Chaotisch war der Weg hin bis zur 91. Oscar-Verleihung, die vergangene Sonntagnacht im Dolby Theatre in Los Angeles abgehalten wurde. Weltweit konnte ein filmbegeistertes Publikum verfolgen, wie die Gala überraschend reibungslos, aber auch ohne wirkliche große Highlights vonstatten ging.

Die meisten Auszeichnungen des Abends erhielt das Queen-Biopic „Bohemian Rhapsody“ mit vier Siegen. Ausgezeichnet wurde Hauptdarsteller Rami Malek, weitere Preise konnte der Film in technischen Kategorien erhalten. Den Preis für die beste Hauptdarstellerin erhielt Olivia Colman für ihre Leistung in „The Favourite“, die selbst nicht ganz glauben konnte, dass sie sich gegen Glenn Close durchgesetzt hatte, die von vielen als Fixanwärterin für die Auszeichnung gesehen wurde, nun aber zum siebenten Mal leer ausging. Colman entschuldigte sich für ihren Sieg und sorgte mit ihrer spürbaren Aufregung für einen der emotionalsten Momente des Abends.

Zu erwarten war der Sieg von Regina King, die den Preis für die beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in „If Beale Street Could Talk“ abstaubte. Ähnlich vorhersehbar war auch der Sieg von Mahershala Ali in der Kategorie des besten Nebendarstellers für „Green Book“.

Die größte Überraschung des Abends kam zum Schluss, als „Green Book“ den Preis in der Kategorie „Bester Film“ erhielt und sich damit gegen den großen Favoriten, Alfonso Cuarón und seinen autobiographisch geprägten Film „Roma“, durchsetzte. „Roma“ wurde dafür mit den Preisen für die beste Regie, den besten fremdsprachigen Film und die beste Kamera ausgezeichnet. Womöglich hatte die Academy schlussendlich doch Vorbehalte, mit „Roma“ eine Netflix-Produktion als besten Film auszuzeichnen? In jedem Fall war der Preis für das klassisch erzählte Feelgood-Movie „Green Book“ die konservativere Entscheidung.

Große Überraschung für „Green Book“

Mit dem Preis für das beste Originaldrehbuch wurde ebenfalls „Green Book“ ausgezeichnet, während Spike Lees „BlacKkKlansman“ seinen einzigen Preis des Abends für das beste adaptierte Drehbuch erhielt.

Gemeinsam mit „Green Book“ und „Bohemian Rhapsody“ zählt aber auch „Black Panther“ zu den Gewinnern des Abends. Drei Preise erhielt der Film insgesamt und war somit Ausdruck einer Hinwendung der Academy zu populäreren Filmen.

Da der ursprünglich vorgesehene Moderator Kevin Hart kurzfristig abgesprungen war, führte diesmal niemand durch die Gala, was zwar keine gröberen Schwierigkeiten bereitete, die Verleihung aber auch arg unpersönlich machte. Dazu kam der Versuch, die Länge der Show möglichst knapp zu haben, um die Einschaltquoten hoch zu halten. Die Konsequenz war, dass bei einigen Reden das Mikrophon abgeschaltet wurde, was insbesondere bei den Preisen, die an Teams verliehen wurden, stark auffiel: manche Gewinner kamen gar nicht erst zu Wort.

Bestenfalls langweilige, schlimmstenfalls schauderhafte Gesangseinlagen scheinen bei den Oscars Tradition zu haben, so hielt man es auch dieses Mal wieder. Bette Midler, die den nominierten Song „The Place Where Lost Things Go” performte, gehörte zu den besseren Einlagen. Aber auch Lady Gaga und Bradley Cooper gaben „Shallow“ in einer soliden Einlage zum Besten, der Song wurde später zum besten Filmsong gekürt.

Zuschauer, die den Abend im ORF verfolgten, freuten sich über die zahlreichen Werbepausen der Show, in denen man den Ausführungen von Alexander Horwath und Lillian Moschen lauschen durfte.

von Paul Kunz