Welche Websites und Online-Services kennt fast jeder Mensch weltweit? Netflix, Amazon, Youtube – und Pornhub. Manche reden vielleicht nicht gern darüber, aber die größte weltweite Sexfilm-Streamingplattform hat täglich Millionen Besucher und gehört so zu den meistfrequentierten Online-Seiten. Das Geschäftsmodell ist relativ einfach: Jeder User kann (Sex-)Videos hochladen, private, jene von anderen oder von anderen produzierte – mit dem Urheberrecht nimmt man es da nicht so genau.

Seit einer Weile gibt es Vorwürfe von konservativen, aber auch feministischen Kreisen, die sich nicht nur an der offen zur Schau gestellten Sexualität stoßen, sondern auch an Fällen von Ausbeutung Minderjähriger: Pornhub bietet zwar nicht offen Kinderpornografie an, aber in der Regel ist nicht nachzuweisen, ob die (meistens weiblichen) Darstellerinnen wirklich über 18 Jahre alt sind. Und alles unter konsensualen Bedingungen aufgenommen wurde. Gerade die Tatsache, dass die Urheber und Quellen der Videos kaum nachvollziehbar sind, macht eine Überprüfung fast unmöglich. Seit letztem Jahr steht nun der Pornhub-Eigentümer Mindgeek im Fokus diverser Untersuchungen, die herausfinden sollen, wer denn im Fall des Falles die Haftung übernimmt.

Bisher wusste niemand genau, wem Pornhub bzw. Mindgeek, das auch noch andere Porno-Seiten betreibt, eigentlich gehört. Bei einer Anhörung von 2 hochrangigen Managern in Kanada fiel Anfang dieses Jahres erstmals der Name „Bernard Bergemar“ – oder Bernd Bergmair, wie der Mann in Wirklichkeit zu heißen scheint. Das britische Recherchemedium Tortoise Media machte sich in Kooperation mit der österreichischen Rechercheplattform Dossier auf die Suche – und wurde fündig: Über den aktuellen Wohnort des Betroffenen konnte herausgefunden werden, dass jener Bernd Bergmair ursprünglich aus der oberösterreichischen Kleinstadt Ansfelden bei Linz stammt. Der heute 52-jährige Bauernsohn hatte in Wien und Chicago studiert und war offenbar schon früh als Investmentbanker und Unternehmensberater in den USA – etwa bei Goldman Sachs – tätig gewesen. 2006 soll er in RedTube, eine in Wien gegründete Porno-Plattform, investiert haben und diese 2013 an Mindgeek verkauft haben, wobei er sich offenbar auch dessen Mehrheitsanteile gesichert haben soll.

Die heute veröffentlichten Recherchen sind lückenhaft, da das weit verzweigte Netzwerk des Bernd Bergmair mit Scheinfirmen durchsetzt ist und alles versucht wurde, die wahre Identität des Eigentümers zu verschleiern. Diverse Anfragen von Medien ließen Mindgeek, Pornhub und auch der Betroffene unbeantwortet, die britische Sun veröffentlichte allerdings ein Foto des „Porno-Königs“, das offenbar vor seiner Wohnung in London aufgenommen wurde:

Bildquelle: Tortoise Media / SUN