahnt und Dalton wird das kleine Paradies, das er gefunden hat, bitter verteidigen müssen.
Zwar wurde die Geschichte von „Road House“ eindeutig einer Modernisierung unterzogen, die man vor allem an den zusätzlichen weiblichen Charakteren spürt, doch Liman und Bagarozzi waren offensichtlich darauf bedacht, mit kleinen Details wie Zitaten oder einzelnen Shots auf das Original zu verweisen – ihre Version soll nicht nur eine Neuinterpretation sein, sondern dem Klassiker Anerkennung zollen. Fans werden zweifellos Spaß daran haben, die versteckten Easter Eggs zu erkennen. Besonders gelungen ist hierbei die Musik, die – wie im Film aus den 1980ern – nicht nur als Hintergrundgeräusch dient, sondern eine eigene Hauptrolle einnimmt.
Das soll jedoch nicht heißen, dass diese neue Fassung von „Road House“ keinerlei Originalität hätte – im Gegenteil. Das ursprüngliche Western-Setting wird an einen kleinen Strand-Ort verlagert, ohne dabei die wichtigsten Elemente zu verlieren. Die neue Umgebung ist interessant umgesetzt und sorgt für eine frische Ästhetik, will allerdings doch nicht so ganz mit der Neo-Western Stimmung des Originals harmonisieren. Hinzu kommt der trockene Humor, der sich leicht als Bagarozzis Werk erkennen lässt; zwar sitzt nicht jeder Lacher ganz wie er sollte, aber im Großen und Ganzen funktioniert der sarkastische Ton recht gut und scheint den pathetischen Heroismus der alten Version mehr oder weniger erfolgreich zu ersetzen – somit wird Limans Film zu einem eindeutig post-modernen Remake des Ursprungsmaterials.
Auch die Handlung lässt sich auf ähnliche Weise beschreiben: Einerseits hält sich das Drehbuch unverkennbar an die Story des Klassikers, andererseits erlaubt es sich jedoch eine Handvoll Anpassungen an das neue Setting und den humoristischen Ton. Die ersten beiden Akten setzen dies gelungen um. Leider scheitert das Projekt gegen Ende und die letzten 20-30 Minuten sind ein unübersichtlicher Wirrwarr an übertriebenen Stunts und unnötig komplizierten Verstrickungen zwischen den Figuren. Wer bis dahin noch nicht überzeugt war, wird sich im letzten Akt definitiv auch nicht mehr begeistern lassen.
Auch der Protagonist wurde dieser neuen Fassung von „Road House“ angepasst: Gyllenhaals Figur ist kein stiller Pazifist, der schweren Herzens seine Zen-artige Lebensphilosophie beiseitestellt, um die Menschen zu retten, die er liebt. Stattdessen ist Dalton hier ein gequälter Ex-Kämpfer, der von Reue und Selbsthass geplagt ist und nur versucht, ein stilles Leben zu führen. So ist er zwar nicht mehr der idealistische Held, der auf tragische Weise zum Äußersten gezwungen wird, aber die Neuinterpretation des Charakters bietet dafür etwas mehr psychologische Tiefe und funktioniert in dieser Fassung deutlich besser. Auch Gyllenhaals Kollegin Jessica Williams leistet als Frankie gute Arbeit und kann mit ihrem talentierten Co-Star mithalten. Von den restlichen Rollen darf allerdings nicht zu viel erwartet werden, da diese in der Story etwas oberflächlicher behandelt werden.

Visuell sind besonders die Kampfszenen spektakulär – wie es sich in einem Action-Film gehört. Liman versucht das Filmen von Nahkämpfen auf eine innovative Art zu bewältigen, was mit einer dynamischen Kameraführung für eindrucksvolle Szenen sorgt. Hier und da gerät der eine oder andere Shot zwar etwas aus dem Ufer und resultiert in einem Cartoon-artigen Look, doch alles in allem ist die Optik des Films durchaus gelungen.
Fazit
Ein post-moderner Tribut an einen Action-Klassiker – „Road House“ versucht sich an einer schwierigen Gradwanderung zwischen Originalität und Ode ans Original. Das Resultat ist ein visuell interessanter Action-Streifen, der bei trotzdem weitem nicht in jeder Hinsicht gelungen ist. Eingefleischten Verteidigern des Originalfilms könnte es schwer fallen, diese Version zu mögen, doch wer sie als ungezwungene Unterhaltung im Strand-Setting betrachtet, könnte sich gut unterhalten und zufrieden vom Sofa aus auf die Sommermonate freuen.
Wertung
(62/100)
Seit 21.3. auf Amazon Prime Video.
Bilder: (c) Amazon Studios
