Es gibt sie noch: die Träumer, die Überflieger, die Macher. Zumindest kommt es einem so vor, wenn man sich die Dokumentation „Heidewitzka“ anschaut. Denn hinter dem etwas kryptischen Namen (bei dem es Eingeweihten wohl sofort in den Ohren klingelt) verbirgt sich ein Film, der die ebenso unglaubliche wie inspirierende Erfolgsgeschichte des gleichnamige Techno-Festivals beleuchtet.

von Mara Hollenstein-Tirk

Wer jetzt noch nie etwas von besagtem Festival gehört hat, muss sich wohl nicht gleich in Grund und Boden schämen. Der Titel kommt nicht von ungefähr, befindet sich das Gelände doch tatsächlich mitten in der Heide. Genauer gesagt neben einem verschlafenen Städtchen namens Hildburghausen in Thüringen. Ähnlich wie am Ort des ungleich bekannteren Festivals „Wacken“ geht es auch in Hildburghausen 99% des Jahres gemütlich zur Sache, doch an einem Wochenende im Sommer verwandelt sich der Ort zu einem Mekka für Techno-Fans aus der ganzen Welt. Waren es im ersten Jahr noch ein paar hundert Besucher, durfte sich das Festival jedes Jahr über einen gewaltigen Zuwachs freuen. So tanzten 2019 bereits 5000 Besucher auf 7 Stages die Tage und Nächte durch.

Und dabei fing alles einmal so unschuldig an. Danny Brohm war in der Szene zwar alles andere als ein Neuling, trotzdem reagierten Freunde und Familie erst einmal skeptisch, als er eines Tages plötzlich meinte: „Lasst uns doch ein Festival machen“. Immerhin hatte er bereits mit Freunden erfolgreich eine DJ-Agentur gegründet, zahlreiche Events organisiert und eine Crew im Rücken, die mit ihm durch Dick und Dünn gehen würde (kein Wunder, immerhin kannten sich die meisten bereits seit Jungendtagen). Getrieben von dem Wunsch, die Gegend ein wenig aus ihrem Winterschlaf zu reißen und den Menschen ein ebenso einzigartiges wie leistbares Festival zu präsentieren – ein Gedanke, der, schaut man sich einmal die Ticketpreise an, auch heute noch bewahrt wird – gingen sie also munter ans Werk. All die Stationen, die nötig waren, um aus der Idee dann auch tatsächlich ein veritables Festival erwachsen zu lassen, die Höhen und Tiefen, die Rückschläge und kleinen Siege, werden einem in der Dokumentation „Heidewitzka“ gezeigt, die seit kurzem auf Amazon Prime gesehen werden kann. Und auch wenn die dafür verwendeten Stilmittel als genretypisch bezeichnet werden können – Interviewschnipsel, Live-Mitschnitte der Arbeiten und des Festivals – so kommt man nicht umhin, dem Film eine gewissen Heimeligkeit anzumerken. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Organisator Danny Brohm selber die Idee zu diesem Film hatte, wodurch Regisseur Rene Erhardt einen Einblick bekam, der umfassender ausfällt als in den meisten Fällen. Allzu kritische Einblicke sollte man sich zwar nicht erwarten, nur kurz wird der Vorhang hier einmal gelüftet und gezeigt, wie der Stress, den die Organisation eines solchen Festivals mit sich bringt, auch gehörig an den Nerven zehren kann, wie es auch mal Streitereien und Reibereien gibt und nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist.

Fazit:

Dass diese negativen Seiten dabei im Hintergrund bleiben und ihnen kaum Screentime eingeräumt wird, stört aber nicht weiter, da es sich im Gesamtkonzept des Film stimmig anfühlt. Dies hier soll nämlich kein ernster Blick hinter die Kulissen sein, sondern eine inspirierende Geschichte darüber, wie es manchmal nur ein paar sehr guter Freunde, einer Menge Willenskraft und einer Schnapsidee bedarf, um etwas Großartiges zu erschaffen. Hier geht es nicht um die Schattenseiten, hier geht es um den Spaß an der Freude und die Liebe zur Musik. Es ist diese beinahe greifbare Energie, die einem da von dem Bildschirm entgegen sprüht, die einen dann auch über die Momente hinwegsehen lässt, in denen sich das Ganze beinahe wie ein Werbefilm anfühlt. Auf Amazon Prime.

Bewertung:

Bewertung: 7 von 10.

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