Nach Jahren der täglichen Pflege kommt das Ableben des eigenen Vaters für Dani einer Erlösung gleich. Zu sehr litt der junge Mann unter den Einschränkungen, und zu lange hat er seine eigenen Belange denen anderer untergeordnet. Seine Schwester schlägt ihm nach Abwicklung aller Formalitäten eine Weltreise vor, der Dani widerwillig zustimmt. Doch bevor er diese überhaupt antreten kann, tritt ganz unverhofft die bildschöne Mila in sein Leben und stellt es in einer einzelnen Nacht für immer auf den Kopf.

von Cliff Brockerhoff

Mit Mila und Dani prallen Charaktere aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Er ist ein ruhiger und besonnener Vertreter seiner Art, trinkt keinen Alkohol, geht einem geregelten Leben samt Bürojob nach und nach Möglichkeit jeglichem Ärger aus dem Weg. Sie dagegen erscheint gleichermaßen attraktiv wie fragil, wirkt zerstreut und scheint mit ihrer lasziven Art den Konflikt mit Gesetz und Mitmenschen nur so zu provozieren. Doch wie heißt es so schön? Gegensätze ziehen sich an, und so kann Dani der schönen Frau trotz immenser Bedenken nicht widerstehen.

Ebenjene Bedenken sind derweil mehr als begründet und werden auch dem Zuschauer unverblümt präsentiert. Schon zu Anfang wirkt der Umgang zwischen den Protagonisten holprig und es drängt sich der Gedanke auf, dass die Story bei halbwegs rationaler Handlungsfähigkeit in 20 Minuten auserzählt wäre. Gröbere Logikfehler reizen die Geduld der Zuschauer und führen beinahe dazu den Film früh abzuschreiben, doch nach anfänglichen Schwierigkeiten nimmt das Werk urplötzlich Fahrt auf. Gerade visuell setzt „Cross the line“ fortan immer wieder interessante Reizpunkte. Wenn sich hektische Schnitte im neongetränkten Licht aneinanderreihen, fließend in eine Plansequenz übergehen und die Handlung in einen wahrhaften Abwärtsstrudel führen, verströmt das eine absurde Faszination, die so nicht zwingend zu erwarten war.

In seinen besten Momenten erinnert der spanische Thriller an eine Mischung aus „Irreversibel“ und dem deutschen One-Take „Victoria“. Wer sich an Gaspar Noés wirre Kamerafahren jenseits von Gut und Böse erinnert und sich in Addition dazu die technische Finesse des deutschen Dramas vor Augen hält, kann in etwas erahnen was ihn im Mittelteil erwartet. Hier hat der Film seine stärkste Phase und profitiert vor allem davon, dass die Handlung in den Hintergrund rückt und der handwerklichen Ausarbeitung den Vortritt lässt. Läuft das Werk nun also Gefahr in die bekannte „style over substance“ Problematik abzurutschen? Jein. Der Story-Fortschritt lässt sich trotz Fokus auf die technische Komponente nicht abstreiten, allerdings verfällt das Ganze nach furiosem Mittelteil wieder in altbekannte Schemata. Sobald sich die Bilder beruhigen und der Dialog präsenter wird, verliert sich der Film in unfreiwillig komischen Verstrickungen. Das gipfelt zum Beispiel in abstrus unrealistischer Polizeiarbeit, die auch hier bei konsequenter Handhabung für ein jähes Filmende hätte sorgen können.

Nichtsdestotrotz muss man dem Film trotz seines Mankos zugestehen, dass er das anfängliche Dilemma gekonnt kompensiert und so für hochklassige Spannungsmomente sorgt, die die Kurzweiligkeit fördern und keinen Platz für Langeweile lassen. David Victori versucht keinen realistischen Einblick in den Alltag seiner Akteure zu gewähren, sondern setzt mittels kontinuierlicher Szenen und wackliger Bildkomposition auf ein „Mittendrin-Gefühl“, was dem Film, ganz im Gegensatz zum Wohlbefinden der Betrachter, absolut zugutekommt. Ob der Regisseur sich der eigenen Schwächen bewusst war und gezielt davon ablenken wollte? Spekulation. Doch auch wenn sicherlich nicht alles so schön strahlt wie die satte Farbpalette; irgendwie packt einen das Geschehen und man wohnt der Geschichte bis zum Schluss nicht ganz urteilsfrei, aber interessiert voyeuristisch bei.

Fazit

Nach anfänglichem Straucheln erweist sich „Cross the line“ letztlich zum Glück als knisternder Thriller voller Tempo, dessen Verlauf sich so zwar in keinem Universum zutragen würde, dem handwerklich aber höchster Respekt entgegengebracht werden muss. Innerhalb seiner knapp anderthalb Stunden wird von Spannung über Dramatik bis hin zu prickelnder Erotik fast alles geboten, sodass der Film dann eben doch noch leichtfüßig die Linie der Mittelmäßigkeit überschreitet. „Cross the Line“ steht ab dem 25. Februar digital zur Verfügung und kann ab dem 05. März auf BluRay oder DVD erworben werden. Weitere Infos dazu erhaltet ihr hier.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(61/100)

Bilder: ©Ascot Elite Entertainment


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